Assistenten und Tutoren: Die rechten Hände des Professors
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Assistenten und Tutoren: Die rechten Hände des Professors

Von Elisabeth Prechtl

HAGENBERG, LINZ, STEYR. Assistenten pendeln zwischen Hörsaal und Büro, sind an Hochschulen unabkömmlich und sammeln dabei Erfahrungen fürs Leben.

Sie verbessern Übungen und beantworten Fragen, erstellen Klausuren und verbessern diese auch und legen bei großen Forschungsprojekten ordentlich Hand an. Sie werken zumeist im Hintergrund, leisten abseits des Rampenlichts jedoch Enormes und sind wie die rechte Hand ihres Professors. Eine Universität oder Fachhochschule ohne sie wäre in etwa so wie ein Sommer ohne Sonne. Die Rede ist von Studien- und Projektassistenten sowie Tutoren. Dabei handelt es sich um Studierende, die freiwillig einen Job an einer Hochschule annehmen. Die Motive, sich in der oft spärlichen Freizeit zusätzlich zu engagieren, sind verschieden: Das Sammeln wertvoller Erfahrungen wird genauso genannt wie der Wunsch, das Unileben von beiden Seiten kennenzulernen, und die Möglichkeit des Zuverdienstes.

So unterschiedlich wie die Beweggründe sind auch die Menschen, die diese Stellen bekleiden. Die OÖN haben sich mit sechs von ihnen unterhalten. Ihnen allen gemein ist die Begeisterung für ihre Tätigkeit. Die Aussage, das Engagement als Assistent oder Tutor noch keine Sekunde bereut zu haben, ist in jedem Gespräch gefallen.

 

David Znidersic
„Hier reden alle ziemlich gern“

Man stelle sich Folgendes vor: Ein amerikanischer Professor kommt nach Steyr, um hier zu arbeiten. Für seine kleinen Kinder benötigt er dringend eine englischsprachige Schule. Ist so etwas vorhanden, die Stadt als Arbeitgeber daher attraktiv genug?

Problemstellungen wie diese prägen den Alltag von David Znidersic. Der 23-Jährige studiert Global Sales Marketing an der FH Steyr. Seit diesem Semester ist er zudem als Assistent beim Projekt „Willkommenskultur in Oberösterreich“ engagiert, das die Standortattraktivität prüft. Der Waldinger wurde von seinem Professor gefragt, ob er nicht Lust verspüren würde, sich zu beteiligen. „Das ist schon eine große Wertschätzung“, sagt David Znideric.

Das Um und Auf für diesen Job sei in jedem Fall die Freude an der Kommunikation, so der Student: „Wir alle, die hier arbeiten, reden eigentlich ziemlich gerne.“ Dass das zusätzliche Engagement zulasten der Freizeit geht, versteht sich von selbst. David Znidersic bereut es aber keine Sekunde. Zu wichtig seien die Erfahrungen. Zwei Semester im Master-Studium hat der 23-Jährige noch vor sich, ein Jobangebot aus den USA liegt vor. Ob er es annehmen wird, weiß er nicht. Noch schaut er sich um. Und sammelt als Projektassistent wertvolle Erfahrungen für sein Leben danach.

 

Rabena Fetahu-Ibrahimi
„Hinter die Kulissen schauen“

Das Beste aus beiden Welten: Rabena Fetahu-Ibrahimi ist seit mehr als einem Jahr als studentische Mitarbeiterin am Fachbereich Pädagogik an der JKU engagiert. Ob für das Studentendasein oder im Arbeitsalltag – die Studentin der Wirtschaftspädagogik profitiert enorm von dieser Tätigkeit. „Dadurch habe ich gelernt, viel kritischer an Texte heranzugehen“, sagt sie. Das helfe auch fürs Studium. Bricht im Wirtschaftspädagogik-Studium hingegen einmal der Stress aus, sind die zwei Wochentage, die Rabena Fetahu-Ibrahimi in ihrem Büro an der Uni verbringt, eine willkommene Abwechslung.

