"Ich kann nur jedem Personalchef raten, Nachnamen nicht zu beachten"
Bild: Diego Cervo

Personalchefs sollten Nachnamen nicht beachten

Unternehmen könnten sich die Personalsuche leichter machen, sagen Experten.

Schlecht verständliche Stelleninserate, ein verengter Blick auf mögliche geeignete Kandidaten. Dies sind nur zwei Gründe, warum die Suche nach zusätzlichem Personal zur sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen wird. Bei einer Pressekonferenz in Wien haben Branchenexperten diese Woche Probleme analysiert und Empfehlungen formuliert.

Zum ersten Punkt: Stelleninserate sind zu wenig verständlich. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter 500 Befragten, die meinungsraum.at durchgeführt hat. Für 48 Prozent sind Stellenausschreibungen "durchschnittlich bis wenig verständlich". "58 Prozent der Befragten können nicht einschätzen, ob sie auf Basis der Ausschreibung für einen Job geeignet sind oder nicht", sagt die Studienleiterin Roswitha Wachtler.

Aussehen meist vor Inhalt

Warum das so ist, erklärte Heinz Herczeg, Chef des Personalberaters lifecreator: "Eine offene Stelle für einen Lehrling wird genauso beworben wie ein Inserat für einen Managementposten." Dabei leide die zielgruppengerechte Ansprache, weil alles der Corporate Identity untergeordnet werde, also dem einheitlichen optischen Auftritt der Firma nach außen, attestiert Herczeg.

Als zweites großes Problem formuliert Johannes Kopf, einer der beiden Geschäftsführer des Arbeitsmarktservice Österreich, den verengten Blick auf die Kandidaten: "Wir erleben laufend, dass wir passende Personen bei uns haben, diese aber zu keinem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, weil sie über 50 Jahre alt sind", sagt Kopf. Er appelliert, in Zeiten einer verstärkten Nachfrage nach Fachkräften aus eingefahrenen Denkmustern auszuscheren: "Hier wird Gold zu ungenau gewaschen", sagte der AMS-Chef.

Falsche Einschätzungen würden auch für die rund 117.000 Langzeitarbeitslosen und die 113.000 arbeitslosen ausländischen Staatsbürger den Weg in den Arbeitsmarkt erschweren. "Ich kann nur jedem Personalverantwortlichen raten, beim Posteingang den Nachnamen wegzulassen", so der Tipp von Kopf.

Wo braucht es keine Erfahrung?

Oftmals würde auch jungen, ambitionierten Jobsuchenden der Einstieg in das Berufsleben durch die Eingangshürde in Stelleninseraten erschwert. "In wie vielen Jobinseraten steht, dass keine Berufserfahrung erforderlich ist?", so Kopf. Dass Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nicht zusammenpassen, darüber sind sich alle Akteure einig. "Das erhöht die Suchkosten", sagt Herczeg. Dazu kommen Kosten, wenn es zu einer Fehlbesetzung kommt.

Laut dem Berater betragen die Fluktuationskosten schon bei einfachen Positionen zwischen 2000 und 5000 Euro. Für erfolgskritische Positionen wie zum Beispiel eines Key Account Managers, der wichtige Kunden betreut, oder Technikers mit Spezialkenntnissen können direkte und indirekte Kosten von bis zu 100.000 Euro entstehen.

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