Was Lehrlinge alles dürfen

Was Lehrlinge alles dürfen

Bild: colourbox.de Sonderthemen-Redaktion

Lehrlinge haben so einige Rechte

Für Lehrlinge ist die Arbeitswelt völlig neu. Da kann es vorkommen, dass die eine oder andere Frage beziehungsweise Unsicherheiten auftaucht. Hier einige wichtige Tipps und Informationen rund um die Lehre.

Lehrvertrag

Lehrverträge müssen schriftlich abgeschlossen werden. Da die meisten Lehrlinge noch nicht volljährig sind, müssen die Eltern mitunterschreiben. Folgende Punkte müssen in einem Lehrvertrag in jedem Fall festgehalten werden:

• Bezeichnung des Lehrberufs

• Standort der tatsächlichen Ausbildungsstätte

• Daten des Lehrberechtigten, des Lehrlings und ggf. dessen gesetzlichen Vertreter (Eltern)

• Sozialversicherungsnummer

• Name des Ausbilders (Ausbildungsleiters)

• Beginn und Ende des Lehrverhältnisses

• Etwaige Ausbildungsverbundmaßnahmen

• Pflicht zum Besuch der Berufsschule

• Hinweis auf die Höhe der Lehrlingsentschädigung

Kann ein Lehrbetrieb nicht alle Ausbildungsinhalte eines Lehrberufs abdecken, muss der Lehrvertrag Ort und Dauer der ergänzenden Ausbildung (zum Beispiel in einem anderen Unternehmen) enthalten. Darüber hinaus können Sonderleistungen (zum Beispiel Gewährung von Kost und Quartier) festgehalten werden.

Probezeit in der Lehre

Jedes Lehrverhältnis beginnt mit einer dreimonatigen Probezeit. Das ist eine Art gegenseitige Kennenlernphase. Sowohl der Lehrling als auch der Betrieb können in diesem Zeitraum das Lehrverhältnis jederzeit ohne Angabe von Gründen auflösen.

Lehrlingsentschädigung

Die Höhe der Lehrlingsentschädigung ist in den jeweiligen Kollektivverträgen geregelt. Firmen können freiwillig auch ein höheres Gehalt bezahlen. Das Gehalt muss auch während der Berufsschulzeit bezahlt werden. Jeder Lehrling hat Anspruch auf einen Lohnzettel, mit dem er die Zahlung überprüfen kann. Darauf sind allfällige Zulagen, Sonderzahlungen und gesetzliche Abzüge aufgeschlüsselt.

Gegenseitiger Respekt

Jeder Lehrling hat das Recht auf eine ordentliche Ausbildung entsprechend dem jeweiligen Berufsbild. Ihm müssen alle für den Beruf nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden. Tätigkeiten, die nichts mit dieser Ausbildung zu tun haben oder die ihre Kräfte übersteigen, dürfen nicht an Lehrlinge übergeben werden. Für die Lehrabschlussprüfung besteht ein Recht auf bezahlte Freistellung und Ersatz der Prüfungsgebühr.

Der Lehrling ist seinerseits verpflichtet, sich zu bemühen, alle diese Fähigkeiten und Kenntnisse auch tatsächlich zu erlernen. Bei einer Verhinderung (zum Beispiel Erkrankung) ist der Lehrberechtigte sofort zu verständigen. Außerdem sind Lehrlinge dazu verpflichtet, Betriebsgeheimnisse zu wahren und mit der Betriebsausstattung (zum Beispiel Werkzeugen) sorgsam umzugehen.

Arbeitszeit

Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres dürfen Jugendliche nicht länger als acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich arbeiten. Ausnahmen ermöglichen eine maximale Arbeitszeit von neun Stunden täglich und 45 Stunden pro Woche. Überstunden sind mit einem Zuschlag von 50 Prozent zu bezahlen beziehungsweise in Form von Zeitausgleich (eine Überstunde entspricht dabei 1,5 Stunden Zeitausgleich) abzugelten.

An Sonn- und Feiertagen dürfen Lehrlinge bis zum vollendeten 18. Lebensjahr grundsätzlich nicht beschäftigt werden (Ausnahmen gibt es zum Beispiel im Gastgewerbe). Lehrlinge, die am Samstag arbeiten, müssen am darauf folgenden Montag frei haben.

Berufsschule

Der Besuch der Berufsschule ist verpflichtend. Entfällt der Unterricht, müssen Lehrlinge zur Arbeit kommen. Das gilt auch, wenn nur ein Teil des Unterrichts entfällt, sofern nicht mindestens acht Stunden Unterricht abgehalten werden. Übersteigen die Kosten für ein Berufsschulinternat die Höhe der Lehrlingsentschädigung, muss der Betrieb die Differenz ausbezahlen.

Urlaub

Wie alle Arbeitnehmer haben auch Lehrlinge Anspruch auf 30 Werktage Urlaub, die nicht einseitig festgelegt werden können. Bis zum vollendeten 18. Lebensjahr besteht ein Anrecht auf zwölf Werktage Urlaub zwischen 15. Juni und 15. September. Erkrankt man während des Urlaubs und dauert die Erkrankung länger als drei Kalendertage an, ist dies sofort im Betrieb zu melden (ärztliche Bestätigung). Der Urlaub wird dann unterbrochen und geht in Krankenstand über.

Behaltezeit

Nach dem Ende der Lehrzeit ist der Betrieb verpflichtet, die ehemaligen Lehrlinge noch für mindestens drei Monate weiterzubeschäftigen. Wird das Lehrverhältnis nach der halben Lehrzeit oder früher aufgelöst, besteht dieselbe Verpflichtung für 1,5 Monate.

In der Behaltezeit steht den Betroffenen auch ein höheres Gehalt zu. Natürlich können Lehrlinge auch dauerhaft in ein befristetes oder unbefristetes Dienstverhältnis übernommen werden.

Kündigung des Lehrverhältnisses

Einvernehmlich – also auf Wunsch beider Parteien – kann ein Lehrverhältnis gelöst werden, wenn zuvor eine Beratung bei der Arbeiterkammer in Anspruch genommen wird. Einseitig kann das Lehrverhältnis nur mit sehr guten Gründen aufgelöst werden. Zum Beispiel bei schuldhaftem Verhalten des Lehrberechtigten (zum Beispiel Misshandlung, Nichtbezahlung der Lehrentschädigung, keine entsprechende Ausbildung) oder des Lehrlings (zum Beispiel unerlaubtes Fernbleiben vom Arbeitsplatz oder der Berufsschule, Diebstahl).

Jede Auflösungsart muss in Schriftform und unter Einhaltung bestimmter Fristen erfolgen. Zudem muss die Meldepflicht im Rahmen der "Ausbildungspflicht bis 18" beachtet werden. Bei Minderjährigen ist wiederum eine Unterschrift der Eltern erforderlich.

Rat und Hilfe bietet die Arbeiterkammer Oberösterreich.