Was ist ein Studium überhaupt noch wert?
Bild: Simon Bauer

Was ist ein Studium überhaupt noch wert?

Von Michael Obrovsky

Man hört immer wieder, dass heutzutage schon jeder studieren würde. Man hört, dass ein Studium deswegen keinen Wert hätte.

Sieht man sich die Zahlen an, wird schnell klar, dass dem nicht so ist: Nur jeder fünfte Berufstätige hat heute einen Studienabschluss. An einem Sponsionstag heben wir diesen Schnitt ein kleines bisschen.

An der JKU ist der Abschluss eines Studiums besonders schwierig. Von drei Personen, die ein Studium beginnen, wird nur einer fertig. Wenn Sie mit zwei Freunden heute beschließen, ein Studium zu beginnen, dann können Sie davon ausgehen, dass am Ende nur einer fertig wird. Aber keine Sorge, wenn Sie sich in jeweils drei Studien einschreiben, dann haben Sie den Abschluss statistisch gesehen bereits fix in der Tasche. Bei all diesen für uns Absolventen schmeichelnden Zahlen wäre Überheblichkeit dennoch fehl am Platz. Ein Studium macht aus niemandem einen besseren Menschen. Vielmehr ist Demut vor jenen angebracht, die etwas für die Gesellschaft leisten, einer Arbeit nachgehen oder auch nicht dazu in der Lage sind.

Egal, wohin man auf der Welt schaut, der Populismus ist auf dem Vormarsch: Die Präsidentschaftswahlen in den USA, die Brexit-Bewegung im Vereinigten Königreich oder auch hier in Österreich.

Es gibt Kräfte, die bewusst destabilisieren, die Ängste schüren und die uns einreden, die Zeiten wären schlecht, obwohl noch nie in der Geschichte so wenige Menschen von Armut betroffen sind wie heute. Kräfte, die von einem System sprechen, das es zu bekämpfen gilt, aber damit eigentlich unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben meinen. Sie meinen unseren Zusammenhalt, dank dem wir uns von einem kaputten Österreich zu einer der reichsten Regionen der Welt hochgearbeitet haben.

Die Wissenschaft hat für diese Entwicklung bereits einen Begriff. Die Post-Truth-Gesellschaft. Also eine Strömung, in der Gefühle wichtiger werden als Fakten. Bei der es wichtiger ist, dass eine Aussage in die eigene Gefühlswelt passt, als dass sie wahr und inhaltlich korrekt ist. Mit anderen Worten: Ein Frontalangriff auf unsere Werte der Aufklärung und auf unsere Wissenschaft.

Analysiert man die vergangenen Wahlen rund um den Globus, so fällt eines auf: Es gibt keine Einteilung mehr zwischen den alten Kategorien, Arbeitern, Bauern und Unternehmern. Es gibt eine neue Linie, welche die Gesellschaft trennt: Die Frage, ob man mit Pessimismus oder mit Optimismus in die Zukunft blickt. Ob man Angst hat oder ob man zuversichtlich ist.

Wir dürfen die Zukunft nicht den Ängstlichen, sondern den Optimistischen und Zuversichtlichen überlassen. Die Wissenschaft muss sich wieder mehr Gehör verschaffen. Es liegt an jedem einzelnen von uns, dafür zu sorgen, dass die positiven Kräfte die Überhand behalten. Wir müssen erklären, dass es für komplizierte Fragen nicht nur schwarz und weiß und nicht nur einfache Antworten gibt. Und es dennoch schaffen, komplizierte Antworten verständlich zu erklären.

Auf uns wartet eine spannende Zeit! Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, dass unsere Kinder in einer sicheren und lebenswerten Welt aufwachsen, so wie auch wir sie vorgefunden haben. Die Zukunft gehört jenen, die mit Zuversicht nach vorne blicken und Neues wagen. Wir haben allen Grund dazu.

Zur Person: Michael Obrovsky war von 2013 bis 2015 Vorsitzender der Österreichischen Hochschülerschaft an der Johannes Kepler Universität und hat gerade sein Studium abgeschlossen. Dies ist ein Auszug aus seiner Sponsionsrede.

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