"Studieren ist eben mehr, als im Hörsaal zu sitzen und Arbeiten zu schreiben"
Bild: Weihbold

"Studieren ist mehr, als im Hörsaal zu sitzen"

Von Elisabeth Eidenberger

LINZ. Bildungslandesrat Thomas Stelzer über die Zukunft des Studierens in Oberösterreich.

Landeshauptmann-Stellvertreter Thomas Stelzer ist seit einem Jahr als Landesrat für die Hochschulen in Oberösterreich zuständig. Er spricht im Interview über sein eigenes Studium, den weiteren Ausbau des Hochschulstandorts und warum Oberösterreich zum Studieren viel cooler ist, als viele glauben.

 

OÖNachrichten: Sie haben selbst an der Linzer Kepler-Uni Jus studiert. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Stelzer: Viele Freundschaften aus dieser Zeit und eine völlig andere Art des Arbeitens und Lernens. Für mich war das damals wirklich eine große Umstellung nach der Matura. Aber wir haben schnell eine Gruppe gebildet, in der wir uns – sagen wir mal – durchorganisiert haben durchs Studium.

Sie sind seit ziemlich genau einem Jahr als Landesrat für Bildung und Forschung und somit auch für die Hochschulen in Oberösterreich zuständig. Was ist Ihr erstes Zwischenresümee?

Ein Pluspunkt ist, dass alle Einrichtungen super zusammenarbeiten. Wir hatten da einen Elchtest namens "Lehrerbildung neu", bei dem sich acht Hochschulen koordinieren mussten. Das stimmt mich insofern optimistisch, denn wenn wir in Richtung Volluniversität gehen wollen, geht das nur, wenn sich alle einbringen. Ein zweiter Pluspunkt war, dass wir in der Forschung einen großen Sprung nach vorne gemacht haben, etwa indem wir K1-Zentren nach Oberösterreich geholt haben. Und dann gibt es noch den Dauerbrenner Medizinische Fakultät. Hier reißt die Aufbruchstimmung alle mit. In den nächsten Jahren müssen wir es schaffen, die Medizin-Themen auch für die Forschung zu nutzen.

In den vergangenen Jahren ist nicht zuletzt dank der MedFak viel an Hochschulangebot dazugekommen. Heißt das, dass in den kommenden Jahren der Ausbau nicht so rasant weitergeht?

Aus unserer Sicht muss er rasant weitergehen. Ich weiß, dass in der Republik viele mit Argusaugen auf Oberösterreich schauen. Wir müssen da sehr selbstbewusst auftreten. Wir sind ein riesiger Wirtschaftsstandort, ein Arbeitsplatzmotor für die Republik. Wenn das so bleiben soll, dann muss man auch bei uns investieren. Wir müssen beispielsweise den technischen Schwerpunkt – sowohl an der JKU als auch an den Fachhochschulen – weiterverfolgen. Bei der Lehrerbildung ist der Start gelungen. Wir überlegen auch, ob man den Gedanken der dualen Ausbildung der Lehre auch im tertiären Sektor verankern kann. In Deutschland gibt es duale Hochschulen. Ich will keine zusätzlichen Strukturen schaffen, aber an der FH in Wels haben wir beispielsweise erstmals ein Studium mit "Automotive Electronics", das in diese Richtung geht. Das würde auch der Wirtschaft nützen.

Welche Rolle spielen die Fachhochschulen am Hochschulstandort Oberösterreich?

An der FH können wir zielgerichtet, sehr zügig und auf die Bedürfnisse der Wirtschaft abgestimmt Personen ausbilden. Was immer ein Thema sein muss, ist eine Abstimmung der Inhalte zwischen FH- und Uni-Bereich. Also: Was erfüllt die FH, was ist universitär. In beiden Bereichen wollen wir auf jeden Fall die Forschung forcieren.

Apropos zügig ausbilden: Die Absolventenquote an der JKU ist im Vergleich mit anderen Unis relativ gering.

