Bild: Anne Kaiser // Philipp Novak leitet das Unternehmen mit Sitz in Ried.

Rieder Start-up entwickelt Medikament

Von Alexandra Seidl

Hilfe für kranke Frühgeborene: Philipp Novak und sein schwedischer Partner besetzen eine Nische in der Pharmaindustrie.

Philipp Novak (44) ist Geschäftsführer des Unternehmens "orphanix" mit Sitz in Ried im Innkreis. Seine Pharma-Entwicklungs-GmbH ist eines von 35 Start-Up Unternehmen, die als erfolgreiche Neugründungen ausgezeichnet wurden. "Orphanix" entwickelt Präparate zur Behandlung seltener Erkrankungen von Frühgeborenen.

Der studierte Veterinärmediziner sattelte um, absolvierte ein neuerliches Studium in pharmazeutischer Medizin und arbeitete in globalen Positionen in Forschung, Entwicklung und Innovation in der Pharmaindustrie, bevor er sich selbstständig machte. Privat ist der Vater von vier Kindern ein Familienmensch mit einem Faible für alte Motorräder.

Die Idee hinter seinem 2015 gegründeten Start-up erklärt er so: "Das geniale an der orphanix Struktur ist, dass wir ein wendiges, schnelles Boot mit internationalen Experten an Bord sind. Da lässt sich der Kurs rascher an den Medical Need anpassen. Große Pharmakonzerne können hier oft nicht schneller als große Tankschiffe reagieren." Was dahinter steckt, erklärt er im Interview:

OÖN: Therapien für seltene Erkrankungen bei Frühgeborenen heißt es in der Beschreibung Ihres Unternehmens, erklären Sie uns bitte: Was macht Ihr Unternehmen?

Philipp Novak: Wir sind ein österreichisch-schwedisches Unternehmen, das in der Arzneimittelentwicklung tätig ist. Gemeinsam mit meinem Partner Univ.-Prof. Stefan Johansson entwickeln wir ein Präparat, mit dem Vitamin A an frühgeborene Babys verabreicht werden kann. Etwa 50.000 Babys kommen in Europa wesentlich zu früh, das heißt vor der 32. Schwangerschaftswoche, zur Welt. Da diese Frühchen körperlich noch nicht voll entwickelt sind, kommt es zu diversen Erkrankungen. Vitamin A-Mangel verursacht Augen- und Lungenerkrankungen: Bronchopulmonalen Dysplasie, eine schwerwiegende Lungenerkrankung mit Langzeitfolgen sowie Retinopathie, der häufigsten Form der frühkindlichen Blindheit.

Warum gab es bis jetzt noch kein Mittel gegen diese Erkrankungen?

Diese beide Erkrankungen zählen zu den "orphan diseases", darunter versteht man selten auftretende, schwerwiegende Erkrankungen. Es gibt global rund 6000 solcher seltenen Erkrankungen. Für die Pharmaindustrie war es bisher wenig interessant, Therapien zu entwicklen, da diese Zeit und Geld kosten und kein großer Markt vorhanden ist. Nur für etwa 100 stehen zugelassene Therapien zur Verfügung. Diese Nische entdecken die Pharma-Riesen erst nach und nach. In Europa ist eine Trendwende seit dem Jahr 2000 im Kommen. In Oberösterreich ist orphanix das erste Pharmaunternehmen, das sich auf seltene Erkrankungen spezialisiert.

Ihr Motto/Thema/Titel ist: "filling the blind spot in medicine" – Was sind diese blinden Flecken in der Medizin?

Die Idee dahinter ist die Frage, wo gibt es positive klinische Daten zur Therapie von Erkrankungen, aber kein Arzneimittel dazu. Mein Partner Stefan Johansson ist Facharzt für Neonatologie und Gründer einer Social Media Plattform für Neonatologie, auf der sich alle in diesem Gebiet tätigen Fachleute austauschen und informieren können. Er kennt die Notwendigkeit für Behandlungen, zu denen es keine Produkte gibt. Und diese "blind spots" zu füllen, ist unser Anliegen. In unserem Fall fehlte ein Präparat gegen den Vitamin A-Mangel, bei dem die Verabreichung intravenös möglich sein sollte. Die Zusammensetzung sollte keine Hilfsstoffe enthalten, die für die Entwicklung der Neugeborenen schädigend sein könnte.

Ab wann wird es eingesetzt werden?

Mit der Entwicklung wurde 2015 begonnen, und unser Medikament wird 2020 am Markt in Europa erscheinen, in den USA etwas später. Die Entwicklung wird von staatlicher Seite gefördert. Um das Arzneimittel bis zur Marktreife zu bringen und die Zulassung zu bekommen, arbeiten wir mit Laboren und anderen Unternehmen europaweit zusammen. Rechtlich haben wir für unser Medikament zehn Jahre Marktexklusivität.

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