Bild: Weihbold // Pflege und Kinderbetreuungsberufe sind in weiblicher Hand

Männermangel bei Erziehung und Pflege

Von Herbert Schorn

Nur vier Prozent der Mitarbeiter in der städtischen Kinderbetreuung sind Männer, in den Seniorenheimen sind es 15 Prozent – Eine neue Kampagne soll den Männeranteil steigern.

Gerald Haiderer ist quasi die Ausnahme von der Regel. Der 42-Jährige ist einer von 158 Männern, die in den zehn städtischen Seniorenzentren arbeiten. Demgegenüber stehen 895 Frauen. Sie stellen 85 Prozent der Pflege-Mitarbeiter. Noch krasser ist der Gegensatz in den städtischen Krabbelstuben, Kindergärten und Horten: Hier sind nur vier Prozent der pädagogischen Mitarbeiter Männer.

Auch Gerald Haiderers berufliche Karriere begann typisch männlich, also technisch. Der heute 42-Jährige machte eine Lehre als Orthopädie-Techniker. Erst der Zivildienst im damaligen AKH (heute Med-Campus III der Kepler-Uni) brachte in den 1990er-Jahren das Umdenken. "Als Techniker verbrachte ich viel Zeit in der Werkstatt, ich wollte aber lieber unter den Menschen sein." Er sattelte um und machte eine Ausbildung zum Krankenpfleger. "Damals war ich in meiner Klasse der einzige Bursch", erinnert er sich.

Nach mehreren Stationen fand er seine Berufung in der Arbeit mit betagten Menschen. Nun arbeitet er im Seniorenzentrum am Spallerhof. "Senioren sind nicht anders als die Jungen", sagt er. "Man kann mit ihnen genauso viel Spaß haben." An seiner Arbeit schätzt er, mit seinen Klienten eine Beziehung über längere Zeit aufbauen zu können: "Man lernt die Menschen und ihre Angehörigen wirklich kennen." Für Haiderer eine sinnvolle Tätigkeit: "Ich wollte immer einen Beruf, der mich zufrieden macht. Und das habe ich hier gefunden."

Die positiven Seiten überwiegen die Schattenseiten, etwa Dienste am Wochenende, am Feiertag und in der Nacht oder die Konfrontation mit Krankheit und Tod.

Gute Karrierechancen

Mittlerweile hat sich der Linzer nach oben gearbeitet. Als Wohnbereichsleiter ist er für 32 betagte Menschen und 20 Mitarbeiter zuständig. Er erstellt die Dienstpläne, hält Kontakt mit Ärzten und Verwandten und koordiniert die Verwaltung.

In seinem Bereich sind vier von 20 Pflegekräften männlich. "Ich freue mich über jeden Mann, der in mein Team dazukommt", sagt er. "Eine gute Durchmischung ist für das Team und die Bewohner von Vorteil." Warum eigentlich? "Männer und Frauen sind nicht gleich. Bei einem guten Mix ergänzen einander die Geschlechter."

Kampagne "Mann, du kannst das"

53 Männer und 1268 Frauen arbeiten in der städtischen Kinderbetreuung. Der Männeranteil beträgt 4 Prozent. In den Pflegeberufen der Seniorenheime sind es 15 Prozent.

Eine Kampagne soll diese Berufe Männern schmackhaft machen. Ab morgen fährt eine Straßenbahn, die auf das Thema aufmerksam macht, durch Linz. Infos gibt es auf manndukannstdas.at. „Männer, die in diesem Bereich arbeiten, werden oft belächelt“, sagt Patricia Kurz-Khattab, Gleichbehandlungsbeauftragte der Stadt.

„Daher wollen wir mehr Männer für diese Berufsfelder begeistern“, sagt Vizebürgermeisterin Karin Hörzing (SP). Denn: „Sich um andere zu kümmern, betrifft beide Geschlechter.“ Stadträtin Eva Schobesberger (Grüne) betont ein nach wie vor herrschendes Ungleichgewicht: „Wo es Macht und Geld gibt, sind die Männer, wo es um das Versorgen geht, sind die Frauen. Das muss sich ändern.“

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