Eine Lehre als Antrieb für gelingende Integration

Eine Lehre als Antrieb für gelingende Integration

Seit 2015 absolvieren 299 Asylwerber eine Lehre in Oberösterreich. Bild: Land OÖ/Dedl Sonderthemen-Redaktion

299 junge Asylwerber absolvieren in Oberösterreich eine Lehre in Mangelberufen, doch vielen droht die Abschiebung

Eine der wesentlichsten Voraussetzungen für eine geglückte Integration stellt zweifellos der Zugang zu Bildung bzw. zum Arbeitsmarkt dar. Umgekehrt gibt es in Österreich Berufe, die nicht mehr gänzlich durch Inländer besetzt werden können. Diese Überlegungen haben dazu geführt, dass es seit 2015 für junge Asylwerber bis zum 25. Lebensjahr bereits während des laufenden Asylverfahrens die Möglichkeit gibt, mit einer Lehre in diesen sogenannten Mangelberufen zu starten.

Per Jahresende 2017 gab es seit 2015 insgesamt 299 Asylwerber, die in oberösterreichischen Betrieben eine Lehre absolvieren. Ein Drittel dieser Asylwerber in der Lehre befinden sich in der Gastronomie (95 Lehrlinge). Der Rest verteilt sich quer über die restlichen Mangelberufe. Die Lehrbetriebe zeigen sich mit den Leistungen dieser Lehrlinge im Unternehmen und in der Berufsschule durchwegs hoch zufrieden.

"Nicht verschwiegen werden sollen dabei die aktuellen Herausforderungen", sagt Doris Hummer, Präsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich. Zusehens würden Lehrlinge und Lehrbetriebe mit negativen Asylbescheiden konfrontiert. Lange Asylverfahren und der überdurchschnittlich hohe Anteil von Afghanen (71,6 Prozent der aufrechten Lehrverhältnisse) seien verantwortlich für diese Entwicklung.

Die Wirtschaftskammer hofft in diesem Zusammenhang auf eine Festlegung im neuen Regierungsprogramm, die die Schaffung eines Niederlassungstitels zur Absolvierung einer Lehrausbildung vorsieht.

"Schon 299 junge Asylwerbende in ganz Oberösterreich absolvieren eine Lehre in Mangelberufen, wo Unternehmen schon seit Jahren händeringend nach Mitarbeiten suchen", sagt Integrationsandesrat Rudi Anschober (Grüne). Die Zahl steige weiter, 14 weitere Anträge seien bereits in Bearbeitung. Die Arbeitsmöglichkeit "Asylwerbende in Lehre" sei eine Win-Win-Win-Situation: "Davon profitieren die Asylwerbenden durch Beschäftigung, Ausbildung und Integration, die Unternehmen durch neue Zukunftschancen durch qualifizierte Mitarbeitern und die Gesellschaft durch Integration und geringere Kosten", sagt Anschober.

Die große Verunsicherung nehme aber aufgrund der Abschiebungen und Negativbescheide zu, wie auch einige aktuelle Fälle in Oberösterreich zeigen würden. Mittlerweile hätten bereits 40 Lehrlinge einen Negativbescheid erhalten und stehen damit vor der Abschiebung, falls nach einer Berufung dieser Bescheid von der zweiten Instanz bestätigt wird.

Anschober hat die Petition "Ausbildung statt Abschiebung" gestartet, die schon mehr als 23.000 Unterstützer hat. Auch Prominente wie Schauspielerin Katharina Stemberger und Adele Neuhauser unterstützen die Petition.

Asylwerber als Lehrlinge in allen Bezirken

Mit Jahresbeginn sind bereits 299 Asylwerbende in Lehrlingsmangelstellen, 216 davon kommen aus Afghanistan, die stärkste Altersgruppe ist die der 18-Jährigen. In allen Bezirken Oberösterreichs sind Asylwerbende als Lehrlinge tätig, 52 in Linz (inkl. Urfahr-Umgebung), 33 in Gmunden, 25 in Rohrbach, 23 in Perg, 22 in Vöcklabruck.

Asylwerbende konnten schon in vielen der Mangel-Bereiche Fuß fassen, am stärksten in der Gastronomie (ein Drittel). In den einzelnen Lehrstellen selbst führt der Lehrberuf des Kochs (70) vor dem Bäcker (15), Tischler (14), Friseure (14), Einzelhandelskauffrau/mann im Lebensmittelhandel (12), Gastronomiefachmann/frau (11), Elektrotechniker (11), Maurer (9).