Nike "fliegt" auf die Kunstuni Die Skandalskulptur zieht um
Bild: Weihbold

Skandalskulptur zieht um: Nike "fliegt" auf die Kunstuni

Von Valentina Dirmaier

LINZ. Als "Fetzenvogel" wurde die sieben Meter hohe und 250.000 Schilling teure Statue von vielen verschmäht, als sie 1977 am Hauptplatz auf dem Dach der Kunstuniversität montiert wurde. 39 Jahre später erlebt "Nike", eine Nachbildung der antiken Siegesgöttin Nike von Samothrake, einen wahrlichen Höhenrausch.

Nachdem sie nach Jahren aus dem Exil in Frankfurt geholt wurde, schwebt die Metallkonstruktion seit Eröffnung im Mai als Symbol der Kulturausstellung "Andere Engel" auf der Ursulinenkirche, wo sie zur neuen Stadtattraktion mutierte.

Doch die wahrliche Rückkehr steht erst bevor: Heute Nacht wird die fotografische Reproduktion, die in den vergangenen Wochen erneut einer Verjüngungskur unterzogen wurde, in einer Nacht- und-Nebel-Aktion abgebaut. Der neue Standort des Gebildes ist das Dach der Kunstuni. Aber nicht wie vor 39 Jahren auf dem Hauptplatz, sondern in der Domgasse.

Sightseeingpläne umschreiben

"Die Nike ist ein Symbol des Aufbruchs, und das passt sehr gut zur Kunstuni. Sie wird ein sehr spektakuläres Bild abgeben. Ich bin mir sicher, dass die Sightseeingpläne der Stadt mit dem Standortwechsel umgeschrieben werden müssen. Außerdem ist sie sehr schön", sagt Reinhard Kannonier.

Den Rektor der Kunstuni verbindet jedoch viel mehr mit dem skandalträchtigen Stahlgebilde. "Die Proteste gegen die Nike fanden statt, als ich von Salzburg nach Linz gezogen bin. Ich fand das sehr spannend und dachte mir nur ‘Wahnsinn, in Linz tut sich einiges’", sagt Kannonier.

Das einstige Streitobjekt soll in der Domgasse aber nicht nur Touristen locken, sondern auch der Kunstuniversität dienen, wie genau, lässt der Rektor im Gespräch mit den OÖNachrichten aber noch offen. "Die Figur ist nicht nur ein Kunstwerk, sondern sie lädt auch ein, sich intensiv damit auseinanderzusetzen. Das werden wir mit den Studenten auch machen." Zeit, sich über die Nutzung Gedanken zu machen, bleibt genug. Der Leihvertrag mit der Stadt Frankfurt über einige tausend Euro, wie der Rektor sagt, ist auf fünf Jahre ausgelegt. Danach muss entschieden werden, ob die Figur wieder nach Deutschland zurückkehrt oder von den Linzern gekauft wird. Dass die Nike durch den "Höhenrausch" quasi zum Phönix aus der Asche wurde, freut nicht nur die Projektleiter hierzulande. "Die Frankfurter freuen sich über die Erweckung."

Pläne, dass die Skulptur an den Ausgangsort in die Donaustadt zurückgebracht wird, gab es bereits in der Vergangenheit. Ohne Erfolg. Erst als das oö. Kulturquartier die Planungen für die Höhenrauschausstellung aufnahm, rückte die Engelsskulptur wieder in den Fokus der Kulturszene. Und die Zustimmung erteilt wurde, meldete auch die Kunstuni Interesse an. "Im Gegensatz zu den 70ern sind die Reaktionen über "Nike gänzlich positiv", sagt der Leiter der Bildungseinrichtung.

Die Übergabe der Nike wird morgen, 21. Oktober, um 14.30 Uhr in der Domgasse gefeiert. Neben dem Linzer Bürgermeister Klaus Luger und Vizebgm. Detlef Wimmer sowie Rektor Reinhard Kannonier ist auch Laurids Ortner, der Schöpfer der Nike, zu Gast.

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