Hochschulen planen Kindergärtnerinnen-Studium
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Hochschulen planen Kindergärtnerinnen-Studium

Von Herbert Schorn

LINZ. Die zwei Linzer PHs könnten mit Bachelor-Studium 2017 starten – aber: Zusage der Bildungsministerin fehlt noch.

Während die Politiker auf Landes- und Bundesebene noch darüber diskutieren, ob die Ausbildung der Kindergärtnerinnen wie bei den Lehrern auf das Niveau eines Studiums gehoben werden soll, preschen vier Pädagogische Hochschulen (PHs) vor: Die zwei Linzer und zwei Wiener PHs haben schon jetzt ein (fast) fertiges Curriculum für ein Bachelor-Studium ausgearbeitet. "Wir wären in der Lage, 2017/18 mit dem Studium zu beginnen", sagt Herbert Gimpl, Rektor der PH Oberösterreich.

Doch ob das Studium wirklich so schnell kommt, ist nicht fix: Denn dazu brauchen die PHs die Zusage von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SP). Zustimmen müssten auch die Länder und vor allem die Gemeinden, die als Träger der Kindergärten das Gehalt der Pädagoginnen finanzieren müssen. Und besser ausgebildete Kindergärtnerinnen würden auch mehr verdienen.

Doch warum arbeiten die PHs dann überhaupt schon an den Studienplänen? "Wir wollen vorbereitet sein, wenn die Politik den Startschuss gibt", begründet Gimpl. Ähnlich sieht das auch Rektor Franz Keplinger von der Linzer PH der Diözese: "Niemand soll sagen können, es gebe keine Pläne." Österreich gehöre mit der schulischen Ausbildung für die Elementarpädagoginnen europaweit zu den Schlusslichtern. "In den nordischen Staaten ist das Studium seit Jahrzehnten Standard", sagt Franz Keplinger.

Bleibt noch die Frage: Warum soll ein Studium bessere Kindergarten-Pädagoginnen hervorbringen als die Ausbildung in den Schulen? Die Schulen würden keine schlechte Arbeit leisten, sagt Keplinger: "Aber zum einen sind Studenten älter und können ihre Arbeit daher besser reflektieren." Zum anderen könne ein Studium näher an Wissenschaft und Forschung ausbilden.

Nun wollen die Rektoren der vier PHs beraten, wie sie ihre Pläne möglichst effizient vorantreiben können. Eines sei klar, sagt Rektor Gimpl: "Wenn der politische Wille da ist, können wir starten."

„In Kindern schlummert so viel Potential“

Linz. Eine Vorreiterrolle nimmt Oberösterreich mit dem berufsbegleitenden Hochschullehrgang „Elementardidaktik“ ein, der am 18. November an der PH OÖ startet. Durch eine vertiefende Auseinandersetzung mit den Grundlagen der Elementarpädagogik soll die Qualität in der Ausbildung weiter gesteigert werden.

„Wir setzen bei jenen an, die künftig für die Ausbildung verantwortlich sind“, sagt Lehrgangsleiter Thomas Wahlmüller, „bei den Lehrerinnen und Lehrern in den berufstheoretischen und berufspraktischen Ausbildungsfächern an der BAfEP (ehemals BAKIP).“

Bisher hatten Didaktik- und Praxis-Lehrkräfte nur dreijährige Praxiserfahrung und eine Dienstrechtsprüfung benötigt. Nun werde laut Wahlmüller erstmals eine Weiterbildung angeboten, die dezidiert die Vermittlungs- und Unterrichtstätigkeit in diesen Fächern thematisiere. Der Abschlussgrad lautet „Akademische/r Elementardidaktiker/in“.

Kind im Mittelpunkt

Von essentieller Bedeutung sei es, das Kind in seiner Entwicklung zu begleiten. „Wir müssen die vorhandene Bildungssituation der Kinder aufgreifen und spielerisch entwickeln“, sagt Wahlmüller, dann sei auch in der Schule die Motivation zu lernen noch vorhanden: „Es steckt so viel an Begabung in den Kindern. Vieles, von dem man gar nicht weiß, das man gar nicht sieht. Aber es schlummert in ihnen.“ Dieses Potential gelte es zu heben. Wahlmüller: „Im Unterricht müssen die Inhalte professionell an die Schüler weitergegeben werden. Wenn die Inhalte aktuell und forschungsbasiert sind, steigt die Qualität der Arbeit der vorschulischen Einrichtungen.“
Der viersemestrige Hochschullehrgang „Elementardidaktik“ ist kostenlos. Er richtet sich an Didaktik- und Praxislehrkräfte der BAfEP sowie Kindergartenpädagoginnen. Infos und Anmeldung bis 24. Oktober: www.ph-ooe.at/elementardidaktik

 

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