Schöne neue Personalsuche?!

Schöne neue Personalsuche?!

Von Sigrid Brandstätter

Jobwechsel im digitalen Zeitalter: Man wird gefunden, mit Massenanfragen vergrault und testet Werte-Übereinstimmung wie bei der Partnersuche.

Angesprochen wird der gesuchte technische Experte auf seinen Lieblings-Webseiten. Er ist Mitte 40, Fußballfan, interessiert sich für Autos und hat Kinder im Schulalter. Weil er einen Bayern-Schal bestellt und sich über bestimmte Passat-Felgen informiert hat, sind seine Favoriten klar.

Immer öfter tauchen Jobinserate im Lieblings-Online-Umfeld der deutschen Techniker auf, berichtet die Linzer Personalberaterin Susanne Seher von Seher und Partner. Gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Helga Töpfl waren sie die einzigen Teilnehmerinnen aus Österreich beim ersten Headhunting-Kongress in Berlin.

"Auch wer sein Xing-Profil aktualisiert, Jobportale wie karriere.nachrichten.at liest, wird von Meta-Suchmaschinen wahrgenommen. Ähnlich wie Reiseanbieter, die mit ihrer Online-Werbung Déjà-vu-Erlebnisse bei Nutzern erzeugen, tauchen Jobangebote vermehrt auf völlig fachfremden Web-Seiten auf. Diese Entwicklung erreicht den Personalmarkt", sagt Seher.

Fehlerhafte Kontaktaufnahme

Neben verstärkter Online-Werbung würden deutsche Unternehmen auch intensiver Active Sourcing betreiben, also über soziale Medien potenzielle Arbeitnehmer kontaktieren. Das machen Firmen oft selbst. "Das passiert aber häufig ungeschickt. Wenn ein Kandidat ein interessantes Jobprofil zeigt, bekommt er oder sie bis zu 30 Anfragen pro Woche", berichtet Seher. Spezialisten – zumal im IT-Bereich – nennen das inzwischen "Active Spamming". Beim Kongress sei davon die Rede gewesen, dass sich Umworbene aus Plattformen wie Xing oder LinkedIn wieder zurückziehen, weil sie diese Massenanfragen als lästig empfinden. Gleichzeitig wollen Kandidaten aber umworben werden. Auch dieser Trend verstärke sich, berichtet Töpfl.

Die Kunst sei es, Wechselwillige zum richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Darauf gebe der eigene digitale Fußabdruck Hinweise, so die Experten. Neben dem richtigen Zeitpunkt sei für die Jobwechsler auch wichtig, dass der Arbeitgeber zu einem passe und umgekehrt. Ähnlich wie der bei Partnersuche würden erste Unternehmen auch Matching-Tools anbieten. Diese gleichen die Wertewelt des Unternehmens mit der eigenen ab. Die Ergebnisse dieser kulturellen Übereinstimmung würde nur der Bewerber sehen. "Der entscheidet, ob er das den Unterlagen hinzufügt", berichtet Töpfl. Wo die Passung hoch ist, ist der Jobwechsel auch häufiger auf Dauer erfolgreich.

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