Bild: colourbox

Oberösterreich will IT-Fachkräfte anlocken

Von Martin Roithner

Bis 2020 werden in Oberösterreich 11.000 Fachkräfte fehlen, der Großteil davon in der IT-Branche. Für Wirtschaftslandesrat Michael Strugl (VP) ist das ein "Drama". Mit der "Leitinitiative Digitalisierung" will er dem Trend gegensteuern.

Oberösterreich sei laut Strugl neben Wien der zweitwichtigste IT-Standort in Österreich. "Das Problem: Wir haben seit Jahren sinkende Absolventenzahlen in diesem Bereich. Das ist ein Drama." Vor zehn Jahren sei ein knappes Viertel aller Informatik-Studenten nach Oberösterreich gegangen, heute liege diese Quote bei 14 Prozent. Bis 2020 werden laut Strugl 11.000 Fachkräfte in unserem Bundesland in den Bereichen Mathematik, Informatik, Technik und Naturwissenschaften abgehen - die meisten im IT-Bereich. 

Der Blick auf die Absolventenzahlen macht den Landesrat "nervös". Am Informatik-Campus Hagenberg der Fachhochschule Oberösterreich schließen jährlich rund 430 Absolventen das Studium ab. An der Linzer Kepler-Uni gibt es derzeit rund 1000 Studierende in vier Bachelor- und vier Masterlehrgängen mit IKT-Schwerpunkt (Informatik, Informationselektronik, Wirtschaftsinformatik und Computerwissenschaften). Und 380 Schüler beenden jedes Jahr die HTL in den Bereichen IT, Elektronik und EDV. "Das wird in Zukunft nicht reichen", sagt Strugl. In Wien müssten an der Technischen Universität Studierende sogar wegen des regen Andrangs abgewiesen werden, in Linz hingegen gebe es zu viele freie Plätze. 

Den oberösterreichischen Ausbildungsstätten will Strugl die Kompetenz nicht absprechen. "Die sind qualitativ top." Woran es liege, dass die Zahl der Absolventen im IT-Bereich jährlich sinke, könne er nicht sagen. Er vermutet: "Es gibt weniger junge Menschen, die sich für diese Ausbildung interessieren." 

Die wichtigsten Punkte der Leitlinie

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, soll die "Leitinitiative Digitalisierung" der Landesregierung Abhilfe schaffen. An 20 Punkten will Strugl ansetzen, das sind die vier für den Arbeitsmarkt relevantesten: 

  • IT-Ausbildungen in Oberösterreich sollen attraktiver gemacht werden. Bereits in den Schulen bedürfe es einer zunehmenden Aus- und Weiterbildung von digitalen Kompetenzen. 
  • AMS, Land Oberösterreich und die Wirtschaftsagentur Business Upper Austria sollen ein "Qualifizierungsnetzwerk" bilden, das zum Ziel hat, digitale Kompetenz in Unternehmen zu fördern. 
  • Ein "Human-Resources-Reifegradmodell" für Unternehmen soll entwickelt werden. Damit könne ein Unternehmen überprüfen, wie fit Mitarbeiter im Hinblick auf digitale Herausforderungen sind. 
  • Um den Bedarf rasch zu erkennen, sollen "Vorschauprozesse" weiterentwickelt und verfeinert werden. 

Aber Strugl will nicht nur Fachkräfte aus Oberösterreich, sondern aus der ganzen Welt nach Oberösterreich holen. Er weiß, dass das kein leichtes Unterfangen ist. "Im Silicon Valley verfolgen sie eine IC-Strategie. Das heißt, sie holen sich die besten Inder und Chinesen. Das können wir nicht. Aber vielleicht sind Serben oder Rumänen die Inder und Chinesen von morgen, die nach Österreich kommen."  

 

 

Bitte Javascript aktivieren!