"Dürfen bei neuen Berufsdisziplinen nicht ins Hintertreffen geraten"
Bild: SkillsAustria: So sehen Sieger aus - Österreichs jubelnde Medaillengewinner bei der WorldSkills in Abu Dhabi

Aufholbedarf bei neuen Berufsdisziplinen

Von Susanna Sailer

Österreichs Fachkräfte sind top in Traditionshandwerken, Asiaten siegen in neuen Technologien.

Sie sind Maler, Maurer, Betonbauer sowie Sanitär- und Heizungstechniker. Und sie sind allesamt im wahrsten Sinne Goldes wert. Denn in diesen Disziplinen erhielten fünf junge Österreicher bei der kürzlich abgehaltenen Berufsweltmeisterschaft WorldSkills in Abu Dhabi Goldmedaillen für ihre Top-Leistungen.

Hinzu kommen je eine Silbermedaille für einen Fliesenleger, eine Konditorin und einen Metallbauer und jeweils Bronze für einen Koch, eine Speditionskauffrau, eine Restaurantservice-Fachfrau sowie einen IT-Netzwerk- und Systemadministrator. Das 40-köpfige Österreich-Team kann über die Medaillen zu Recht jubeln (siehe auch Fotogalerie auf nachrichten.at).

Eines fällt allerdings auf: Abgesehen von einem mit Bronze prämierten IT-Spezialisten ist Österreichs berufliche Nachwuchselite durch die Bank in traditionellen Berufen vorbildlich aufgestellt. Wenn es um junge Disziplinen mit hohem Zukunftspotenzial geht, ist die Anzahl der Teilnehmenden überschaubar und somit auch die Chance auf Medaillen. In Berufen, bei denen Digitalisierung und neue Technologien im Vordergrund stehen, spielt die Musik anderswo – in China, Südkorea und auch in Brasilien.

Johannes Fraiss, offizieller Delegierter des SkillsAustria-Teams, ist sich dessen bewusst: "Wir müssen achten, dass wir bei den neuen Berufsdisziplinen nicht ins Hintertreffen geraten." Der steirische Wirtschaftskammerpräsident Josef Herk, der in Abu Dhabi die Werbetrommel für EuroSkills 2020 in Graz rührte, stimmt zu: "Wir müssen die Zukunftsjobs erkennen und mehr fördern."

Beide betonen jedoch die andere Herangehensweise der Asiaten an Berufsweltmeisterschaften. Fraiss: "In China und Südkorea werden die Leute für das Intensivtraining zwei Jahre lang freigestellt. WorldSkills-Teilnehmer haben dort den Stellenwert wie bei uns Skifahrer bei Olympischen Spielen."

In Asien werde viel Geld in die Hand genommen, um die Teilnehmer in den verschiedenen Disziplinen zu drillen. "Gewinner werden wie Nationalhelden gefeiert", sagt Herk. Österreich verfolge hier eine andere Strategie. Es gehe nicht darum, Wettbewerbsprofis heranzuzüchten, sondern zu beweisen, was Fachkräfte für die Wirtschaft im Land leisten. Fraiss: "Unser Nachwuchs arbeitet Tag für Tag in den Betrieben und ist freiwillig bereit, in der Freizeit durch zusätzliches Training ein Schäuferl draufzulegen."

Mit Skills-Pool Wertigkeit heben

Herk würde sich mehr finanzielle und moralische Unterstützung für die jungen Leute wünschen: "Wir bräuchten ähnliche Trainingsmöglichkeiten wie beim Österreichischen Skiverband. Wir sollten nach dem Vorbild des Ski-Pools einen Skills-Pool gründen." Es gehe darum, für die Berufsausbildung eine gleiche gesellschaftliche Wertigkeit zu schaffen.

Vergleichbar mit Österreich ist die Situation in der Schweiz. Mit 38 Teilnehmenden, die alle eine herkömmliche Schweizer Berufslehre absolviert haben, war die Zahl der antretenden Fachkräfte fast gleich hoch wie jene der Österreicher. Mit elf Gold-, sechs Silber- und drei Bronzemedaillen war die Schweiz mit Abstand die beste europäische Nation und belegte Platz zwei hinter China. Die Schweizer holten auch Gold in jungen Disziplinen, etwa im Bereich IT-Lösungen, Webdesign und Automatik.

Bitte Javascript aktivieren!