"Das Handwerk hat wirklich goldenen Boden"

"Das Handwerk hat wirklich goldenen Boden"

Gerhard Straßer sieht derzeit viele Möglichkeiten für Menschen auf dem oberösterreichischen Arbeitsmarkt. Bild: VOLKER WEIHBOLD Sonderthemen-Redaktion

Gerhard Straßer, Oberösterreichs Chef des Arbeitsmarktservice, über Berufsbilder mit guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt hat sich im vergangenen Jahr erholt. Die Arbeitslosigkeit ist rückläufig, die Zahl der offenen Stellen ist stetig angestiegen. Doch in welchen Bereichen gibt es die besten Chancen auf einen Job? Die OÖNachrichten haben sich mit Gerhard Straßer, Chef des Arbeitsmarktservice Oberösterreich, unterhalten.

OÖNachrichten: Welche Berufsbilder sind auf dem Arbeitsmarkt aktuell am gefragtesten?

Gerhard Straßer: Wir sehen eindeutig, dass die Qualifikation der Menschen am wichtigsten ist. Der Schritt zwischen Pflichtschul- und Lehrabschluss ist sehr groß. Die Statistik zeigt, dass das Risiko, arbeitslos zu sein, bei jenen ohne Lehrabschluss viermal so hoch ist. Man kann sagen, dass die einzige Versicherung gegen Arbeitslosigkeit Ausbildung und Qualifikation sind. Vor allem der Lehrabschluss in handwerklichen Berufen bietet sehr gute Chancen. Die Zahl der Lehrlinge in diesem Bereich nimmt insgesamt ab, die Nachfrage von den Betrieben ist aber groß. Ob Schlosser, Tischler oder Dachdecker, das zieht sich durch fast alle Bereiche. Das alte Sprichwort "das Handwerk hat goldenen Boden" hat also wirklich noch seine Gültigkeit. Das sieht man auch daran, wie lange solche Leute arbeitslos sind. Facharbeiter sind derzeit sehr gefragt. Meldet sich einer arbeitslos, hat er in der Regel sehr schnell wieder einen Job.

Wie sieht es generell derzeit mit offenen Stellen aus?

Seit etwa einem Jahr sieht es wesentlich besser aus. Im gesamten Jahr 2017 wurden 96.315 offene Stellen angemeldet. Das sind um 17,7 Prozent mehr als im Jahr davor, also ein merkbar höheres Niveau. Es gab durchschnittlich um 4,9 Prozent weniger Arbeitslose. Die Arbeitslosenquote liegt bei 5,8 Prozent und damit um 0,5 Prozentpunkte niedriger als noch vor einem Jahr. Die Zahlen sind besser als allgemein erwartet worden ist.

Welche Chancen sehen Sie bei Schülern berufsbildender Schulen?

Generell kann man sagen: je mehr Technik, desto besser! Das beginnt bei der HTL und reicht bis zu den technischen Studien. Leute, die in den Bereichen Technik/Informationstechnologie qualifiziert sind, sind extrem gefragt. In diesen Bereichen lässt sich auch sehr gutes Geld verdienen. Die Unternehmen suchen im In- und Ausland nach passenden Mitarbeitern. Im intensiven Wettbewerb um Mitarbeiter schaffen sie gute Rahmenbedingungen. Das betrifft nicht nur ein entsprechendes Gehalt, sondern beispielsweise auch flexible Arbeitszeiten.

Welche Chancen gibt es für weniger technik-affine Menschen?

Im Pflege- und Gesundheitsbereich wird es künftig deutlich mehr Arbeitsplätze geben. Das resultiert schon alleine daraus, dass die Menschen immer älter werden und es deshalb mehr Bedarf gibt. Durch den Wegfall des Pflegeregresses wollen auch mehr Menschen wieder in Heime gehen. Möglich ist es nur für Menschen ab Pflegegeld-Stufe IV. Das heißt, die Menschen, die in den Alten- und Pflegeheimen wohnen, werden künftig auch mehr Pflegebedarf haben. Auch in Krankenhäusern wird es künftig mehr Personal brauchen. Das betrifft Ärzte, aber auch Gesundheits- und Krankenpfleger. Im Sozialbereich zeichnet sich die Entwicklung noch nicht so klar ab. Das wird maßgeblich von der Politik abhängig sein, die festlegt, wie viel Geld zur Verfügung steht.

Auch viele Wirte klagen darüber, dass sie nur schwer Mitarbeiter finden.

In der Gastronomie gibt es viele Beschäftigungsmöglichkeiten. Wirte versuchen derzeit auch mit Imagekampagnen, verstärkt junge Leute anzusprechen. Die Branche kämpft damit, dass viele Mitarbeiter aussteigen, wenn sie ein gewisses Alter erreichen. Das hängt auch oft mit der Familiengründung zusammen. Größere Gastronomen haben heute die Möglichkeit, attraktive Dienstpläne für die Mitarbeiter zu gestalten, damit diese beispielsweise nicht jedes Wochenende arbeiten müssen.

Gibt es in Oberösterreich gefragte Berufsbilder, die in anderen Bundesländern weniger nachgefragt werden?

In der Maschinenbau-Branche gibt es gute Betriebe mit sehr guten Aussichten. Die Möglichkeiten reichen vom Metalltechniker bis zum Mechatroniker. Aber auch im Kunststoffbereich ist der Beruf des Kunststoff-Technikers zunehmend gefragt. Das ist definitiv ein Beruf mit Zukunft.

Wie sieht es derzeit im öffentlichen Bereich aus?

Es gibt Bereiche, wo intensiv gesucht wird. Bei der Polizei und beim Bundesheer wird Personal aufgestockt. Aber auch in der Justiz gibt es gute Möglichkeiten.

 

"Die einzige Versicherung gegen Arbeitslosigkeit sind Qualifikationen und Ausbildung. Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist bei jenen ohne Lehrabschluss viermal so hoch als bei jenen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Das zeigt, dass Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt das Wichtigste ist." - Gerhard Straßer, Chef des Arbeitsmarktservice in Oberösterreich