Bild: Feinkorn

Gedankensteuerung um ein paar Gehirnwindungen weitergedreht

Von Hannes Fehringer

Eine Schiedlberger High-Tech-Firma schrieb beim Ars-Electronica-Festival 24-stündigen Programmiermarathon aus, damit Maschinen und Roboter Gedanken lesen können.

Das Unfallopfer merkt gar nicht mehr, dass die Prothese, die seinen von der Maschine weggerissenen Arm aus Fleisch und Blut ersetzt, ein Konvolut aus Metallteilen und Drähten ist. Der Mann will nach einem Apfel greifen und hält ihn schon in der Hand.

Das ist mit heutiger Computertechnik und einer EEG-Haube auf dem Kopf schon machbar. Der Schiedlberger Unternehmer und Chef der High-Tech-Firma "G.Tec", Christoph Guger, will aber noch weiter hinaus, hält die Möglichkeiten künstlicher Gliedmaßen noch nicht für ausgereizt. Daher schrieb er beim Ars Electronica Festival am Wochenende einen "Brain Hackaton" aus – wobei das englische "Hack" für kreative Problemlösungen steht und "Marathon" für den Ausdauerlauf der Antike.

Schnittstellen zwischen Versuchspersonen und Maschinen

84 Studenten, Entwickler, Wissenschafter und Freaks setzten sich einen Nachmittag vor die Computer und Schnittstellen zwischen Versuchspersonen und Maschinen. Mit EEG-Hauben, die die Gehirnströme erfassen, wurden die Gedanken der Probanden auf Drohnen und Stützmanschetten für Beine (Orthesen) übertragen und diese mit reiner Willenskraft gesteuert. "Die Teilnehmer haben in kurzer Zeit Ideen entwickelt, von denen hoffentlich viele den Weg bis zur Anwendung finden", merkte LH-Stellvertreter Michael Strugl bei der Preisverleihung an. Auch für Guger war es keine Frage, dass bei den programmierten Projekten und Softwarelösungen viel Brauchbares dabei war.

Eine Gruppe, die sich optimistisch "Thumbs up" ("Daumen hoch!") nannte, schaffte es, dass bei einer Kunsthand mit Gedankensteuerung Finger und Daumen unabhängig voneinander bewegt werden konnten. Diese Feinmechanik eröffnet Menschen, denen die vorderen Gliedmaßen amputiert werden mussten, ganz neue Dimensionen, ihr Leben tatsächlich wieder selber in die Hand nehmen zu können. Für die Gruppe gab es den dritten Preis unter den "Programmierern." Den zweiten Platz eroberte der Arbeitskreis "Dreamers", der während des Schlafes Gehirnaktivitäten aufgezeichnet und diese in eine Computer-Animation umgewandelt hat. Den ersten Platz gewann die Gruppe "Smart Home", die es zuwege brachte, einen Haushalt zu organisieren, indem sie bloß an alles Wichtige dachte. Die Mikrowelle wärmte selbsttätig Schinkenfleckerl und der Mixer rührte "ferngesteuert" einen Smoothie ab. Weiters wurden mit Gedanken Roboter gesteuert, die ein Bild im Kopf des Malers auf der Leinwand umsetzten. Zudem beschäftigten sich Teilnehmer mit der Denkkappe selber: Es wurde ein spezielles Gewebe gefunden, sodass die Hauben fortan auch problemlos gewaschen werden können.

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