Der Universitäts-Alltag ohne Assistenten ist für sie schwer vorstellbar: ob Forschung oder Lehre – diese würden eine Menge Arbeit im Hintergrund übernehmen.

Unialltag, Unterrichtspraktikum und daneben ein Job: Dies sei, so Fetahu-Ibrahimi, natürlich zeitintensiv. Die Vorteile überwiegen aber: „Es ist spannend, hinter die Kulissen zu schauen – eine sehr schöne Erfahrung, wenn man sie machen darf.“ Das liegt auf jedem Fall auch an dem geänderten Verhältnis zu ihren Professoren: „Vorher waren das nur Lehrende. Aber wenn man an Teambesprechungen teilnimmt und zur Weihnachtsfeier eingeladen wird, lernt man den Menschen dahinter kennen.“

 

Jessica, Jonas und Markus
Fast wie eine Art Nachhilfe

Übungen korrigieren und im Vorfeld von Klausuren Fragen beantworten: „Eigentlich ist es, als ob wir Nachhilfe geben würden“, sagt Jessica Köberle und lacht. Die 22-Jährige und ihre Kollegen Markus Saliger und Jonas Schurr studieren Bioinformatik an der FH Hagenberg. Seit einem Jahr sind sie als Tutoren aktiv. Gerade die gesammelten Erfahrungen machen den Job sehr wertvoll: „Leute, die es nur des Geldes wegen machen, werden sicher nicht glücklich.“

Die Lösung biologischer Probleme mithilfe von Informatik: Was für manche wie Fachchinesisch klingen mag, gehört für die Bioinformatik-Studenten zum Alltag. Die drei sind soeben in ihr fünftes Semester gestartet, der Fokus ist voll auf die Bachelorarbeiten gerichtet.

Warum man sich zusätzlich noch die Arbeit eines Tutors aufhalst? Bei gewissenhaftem Vorgehen braucht man schließlich bis zu zehn Stunden für einen Schwung Übungen. „Wenn man anderen etwas erklärt, wiederholt man den Lernstoff zwangsläufig selber“, erklärt Jonas Schurr einen der großen Vorteile. Über auftauchende Probleme sowie Möglichkeiten, den Unterricht zu verbessern, wird regelmäßig mit dem Professor gesprochen. Tutoren als Bindeglied zwischen Studierenden und Lehrenden: Man sieht, diese Funktion ist nicht zu unterschätzen.

 

Benedikt Berger
Der Uni mehr verbunden sein

„Ich studiere, wohne und arbeite an der Uni.“ Man merkt, für Benedikt Berger ist das Studium der Rechtswissenschaften und des Wirtschaftsrechts eine Herzensangelegenheit. Soeben ist er in sein zweites Semester als Assistent am Fachbereich Verwaltungsrecht gestartet. Die Vorteile, die sich auch diesem Engagement ergeben, sind mannigfaltig: „Die Tätigkeit ist interessant, die Örtlichkeit toll und es macht sich super im Lebenslauf.“

Zu seinem Job ist der Student im vergangenen Wintersemester eher zufällig gekommen: Nach einer Lehrveranstaltung wurde er von seiner Professorin ermuntert, sich doch als Assistent am Fachbereich zu bewerben. Die Erfahrungen, die der angehende Jurist seitdem macht, sind unbezahlbar: „Ich korrigiere viel und finde es interessant, zu sehen, wie die Notenfindung abläuft oder ein Punkteschema entsteht.“ Und die Rechercheaufgaben seien unglaublich lehrreich für die Praxis.

Durch seine Tätigkeit ist Benedikt Berger so richtig auf den Geschmack gekommen: Eine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni würde ihn später reizen. Einstweilen macht er in seinem Freundeskreis gerne Werbung für die Stelle des Studienassistenten. Der Grund dafür ist einfach: „Man fühlt sich der Uni mehr verbunden.“

 

 

 

 

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