Das weiß die JKU auch selbst und es ist auch ein Ziel des Rektors, die Absolventenzahl zu steigern. Das hat viel mit der Qualität der Lehre zu tun. Aber man muss da auch ehrlich sein: Wenn man mehr Absolventen hervorbringen will, muss man sich auch über den Zugang zum Studium Gedanken machen. Also wie viele ernsthaft studieren oder es nur für eine Zeitlang ausprobieren wollen.

Die Studieneingangsphase in manchen Studienrichtungen mit Anmeldung und im Bedarfsfall Aufnahmeprüfung ist also in Ihrem Sinne?

Ich glaube, das ist zielgerichtet. Wir investieren hier schließlich ziemlich viel Geld. Man kann nichts im Leben vorhersagen. Aber es ist nicht verkehrt, wenn man schon von Beginn an vermittelt, dass wir großes Interesse daran haben, dass der Studierende sein Studium auch abschließt.

Wie cool ist Oberösterreich für Studenten?

Oberösterreich ist sicher cooler, als es bisher verkauft wurde. Wir haben super Professoren, die zum Teil weltweit angesehen sind, wir haben tolle Studien, auch in der Forschung sind wir weit vorne. Studieren ist aber mehr, als im Hörsaal zu sitzen und Seminararbeiten zu schreiben. Deshalb ist es gut, dass unsere Hochschulen alle einen Campus haben, die ein gutes Studentenleben ermöglichen. Wir unterstützen daher auch die Pläne, dass etwa die JKU ihren Campus ausbaut. Ein Campus, auf dem man auch Sport machen kann, einen Teil der Freizeit verbringt. Die demografische Entwicklung zeigt uns, dass wir in ein paar Jahren damit zu kämpfen haben werden, genug Studierende nach Oberösterreich zu holen. Und daher ist es wichtig, sie auf unterschiedliche Arten anzusprechen und zu überzeugen, dass Oberösterreich ein guter Ort zum Studieren ist.

Dafür gibt es auch die Dachmarke "Campusland OÖ", die vor vier Jahren von Ihrer Vorgängerin Doris Hummer initiiert wurde, um konzertiert Hochschulmarketing für Oberösterreich zu betreiben. Sie haben im März angekündigt, die Initiative zu evaluieren. Was ist das Ergebnis daraus?

Wir müssen uns weiterentwickeln. Es hat ein paar tolle Aktionen gegeben, wie etwa vor kurzem die "Campusland Convention" zur Studieninformation für Maturanten. Wir müssen es aber schaffen, die Marke "Studieren in Oberösterreich" darzustellen. Das ist uns noch nicht ausreichend gelungen. Hier haben wir den Stein der Weisen noch nicht gefunden, wie wir hier die Anforderungen aller Hochschulen in Oberösterreich abdecken können.

Wie wichtig sind Ihnen Hochschul-Rankings?

Mir persönlich ist es lieber, die angehenden Studierenden suchen sich ihren Platz zum Studieren so aus, wo es ihnen gefällt und wo sie bleiben wollen. Ich weiß, dass Rankings hier natürlich auch eine entsprechende Rolle spielen. Faktum ist, wir müssen auch dort besser abschneiden, weil Ranglisten eine Beurteilungsgrundlage für viele sind. Es nutzt daher nichts zu jammern, ob die Kriterien nun stimmen oder nicht. Wenn es andere schaffen, warum nicht auch wir?

Ihr Rat an die Studierenden zum Semesterbeginn?

Das Ziel nicht aus den Augen verlieren und möglichst zügig studieren – aber gleichzeitig das Studentenleben genießen, weil man meist im Nachhinein feststellt, was das Studium für eine tolle Zeit war.

Zur Person

Thomas Stelzer (VP) ist seit 1991 Abgeordneter zum Oberösterreichischen Landtag. Seit 23. Oktober 2015 ist er Landeshauptmann-Stellvertreter und in der Landesregierung für die Bereiche Bildung, Jugend, Frauen, Forschung sowie Personal zuständig. Die Frauenagenden übergab er am 8. Juli 2016 an SPÖ-Landesrätin Birgit Gerstorfer.

Stelzer, in Linz geboren und aufgewachsen, ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Der 49-Jährige hat an der Johannes Kepler Universität Jus studiert.

 

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