Bild: Bartl // Biofleisch-Pioniere: v. l. Katharina, Martin Sageder; Josef, Barbara Wiesinger.

"Das beste Rindfleisch kommt von der Biokuh"

Von Josef Lehner

Mühlviertler Biobauern entwickeln ein Markenprogramm, in dem es auch um Ethik geht.

"Es ist geschmacklich das beste Rindfleisch. Aufgrund des Alters der Tiere und weil sie auf der Weide das beste Futter und viel Bewegung haben, reift ihr Fleisch sehr gut aus", sagt Biomilchbauer Martin Sageder aus Pfarrkirchen (Bez. Rohrbach). Deshalb ärgert es ihn, dass Kuhfleisch bei Händlern und Konsumenten einen geringen Stellenwert hat. Die Tiere wandern zu niedrigen Preisen auf die Schlachtbank, wenn sie ihre Aufgabe als Milchlieferanten oder in der Mutterkuhhaltung erfüllt haben.

Mit der Gründung der Stressfrei Biofleisch Gesellschaft arbeitet Sageder zusammen mit seinem Nachbarn Josef Wiesinger seit einem Jahr gegen den Missstand an. Dahinter steckt ein Konzept, das – wie der Firmenname sagt – ein würdevolles Lebensende für Biokühe ebenso einschließt wie die Bildung einer Marke, um dem Produkt Stellenwert zu geben. Teile, die nicht als Frischfleisch vermarktbar sind, werden zu Salami. Auch hier sei reifer, fettreicher Rohstoff die beste Basis.

Vertrieb ab Hof und über Partner 

Die Marke nennt sich "Lomo alto" und wird mittlerweile ab Hof und über Partner vertrieben. Auch im Mühltalhof gibt es das Produkt. "Lomo alto" ist spanisch und bedeutet "Hochrippe" (Rostbraten). Spanisch wählte Sageder, weil er bei seinen zwei Brüdern, die auf der Iberischen Halbinsel leben, erlebt hat, wie sehr Spanier – und auch Franzosen – die Fleischqualität der Kühe schätzen. Reifes Rindfleisch sei bei uns eine Nische, für viele Konsumenten wegen des intensiveren Geschmacks gewöhnungsbedürftig, als "Dry aged Beef" aber derzeit voll im Trend.

Mit dem Markterfolg sind die Gründer zufrieden, noch nicht mit der ethischen Komponente. Heuer soll der Bauernhof in Atzgersdorf ein "Altersdomizil für Biokühe" samt Weideschlachtung erhalten. Hinzu kommen Schau- und Verkostungsraum ("Carnothek"). Je besser das Projekt sich entwickle, desto höher könne der Kuhpreis für die Biobauern sein. Auch alte Spezialitäten seien geplant, etwa Herzbeuschel und Zunge.

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