ABB Pressekonferenz
Bild: Alexander Schwarzl // Oberösterreich ist für ABB-Chef Spiesshofer ein "Standort der Möglichkeiten", wie auf der Plakatwand bei der gestrigen Pressekonferenz stand.

ABB bringt 1000 neue Arbeitsplätze ins Innviertel

2017 hat ABB Bernecker & Rainer gekauft – jetzt werden 100 Millionen Euro investiert.

Es war der Coup des Jahres, als der Schweizer Technologiekonzern ABB am 4. April 2017 bekanntgab, das Innviertler Familienunternehmen Bernecker & Rainer (B&R) für rund zwei Milliarden US-Dollar zu kaufen. Damals schon schwärmte Ulrich Spiesshofer, Chef von weltweit 136.000 ABB-Mitarbeitern, von der "Industrieperle B&R". Genau ein Jahr und zwei Tage später kündigte der ABB-Vorstandsvorsitzende bei einer Pressekonferenz in Linz an, dass zu den derzeit 2300 Mitarbeitern in Eggelsberg bis 2022 weitere 1000 hinzukommen sollen.

"Wir werden in Eggelsberg ein weltweit einzigartiges Zentrum zur Entwicklung der Technologien für die Fabrik der Zukunft errichten", sagte Spiesshofer bei der Präsentation im Beisein von Bundeskanzler Sebastian Kurz. 100 Millionen Euro wird ABB zu diesem Zweck in Eggelsberg investieren.

Größte Einzelinvestition

Auf einer Fläche von 35.000 Quadratmetern entsteht ein Innovations- und Bildungscampus, der bis 2020 fertiggestellt sein soll. Der Spatenstich ist für Juni geplant. "Es ist die größte Einzelinvestition in der 40-jährigen Geschichte von B&R", betonte Spiesshofer. Auch ABB habe in 130 Jahren noch keine so große organische Einzelinvestition im Bereich der Industrieautomation durchgeführt.

Eggelsberg soll zu einem von fünf Forschungszentren im börsennotierten Konzern ausgebaut werden und reiht sich damit in eine Liste mit Standorten wie Shanghai und Bangalore. Spiesshofer gab sich zuversichtlich, dass die beschauliche Innviertler Gemeinde mit 2100 Einwohnern eine ebenso starke Anziehungskraft auf junge Techniker habe wie die anderen ABB-Forschungszentren.

Der ABB-Chef betonte gleichzeitig, dass es ein "offenes Österreich" brauche, in dem sich internationale Fachkräfte wohlfühlen würden. "Wir wollen junge Digitalfüchse in Eggelsberg mit alten Industriehasen zusammenbringen", so Spiesshofer, der Eggelsberg als "Silicon Valley der Industrieautomation" bezeichnete.

Applaus von der Politik

Von der Politik erntete Spiesshofer naturgemäß Applaus. Bundeskanzler Sebastian Kurz und Landeshauptmann Thomas Stelzer bedankten sich für das Engagement des Konzerns in Oberösterreich. Landeshauptmann-Stellvertreter und Wirtschafts-Landesrat Michael Strugl betonte, das Land unterstütze durch Ausbau von Bildung und Infrastruktur.

Denn die Suche nach 1000 zusätzlichen Technikern wird eine Herausforderung, wie B&R-Standortchef Hans Wimmer eingestand. Er verwies aber darauf, dass B&R die Zahl der Forscher in den vergangenen fünf Jahren bereits von 300 auf 600 verdoppelt habe. Man arbeite mit Uni, FH und HTL zusammen. Entwicklungszentren gäbe es nicht nur im Innviertel, sondern auch in Linz, Wels und Vöcklabruck. "Wir haben einfach unseren Radius vergrößert." Und mit einem kleinen Seitenhieb auf Linz sagte der Eggelsberger Wimmer: "Bei uns gibt es in der Früh keinen Stau." 

3 Fragen an ... Ulrich Spiesshofer

Vor genau einem Jahr hat der Vorstandsvorsitzende von ABB verkündet, dass sein Konzern Bernecker & Rainer kauft. Gestern gab Spiesshofer die größte Einzelinvestition am Standort bekannt.

1. Welche Bedeutung hat der Standort Eggelsberg für den ABB-Konzern?

Es ist unser globales Zentrum für Industrieautomation, die Wiege unserer Tätigkeiten in dem Bereich. Ein Standort mit fantastischen Menschen, die ein einzigartiges, weil stark lösungsorientiertes Geschäftsmodell entwickelt haben. Durch die Investition wird Eggelsberg einer der fünf großen Standorte für Forschung und Entwicklung im ABB-Konzern. Wir werden dort richtig Gas geben, auch in Richtung Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.

2. Das personelle Wachstum, das Sie sich vorgenommen haben, ist sportlich. Wie soll das funktionieren?

Die B&R hat sehr schön gezeigt, wie man es macht. 1979 gegründet, heute haben wir mehr als 2000 Mitarbeiter. Davon sind 1000 in der Forschung tätig. Wir setzen auf eine gute Basis. Wir machen Technologie, die die Welt bewegt, haben keine hierarchische Organisation und können weltweit Karriere bieten.

3. Was erwarten Sie vom Standort und der Politik?

Bei der Infrastruktur gibt es Hausaufgaben. Das Straßensystem und der öffentliche Nahverkehr sind nicht befriedigend. Bei der digitalen Plattform hat Österreich den Vorsatz, wieder stark zu werden: Das würde ich mir sehr wünschen. Auch im Vergleich zur Schweiz gibt es hier Aufholbedarf. Wir brauchen auch eine Ausbildungsoffensive und ein offenes Österreich für internationale Fachkräfte. Wir werden das Wachstum nicht nur mit lokalem Personal machen können. Wir müssen den Wohnungsmarkt und das Umfeld für Familien attraktiv gestalten.

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