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Wie Große von Start-ups profitieren

Von Sigrid Brandstätter

Es gibt Chancen und Risiken für die Zusammenarbeit zwischen Etablierten und Einsteigern.

Es sind zwei Welten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Auf der einen Seite junge, digitale Firmen, auf der anderen etablierte Traditionsbetriebe. Dennoch versuchen immer mehr Große, von der Innovationskraft der Kleinen zu profitieren.

"Es geht darum, das unternehmerische und innovative Start-up-Gen in die DNA großer Firmen einzupflanzen. Das kann helfen, die derzeit massiven Veränderungen besser zu bewältigen", sagt Matthias Fink. Der Professor am Institut für Innovationsmanagement an der Kepler Uni in Linz hielt diese Woche bei einem Expertenfrühstück das Impulsreferat. Veranstaltet wurde diese morgendliche Diskussion von der Business School der Uni, Limak, und dem Wirtschaftsforum der Führungskräfte Oberösterreich.

"Auf jedes anders zugehen"

Der Anlagenbauer Primetals (vormals Siemens VAI) kooperiert mit drei Start-ups. Eva Tatschl-Unterberger vom verantwortlichen Geschäftsbereich berichtete über die Herausforderungen aus der Sicht eines Tankers: Es gehe darum, sich auf die jungen Firmen einzustellen und ihnen maßgeschneidert Unterstützung zukommen zu lassen. "Der erste Lerneffekt war, dass wir auf jedes anders zugehen müssen. Gleichzeitig sehen wir, die Zusammenarbeit mit uns beschleunigt deren Entwicklung." Denn damit die Vertriebsmannschaft von Primetals die Entwicklungen und Angebote der Start-ups mit in die Welt nehmen können, müssten sich die Kleinen rasch professionalisieren – etwa, was ihre Verkaufsunterlagen betreffe.

Innerhalb der eigenen Organisation sei darauf zu achten, dass "Mitarbeiter mit einer großen Offenheit gegenüber Neuem als Ansprechpartner zur Verfügung stehen." Ein bereits merkbarer Effekt sei, dass verstärkt Augen und Ohren für Ideen von außen geöffnet würden, sagt Taschl.

Hannes Freudenthaler ist einer der Gründer des Präsentationstools Presono, mit dem er dem Windows-Produkt Power Point Konkurrenz machen will. Er warb um Verständnis für die Welt der Kleinen. "Wir haben nicht die Kapazität, unsere Ideen, unser Angebot in 20 Meetings zu präsentieren, bevor es in einem Unternehmen zu einer Entscheidung über eine Kooperation kommt."

Seine Erfahrung mit heimischen Leitbetrieben sei sehr positiv. Die Bereitschaft, auf Geschäftsführer-Ebene mit Gründern auf Augenhöhe zu diskutieren, sei vorhanden. Presono arbeitet unter anderem mit Greiner Packaging und Keba zusammen.

Fink sagte, dass die Firmen gut überlegen sollten, welche Art der Kooperation sie mit Start-ups eingehen wollen – und sicherstellen, dass sie ausreichend Ressourcen zur Verfügung stellen können. Dabei meinte er nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Und er warnte vor einer Stimmung in den Unternehmen: "Wir haben die Innovation jetzt ausgelagert." Seine Botschaft an die Start-ups: "Innovation braucht Struktur, nicht nur Kreativität."

Veranstaltungstipp:

Hier können Start-ups aus Erfolgen und Fehlern lernen. Im Rahmen der OÖN-Wirtschaftsakademie erzählen Damian Izdebski, Bianca Gfrei und Berhard Lehner aus ihrem Leben.Am Dienstag, 25. April 2017 im Linzer Brucknerhaus (Beginn: 18.30 Uhr), gibt es zwei Keynote-Speaker und eine Podiumsdiskussion zum Thema "Start-ups". Wie man einen Start-up-Bilderbucherfolg hinlegt und trotzdem auch scheitern kann, erzählen die beiden CEO's Bianca Gfrei von Kiweno und Damian Izdebski von DiTech und Techbold. Außerdem berichtet der Linzer Bernhard Lehner vom Business Angel-Network startup300, warum er gerade in diese jungen Unternehmen finanziert. Im Anschluss an die Podiumsdiskussion dürfen selbstverständlich auch alle Zuhörer ihre Fragen stellen.

Karten: http://ticket.liva.at/eventim.webshop/webticket/seatplan?tokenName=CSRFTOKEN&eventId=2075&languages=de&languages=en

 

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