Eine faire Chance am Arbeitsmarkt

Eine faire Chance am Arbeitsmarkt

Bild: colourbox.de Sonderthemen-Redaktion

Die integrative Berufsausbildung fördert eine Lehre ohne Barrieren

Für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten oder einer Beeinträchtigungen ist es am Arbeitsmarkt oft schwieriger als für andere. Sie erhalten oft keine Chance auf eine betriebliche Erstqualifizierung. Auf Initiative der Sozialpartner wurde daher eine Form der Ausbildung entwickelt, die den unterschiedlichen Bedürfnissen dieser Jugendlichen entspricht. Ziel dieser integrativen Berufsausbildung (IBA) ist eine verbesserte Eingliederung von benachteiligten Jugendlichen mit besonderen Vermittlungshindernissen in das Berufsleben.

Im Rahmen der integrativen Berufsausbildung stehen zwei Varianten zur Verfügung: eine Lehre mit verlängerter Lehrzeit oder eine Teilqualifizierung. Beide Varianten sind im Berufsausbildungsgesetz geregelt. Die Ausbildung kann in Lehrbetrieben oder in Ausbildungseinrichtungen durchgeführt werden, die über eine Bewilligung des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft verfügen.

Manchmal braucht’s ein bisschen länger

Für jene Personen, bei denen angenommen werden kann, dass sie grundsätzlich einen Lehrabschluss erwerben können, dafür aber unter Umständen etwas länger brauchen, kann eine verlängerte Lehrzeit eingeräumt werden. Dies kann zu Beginn oder im Laufe des Lehrverhältnisses im Lehrvertrag vereinbart werden. So kann zum Beispiel der Lehrberuf "Restaurantfachmann/-frau" in vier statt in drei Jahren erlernt werden.

Für den Lehrabschluss ist ein Besuch einer Berufschule ebenso verpflichtend wie die positive Absolvierung der Lehrabschlussprüfung.

Berufe teilweise erlernen

Ist anzunehmen, dass Jugendliche auch in einer längeren Zeit keinen Lehrabschluss schaffen werden, ist eine Teilqualifikation sinnvoll. Bei dieser Form der Ausbildung erlernt der Lehrling Teile eines oder mehrerer Lehrberufe. Beispielsweise werden aus dem Berufsbild Tischlerei Fertigkeiten wie Messen, Anreißen, Hobeln, Sägen, Bohren, Schleifen, Schlitzen, Zinken, Dübeln, Furnieren, Zusammenbauen von Werkstücken und Oberflächenbehandlung erlernt. Welche Teile des Berufsbildes bzw. welche Fertigkeiten und Kenntnisse aus verwandten Lehrberufen im Rahmen der Teilqualifikation erworben werden sollen, wird in einem Ausbildungsvertrag festgehalten.

Geld verdienen

Wie alle Lehrlinge erhalten auch benachteiligte Jugendliche oder Jugendliche mit Behinderung, die im Zuge einer integrativen Berufsausbildung in einem Lehrbetrieb einen Beruf erlernen, eine Lehrlingsentschädigung. Diese ist durch den Kollektivvertrag geregelt.

Erfolgt die Ausbildung in einer Ausbildungseinrichtungen (Lehrgänge des AMS), wird in allen drei Lehrjahren eine monatliche Beihilfe ausbezahlt.

Während der gesamten Ausbildung besteht Sozialversicherungspflicht, Anspruch auf Familienbeihilfe und Freifahrt bzw. Fahrtenbeihilfe.

Voraussetzungen

Können Jugendliche vom AMS nicht in eine Lehrstelle vermittelt werden und treffen bestimmte Voraussetzungen zu, wird in einer speziellen Berufsorientierung bzw. Berufsberatung durch einen Berufsbildungsassistenten geprüft, ob eine integrative Berufsausbildung infrage kommt. Der Berufsbildungsassistent begleitet und unterstützt die Jugendlichen durch ihre gesamte Ausbildungszeit. Mit ihm werden Rahmenbedingungen wie Ausbildungsziel, Ausbildungsdauer etc. festgelegt. Zudem bieten Berufsbildungsassistenten pädagogische Begleitmaßnahmen an, vermitteln bei verschiedenen Problemen und vieles mehr.