Techniker haben beste Chancen

Techniker haben beste Chancen

MINT-Absolventen sind gefragt. Bild: colourbox Sonderthemen-Redaktion

Informatiker und Ingenieure sind stark gefragt, Bio- und Naturwissenschaftler weniger

Wer sich für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) interessiert, hat glänzende Jobaussichten - scheint es. Der Arbeitsmarkt benötigt dringend Fachkräfte aus dem MINT-Bereich, das Angebot ist aber geringer als die Nachfrage.

Bei einer von der OeAD-GmbH in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Österreich organisierten Fachtagung diskutierten Experten aus Bildung, Politik und Wirtschaft, welche Maßnahmen in Zukunft erforderlich sind, um Ungleichgewichte bei der Qualifizierung zu reduzieren.

"Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Personalsituation sind immer deutlicher spürbar. Hochqualifizierte im MINT-Bereich, insbesondere im Bereich Informationstechnologie, sind stark gefragt. Frühe Förderung der Begeisterung für MINT-Fächer, die Verankerung interdisziplinärer und digitaler Kompetenzen in allen Ausbildungen sowie die Stärkung der HTL sind wichtige Hebel für die Zukunftssicherung des Landes", sagte Klaus Peter Fouquet, Vorstand der Robert Bosch AG und Präsident der Wissensfabrik Österreich in seiner Rede.

Im Bildungsbereich gibt es bereits eine Reihe an Projekten und Initiativen, die die Veränderungen in der Arbeitswelt aufgreifen. Vorgestellt wurde unter anderem das Erasmus+ Projekt "European Apprenticeship Talent Programme", bei dem das Automotive Forschungs- und Entwicklungsunternehmen AVL List GmbH und die Steirische Volkswirtschaftliche Gesellschaft Partner sind.

Das Projekt entwickelt Programme, um Internationalisierung und "High-Potential-Förderung" in der Lehrlingsausbildung des MINT-Sektors zu fördern. "Die hochqualifizierte berufliche Ausbildung der MINT-Berufe im Unternehmen wird mit dem Ansatz des zusätzlichen projektbasierten Lernens unterstützt - und das grenzüberschreitend. Das eröffnet Perspektiven zur Weiterentwicklung für die Ausbildung, aber vor allem für die jungen High Potentials selbst", sagte Michaela Marterer, Geschäftsführerin der Steirischen Volkswirtschaftlichen Gesellschaft.

"Berufsbildung 4.0"

Präsentiert wurden außerdem die Strategien des Bildungs- und des Forschungsministeriums. "Die Herausforderung liegt vor allem darin - beginnend mit der Primarstufe - Mädchen wie Burschen gleichermaßen für innovatives Denken und forschendes Lernen zu gewinnen", sagte Christian Schrack, Fachexperte im Bildungsministerium. Die Oberstufe sei im Hinblick auf MINT und Industrie 4.0 bereits gut aufgestellt. Unter Berufsbildung 4.0 finde im Sinne der New Skills erstmals die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Lernenden unterschiedlicher berufsbildender Schulen mit entsprechenden Leitbetrieben der Region statt.

In den Diskussionen war man sich einig, dass es nicht nur wichtig ist, wie man motiviert, sondern auch wann. Im Kindergarten sollte schon das MINT-Interesse ganz allgemein geweckt und später gezielt Talente gefördert werden.

Stefan Zotti, Geschäftsführer der OeAD-GmbH: "Wir müssen früh ansetzen und Kinder und Jugend für Technik begeistern. Erasmus+ und Public-Science-Projekte regen junge Menschen an, ein realistisches Bild zu entwickeln, und zeigen Chancen in diesem Feld auf."

Eine IHS-Studie kommt unter anderem zu dem Schluss, dass der hohe Arbeitsmarktbedarf nicht alle MINT-Absolventen gleichermaßen betrifft: Graduierte in Informatik und Ingenieurwesen treten sowohl nach Fachhochschul- als auch nach Universitätsstudien besonders schnell in gut bezahlte Jobs ein.

Die Arbeitsmarktsituation nach Abschlüssen in Biowissenschaften, Naturwissenschaften und Architektur sei dagegen schlechter. Daher wird empfohlen, Bemühungen zur Erhöhung der Abschlusszahlen in MINT-Fächern vor allem auf die Ingenieurwissenschaften und die Informatik zu fokussieren.

 

"Die Auswirkungen der Digitalisierung sind immer deutlicher spürbar. Hochqualifizierte im MINT-Bereich sind stark gefragt. Frühe Förderung der Begeisterung für MINT-Fächer, die Verankerung interdisziplinärer und digitaler Kompetenzen in allen Ausbildungen sowie die Stärkung der HTL sind wichtige Hebel für die Zukunftssicherung des Landes" - Klaus Peter Fouguet, Vorstand Robert Bosch AG u. Präsident Wissensfabrik Österreich