Wie sich die FH eine Auszeichnung holte, die sie gar nicht kriegen dürfte
Bild: FH OÖ

FH holte sich Auszeichnung, die sie gar nicht kriegen dürfte

WELS. Aufwendiger Bewerbungsprozess zeigte nach drei Jahren endlich Wirkung.

Am Campus in Wels wurde erstmals die Schallmauer von mehr als 2000 Technikstudenten durchbrochen. "Wir decken den Bedarf der Oberösterreichischen Wirtschaft ganz gut ab, allerdings bräuchte die Industrie dreimal so viele Absolventen", sagte FH-OÖ-Geschäftsführer Gerald Reisinger. Aufgrund des hohen Bedarfs an Technikern wird die Internationalisierung der Fachhochschulen weiter forciert. "Wir müssen uns bemühen, auch Studierende aus dem Ausland zu bekommen", betonte Landeshauptmann-Stellvertreter Thomas Stelzer.

Ein wichtiger Schritt für die Internationalisierung ist nun gelungen. Der Welser Studiengang "Innovations- und Produktmanagement" erhält die renommierte ABET-Akkreditierung im Bereich "Engineering". Damit ist Wels im Kreis von Universitäten wie Harvard oder Yale, die ebenfalls von der ABET, einer unabhängigen US-amerikanischen Akkreditierungsagentur, zertifiziert sind. "Dadurch wird einerseits der internationale Ruf der FH Oberösterreich weiter gestärkt und andererseits haben wir auch ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb Österreichs", betonte Stelzer.

Trotz kürzerer Studiendauer

Die FH ist die erste Hochschule, die diese Bestätigung der hohen Qualität der Lehrinhalte mit einem sechssemestrigen Studiengang schaffte, zumal andere ausgezeichnete Unis eine Mindeststudiendauer von acht Semestern vorsehen. "Wir überzeugten die Juroren mit Klausuren der verschiedenen Jahrgänge und mit Maturabeispielen. Im Vergleich zum amerikanischen Bildungsniveau sind wir deutlich besser", betont der Welser Dekan Günther Hendorfer.

Triebfeder für die ABET-Bewerbung war FH-Professor Michael Rabl. Bei einem Sabbatical an der UCLA in Kalifornien hat er die ABET-Akkreditierung, die es seit 1936 gibt, erstmals kennengelernt. "In den USA ist der Stellenwert dieser Akkreditierung sehr hoch. Sie garantiert die Qualitätssicherung im Studiengang", sagt er. Vor drei Jahren hat er dann erstmals eine Bewerbung für den FH-Studiengang "Innovations- und Produktmanagement" abgeschickt. Bis zu 300 Seiten mussten dafür gefüllt werden. "Wir mussten genau nachweisen, welche Qualifikationen unsere Studenten nach der Matura haben, was Firmen über die Absolventen sagen, wie die Infrastruktur aussieht, die IT, die Finanzlage der FH, die Ziele und so weiter. Unterm Strich: Es war sehr aufwendig", sagt Rabl.

Die Einführung der Zentralmatura habe geholfen, dass die Bewerbung heuer endlich gefruchtet hat und die ABET-Akkreditierung verliehen wurde: "So konnten wir zeigen, dass ein Maturant genau das lernt, was man in Amerika im ersten Studienjahr lernt." So wurde dann auch akzeptiert, dass das Studium "nur" sechs Semester dauert statt der in den USA üblichen acht Semestern.

Weltweit gibt es nur rund 2300 Studiengänge mit einer ABET-Akkreditierung. In Österreich ist es jetzt der erste. 250 Absolventen hat der Bachelor-Studiengang "Innovation- und Produktmanagement" seit der Einführung des Bachelor-Systems 2005 bisher hervorgebracht. 35 Studienanfänger gibt es pro Jahr.

FH-Ausbau startet Anfang 2017

Am FH Campus Wels erfolgte in diesem Semester der Start von drei neuen Studiengängen: Bachelor-Studium Leichtbau und Composite-Werkstoffe, Master-Studiengang Lebensmitteltechnologie und Ernährung sowie der oberösterreichweite erste duale, englischsprachige Master-Studiengang "Automotive Mechatronics and Management". Für letzteren gab es 200 Bewerber, 20 wurden genommen. Die Studierenden sind ab dem zweiten Semester bei einem Betrieb der Fahrzeugindustrie angestellt und setzen Gelerntes direkt in die Praxis um. (ee)

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