Lehrabschluss im zweiten Anlauf als Karriereturbo
Bild: HighwayStarz

Lehrabschluss im zweiten Anlauf als Karriereturbo

Von Susanna Sailer

1600 Menschen nützten 2017 die Chance, mit einer außerordentlichen Abschlussprüfung zur Fachkraft aufzusteigen.

Wer nur einen Hauptschul-Abschluss hat, hat ein vierfach höheres Risiko, arbeitslos zu werden. In Zeiten, in denen Fachkräfte händeringend gesucht werden, steigen die Chancen, einen guten Job zu bekommen – vorausgesetzt, die Bewerber haben eine Lehre absolviert. Wer das in Jugendjahren verabsäumte, kann den Abschluss ohne Lehrvertrag nachholen – und zwar in kürzerer Zeit als eine reguläre Lehre dauert.

Vorbereitungskurse zur Prüfung bieten Bildungseinrichtungen wie etwa Wifi und Bfi. Die Teilnehmer sind zumeist junge Erwachsene. Manche von ihnen arbeiten in dem Beruf schon länger als Hilfskräfte, andere wollen sich umorientieren, andere wiederum ergänzen ihre Fachausbildung durch einen zweiten Lehrberuf.

"Im Vorjahr haben mehr als 1600 Leute die außerordentliche Lehrabschlussprüfung geschafft", sagt Friedrich Dallamaßl, Leiter der Lehrlings- und Meisterprüfungsstelle in der WK Oberösterreich. Das machte diese Spätberufenen bereits 17 Prozent aller Lehrabschlussprüfungen aus.

Gewisse Mindestanforderungen für einen zweiten Anlauf braucht es aber. "Man muss Praxiszeiten von zumindest der Hälfte der Lehrzeit nachweisen, wenn auch nicht zwingend im angestrebten Lehrberuf", sagt Dallamaßl. Und das 18. Lebensjahr müsse vollendet sein.

Gärtner mit Zusatzausbildung

Daniel Hauder aus St. Johann am Wimberg schaffte im Vorjahr die Abschlussprüfung im Lehrberuf Pflasterer mit Auszeichnung. Der ausgebildete Landschaftsgärtner arbeitet bei Garten Zauner in Kleinzell im Mühlkreis. Nach sieben Jahren im Unternehmen raffte er sich erneut auf, um zusätzlich die Pflasterer-Lehre abzuschließen. Hauder: "Solche Arbeiten hatte ich schon in meinem Beruf als Landschaftsgärtner ausgeführt. Aber ich lernte viel dazu und bin jetzt eine Fachkraft auf diesem Gebiet." Auch beim Gehalt macht sich sein Engagement bezahlt, denn ein Pflasterer hat einen besseren Kollektivvertrag als ein Landschaftsgärtner.

Neuer Anlauf als IT-Techniker

Bei Christian Sillipp aus Gmunden war die Ausgangslage ganz anders. Der Handelsschulabsolvent hatte in einem Unternehmen Glücksspielautomaten serviciert, obwohl ihm als kaufmännisch Ausgebildeten eigentlich die fachliche IT-Qualifizierung fehlte. Sein Arbeitgeber sperrte jedoch zu und Sillipp war zwei Jahre arbeitslos. Über eine Stiftung konnte er den Lehrberuf IT-Techniker in einem Jahr und neun Monaten erlernen und erhielt beim Metalldecken-Spezialisten Fural eine Stelle. Sillipp: "Es war toll, die Lehre so rasch und praxisnah absolvieren zu können. Mein Job ist sehr abwechslungsreich."

 

Lehre wird beliebter

Zum zweiten Mal in Folge stieg in Oberösterreich die Zahl der Lehranfänger. Mehr als 7000 Personen starteten ins erste Lehrjahr. Das bedeutet eine Zunahme von 232 Lehrlingen (+3,8 Prozent). "Fast jeder zweite Jugendliche entscheidet sich in Oberösterreich für eine Lehre. Bundesweit liegt der Durchschnitt bei 38 Prozent", sagt OÖ-Wirtschaftskammerpräsidentin Doris Hummer. Die meisten Zuwächse verzeichneten die Lehrberufe Mechatronik, Elektrotechnik, Kraftfahrzeugtechnik und Koch/Köchin. Hummer: "Wir sehen, dass sich Jugendliche – aber vor allem deren Eltern – wieder verstärkt für eine duale Ausbildung interessieren. Da hat ein Umdenken begonnen."

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