Die "Renaissance" der Lehre

Die "Renaissance" der Lehre

Mehr als 44.000 Lehrlinge werden in Österreich in der Sparte Gewerbe und Handwerk ausgebildet. Bild: colourbox Sonderthemen-Redaktion

Ausbildungspflicht und verpflichtende Berufsberatung: Die Wirtschaft hat ein 6-Punkte-Paket zur Stärkung der Lehre vorgelegt

Fast die Hälfte aller Lehrlinge, mehr als 44.000, wird im Gewerbe und Handwerk ausgebildet; österreichweit sind 56 Prozent der Lehrbetriebe Mitglieder unserer Sparte", sagt die Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer, Renate Scheichelbauer-Schuster.

Der Belastungsplafond sei erreicht, hier müsse es zu einem Umdenken kommen. Da die Fachkräfteausbildung Kernaufgabe der Sparte ist und Modernisierungsschritte erforderlich sind, um die Lehre weiter attraktiv zu halten, hat die Sparte einen 6-Punkte-Plan erarbeitet, der umfassend auf den Bereich Ausbildung und Lehre eingeht und an die neue Bundesregierung adressiert ist. Für Thomas Mayr, Leiter des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft, zeigt sich eine "Renaissance der Lehre". So habe zuletzt sogar die OECD, die stark auf eine weitere Akademisierung gesetzt hat, den Wert der dualen Ausbildung für die berufliche Qualifikation erkannt und Deutschland und Österreich hier hervorgehoben.

In der Praxis sehe man aber, dass sich am bildungspolitischen Fokus auf Matura und Hochschule in Österreich derzeit noch wenig geändert hat. "Ohne Qualifizierung und Fortbildung wird es mit den Fachkräften von heute nicht mehr möglich sein, die Produkte und Dienstleistungen von morgen anzubieten. Unser 6-Punkte-Paket zielt auf einen umfassenden Bildungsbegriff, der vom Erlangen einer Ausbildungsreife weg bis hin zu einer Aufwertung des Meisters Schule und Ausbildung stärker verzahnt und unseren Betrieben in der Ausbildung der Fachkräfte von morgen den Rücken stärkt", sagt Scheichelbauer-Schuster.

Die Ausbildungspflicht bis 18 sei der erste Punkt. Diese könne nur erfolgreich wirken, wenn Verantwortlichkeiten nicht auf die Betriebe abgeladen werden. Daher solle eine "Ausbildungsreife" mit Mindeststandards in Lesen, Schreiben und Rechnen umgesetzt werden, damit die Betriebe die Möglichkeit haben, mit ausreichend qualifizierten Schulabgängern arbeiten zu können.

Punkt zwei: Verpflichtende Talente-Checks und Berufsberatung in der 7. und 8. Schulstufe in allen Schultypen zur Berufsinformation und Bildungsberatung. Im dritten Punkt sollen Lehrlinge mit Schülern gleichgestellt werden. Die Kosten der Lehrlingsausbildung tragen die heimischen Betriebe. Künftig solle die Lehrlingsentschädigung während der Berufsschulzeit von der öffentlichen Hand getragen werden.

Geht es nach der Wirtschaftskammer, solle künftig die Finanzierung der Oberstufenschulformen (unter anderem HTL, HAK und BORG) auf Ergebnisorientierung umgestellt werden, sodass nicht mehr die alleinige Tatsache, wie viele Schüler aufgenommen werden, sondern wie viele Schüler diesen Schultyp tatsächlich positiv abschließen, über die Mittelaufteilung entscheidet.

Aufwertung des "Meisters"

Ein zentrales Anliegen ist zudem die Aufwertung des "Meisters": Die Finanzierung der Fortbildung solle durch Stipendien unterstützt werdenund zumindest 50 Prozent der Kosten der berufsbegleitenden Meisterprüfung und Vorbereitungskurse solle durch die öffentliche Hand übernommen werden.

Punkt sechs: Die Sparte fordert von der neuen Regierung ein Bekenntnis zu Qualität durch einen qualifizierten Gewerbezugang. Denn durch die duale Berufsbildung verfüge Österreich über eine große Anzahl an guten und praxisnah qualifizierten Fachkräften. Ein qualifizierter Gewerbezugang sei nämlich ein Garant für Sicherheit und Konsumentenschutz.