Bild: win // Günter Hagauer (53) erhielt eine neue Beschäftigung am Kulturamt und im Museumsarchiv.

Generation 50+: Hochqualifiziert, aber arbeitslos

Von Gerald Winterleitner

Aktion 20.000: Älter als 50 Jahre und ein Jahr arbeitslos – die Stadt Steyr nützt nun dieses Wissen und diese Erfahrung.

Sie haben allesamt bereits ihren 50. Geburtstag gefeiert, unzählige Bewerbungsschreiben verfasst und seit mehr als einem Jahr keinen Job mehr erhalten – die Rede ist von jenen 45 neuen Mitarbeitern, die gestern von Bürgermeister Gerald Hackl offiziell am Magistrat Steyr willkommen geheißen wurden. Die Stadt Steyr konnte sich im Zuge der mittlerweile eingestellten „Aktion 20.000“ bis 30. Juni 2019 die Dienste und das Wissen dieser Menschen sichern, die zwar willig wären, zu arbeiten, denen am Arbeitsmarkt aber aufgrund ihres Alters kaum mehr eine neue Chance gegeben wird.

„Ich bin froh, dass es geklappt hat“, sagt Hackl, „es sind hochqualifizierte Leute dabei, die sich sofort hervorragend integriert haben.“ Eingesetzt seien die Neuen von der Verwaltung über die Kultur, den Alten- und Pflegebereich und die Gärtnerei bis hin zur Haustechnik. Wie es ihnen geht, erfahren Sie anhand zweier Schicksale.

„Habe nie gedacht, dass ich mit meiner Ausbildung Probleme haben könnte“

"Dass ich zu alt bin, ist mir nie direkt gesagt worden", sagt Günter Hagauer, "aber gespürt habe ich, dass das der Grund ist."

Mehr als 50 Bewerbungen hat der 53-Jährige geschrieben, fünfmal wurde er zum Vorstellungsgespräch geladen, ohne Erfolg. Er sei überqualifiziert habe es geheißen, oder sein Profil passe leider nicht ganz genau für diesen Job.

Hagauer ist einer jener 45 Mitarbeiter am Magistrat, die dank der "Aktion 20.000" Beschäftigung fanden. 28 Jahre lang war der gebürtige Reichraminger Musikschullehrer, parallel dazu war er zehn Jahre lang als selbstständiger Führungskräftecoach bei internationalen Firmen tätig. Bis vor vier Jahren. "Ich habe mit 50 eine neue Herausforderung gesucht", sagt Hagauer, der als interner Personalentwickler zu einem seiner Ex-Kunden wechselte.

Doch nach einem Wechsel in der Geschäftsführung wurde plötzlich sein Posten gestrichen. Daraufhin habe er ein ehemaliges Traditions-Wirtshaus in Garsten aufgesperrt, musste aber nach einem Jahr aufgeben.

"Dann war ich 52 und habe trotz meiner Qualifikationen nichts mehr gefunden", sagt der gelernte Automechaniker, der ein Jazz-Studium und die Matura an der Abend-HAK absolvierte sowie ein Soziologie- und Psychologie-Studium mit dem Magistertitel abschloss, Master-Coach und Mediator ist. "Heute reden alle vom lebenslangen Lernen, ich habe das immer schon gemacht und rund 30.000 Euro privat in meine Ausbildung investiert. Ich habe viel Erfahrung, habe mich immer für vieles interessiert, fühle mich fit. Ich hätte mir nie gedacht, dass ich ein derartiges Problem haben könnte." Keinen Job mehr zu finden, habe ihn dann doch härter getroffen, als er es für möglich gehalten hatte. "Plötzlich hast du den Stempel: 50 plus." Das Gefühl, zu alt für einen Job zu sein, lasse den Selbstwert leiden.

Auf die "Aktion 20.000" sei er vom AMS aufmerksam gemacht worden: "Das ist eine tolle Sache. Ich finde es schade, dass es nun eingestellt wurde. Es ist eine Chance für beide Seiten, so gelangt ja auch viel Wissen in eine Firma."

In der Kulturabteilung am Magistrat, wo er als Veranstaltungsassistent tätig ist, sei er überaus freundlich aufgenommen worden. "Dieser Bereich hat mich immer schon interessiert, hier kann ich auch meine Erfahrung gut einbringen."

"Mein Vertrag läuft bis Mitte 2019. Natürlich hat man die Hoffnung, dann übernommen zu werden." Wenn nicht? "Dann beginnt die Suche nach einem Job eben wieder von vorne. Aber jetzt will ich mich erst einmal beweisen."

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