"Den Unterschied machen die anderen"

"Den Unterschied machen die anderen"

Susanne Kepplinger Bild: privat Sonderthemen-Redaktion

Susanne Kepplinger, Lehrling im 2. Jahr, über ihren Weg zur EDV-Technikerin

Susanne Kepplinger ist EDV-Technik-Lehrling im zweiten Lehrjahr bei den Oberösterreichischen Nachrichten. Im Gespräch erzählt sie von ihrer Lehre in einem frauenuntypischen Beruf.

Was hat dich an dem Berufsbild IT-Technik gereizt?

Kepplinger: Wir hatten in der Hauptschule einen echt coolen Informatik-Lehrer. Schon im Unterricht ist mir aufgefallen, dass ich mir leichter tue als andere und dass es mir auch Spaß macht. Von da an habe ich immer gesagt, dass ich etwas in die Richtung machen möchte. Entweder das oder eben Bürokauffrau wie meine Schwestern. Dann bin ich ins Poly gekommen. Dort gab es eine zweiwöchige Einführungsphase. Für mich standen die Schwerpunkte Handel und Büro oder Mechatronik, der eben auch auf IT eingeht, zur Wahl. Nachdem Handel und Büro nicht so das meine war, hat mich der Lehrer ermutigt, in Mechatronik zu gehen.

In der IT-Technik findet man deutlich mehr Männer. War das für dich ein Problem?

Das war mir schon vorher bewusst. Im Poly war es so, dass wir bis zum Halbjahr von elf Schülern zwei Mädchen waren. Die andere hat dann aber aufgehört. Auch jetzt bin ich das einzige Mädchen in der IT-Abteilung. Ich werde zwar oft darauf angesprochen, aber mich stört das überhaupt nicht. Ich werde auch nicht anders behandelt. In der Berufsschule waren wir fünf Mädls, lernen mussten wir natürlich das Gleiche, aber ich glaube, manchmal habe ich mir sogar leichter getan als manche Burschen. Selbst im technischen Bereich war ich im vertieften Kurs. Ich glaube, den Unterschied machen die anderen, die Leute, die das ständig ansprechen müssen.

Hast du immer gewusst, dass du eine Lehre machen willst?

Nein, Schule war lange ein Thema. Ich hab mich dann doch für das Poly entschieden. Zum einen hat mich mein Papa sehr unterstützt und gesagt: "Wenn wir etwas Gescheites finden, kannst du eine Lehre anfangen, und wenn du dir denkst, das passt nicht, kannst du immer noch in eine Schule weitergehen." Im Poly habe ich dann immer mehr entdeckt, dass ich eigentlich eher eine bin, die arbeiten möchte. Ich möchte selbstständig sein, mein eigenes Geld verdienen. Mir gefällt an der Lehre ganz besonders, dass ich auch praktisch etwas arbeite, das ist mir einfach lieber.

Hast du auch Orientierungsangebote wie Messen genützt?

Ja, sicher. In der vierten Klasse Hauptschule haben wir eine Potenzialanalyse gemacht, die hat mir aber nicht weitergeholfen. Auf der "Jugend und Beruf"-Messe habe ich die ganzen Schulen etwas kennengelernt. Entschieden habe ich mich dann trotzdem für die Lehre.

Was gefällt dir an deinem Job bisher besonders gut?

Schwierig zu beantworten, weil mir eigentlich alles taugt. Ich komme mit den Leuten gut klar, es freut mich, dass ich jeden Tag etwas Neues lerne, mir macht aber auch die Berufsschule Spaß. Ich gehe einfach gerne in die Arbeit, auch wenn ich mal etwas falsch mache. Dann wird mir gesagt: "Hey, du bist ein Lehrling, du darfst das noch falsch machen." Und beim nächsten Mal mach ich es einfach besser. Ich kann auch immer Fragen stellen, ganz egal, wie blöd die Frage ist, niemand schaut mich komisch an. Auch wenn natürlich erwartet wird, dass ich mich bemühe und lerne. Aber insgesamt werde ich sehr unterstützt.

Wie hast du deine Lehrstelle gefunden?

Ich habe ein paar Bewerbungen geschrieben, auch für Stellen als Versicherungskauffrau als Plan B. Mein Papa hat dann in den OÖN KarriereNachrichten das Inserat für die Lehrstelle entdeckt. Ich habe mich gleich beworben, habe aber gar nicht wirklich damit gerechnet, in einem so großen Unternehmen mit vielen Bewerbern eine Stelle zu bekommen. Entsprechend gefreut habe ich mich, als ich zuerst zum Bewerbungsgespräch und dann zu einem Probetag eingeladen worden bin – und schließlich die Lehrstelle bekommen habe. Da hat auch mein gutes Zeugnis eine Rolle gespielt.

Lehre ist eine gute Grundlage für beruflichen Erfolg. War das mit ein Grund, warum du dich dafür entschieden hast?

Auf jeden Fall. Schon im Poly ist mir klar geworden, dass man mit einer Lehre nicht immer nur im Beruf sitzen muss. Man kann viel daraus machen. Eine Matura machen, sich weiterentwickeln. Darum habe ich im September mit dem ersten Kurs für "Lehre mit Matura" begonnen. Man muss sich halt selber dahinterhängen. Wenn man nichts macht, wird man "festsitzen", wer sich weiterbildet, kann etwas aus sich machen.