McDonald’s, Swarovski, Unimarkt: Warum die Lust auf Franchising steigt
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Warum die Lust auf Franchising steigt

Von Martin Roithner

Was haben der Fast-Food-Konzern McDonald’s, der Kristallglashersteller Swarovski, der Immobilienmakler Remax, die Handelskette Unimarkt, das Frauen-Fitness-Studio Mrs. Sporty und die Nachhilfe-Plattform Lernquadrat gemeinsam?

Alle Unternehmen betreiben Franchising. Darunter versteht man ein Vertriebssystem, bei dem Unternehmen (Franchise-Geber) eine Geschäftsidee an andere Unternehmer (Franchise-Nehmer) übergeben. Diese entrichten eine einmalige oder fortlaufende Gebühr an den Franchise-Geber und setzen das System an einem neuen Standort um.

Franchising ist eine österreichische Spezialität. Sechs von zehn aktiven Systemen wurden hierzulande gegründet. Und die Lust auf Franchising steigt. Das ist das Fazit einer Studie, die die Wirtschaftskammer und der Österreichische Franchise-Verband erarbeitet und gestern, Dienstag, in Wien präsentiert haben. Dafür wurden 71 von 8000 Franchise-Nehmer in Österreich befragt.

Ergebnis: Es gibt in Österreich derzeit 440 Franchise-Systeme und 10.400 Standorte. Das sind um jeweils sieben Prozent mehr als vor zwei Jahren. Der geschätzte Nettoumsatz der Branche betrug im Vorjahr 9,3 Milliarden Euro. Tendenz steigend.

"Hilft, Fehler zu vermeiden"

"Franchising ist eine Art Selbstständigkeit mit Fangnetz", sagt Andreas Haider, Präsident des Franchise-Verbandes und Geschäftsführer von Unimarkt. Ein Vorteil sei, dass jene, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchten, bestehende Konzepte übernehmen könnten. "Das hilft, Fehler zu vermeiden, die viel Geld kosten können", sagt Haider im Gespräch mit den OÖN.

Obwohl der Franchise-Nehmer eine Partnerschaft mit dem Franchise-Geber eingehe, habe er Freiheiten, so Haider. "Der Kern der Marke muss gut abgebildet sein, aber der Unternehmer kann den Feinschliff des Konzepts individuell vornehmen." Bei Unimarkt sei das etwa ein regionaler Händler, der seine Palette um saisonale Produkte erweitern könne. Die Trauner Handelskette hat aktuell 130 Standorte, davon 75 Filialen und 55 Franchise-Nehmer. Bis 2020 soll die Zahl der Franchise-Nehmer auf 100 steigen, kündigt Haider an.

Laut der Studie befinden sich zwei Drittel aller Systeme in der Franchise-Szene in der Aufbau- und Expansionsphase. 80 Prozent der Systeme wurden um die Jahrtausendwende entwickelt. Auf ein Franchise-Konzept kommen im Schnitt 239 Mitarbeiter. Der Frauenanteil in der österreichischen Franchise-Wirtschaft beträgt 59 Prozent, 43 Prozent der Führungskräfte sind weiblich. 

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