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"Das wäre ein Drama für die JKU"

Von Valentina Dirmaier

Interview: ÖH-Vorsitzende Helena Ziegler zieht Bilanz, spricht über die Attraktivität der JKU und eine Karriere als Politikerin.

Wie fällt Ihre Bilanz nach einem Jahr an der Spitze der ÖH JKU Linz aus?

Man lernt, dass man einen langen Atem bei den Verhandlungen braucht. Das hat sich beispielsweise bei den Forderungen für die Rückerstattung der Aufnahmegebühren für Wiwi und Sowi gezeigt. Die haben wir vor einem Jahr begonnen, haben mit dem Vizerektor Janko darüber beraten und konnten schnellstmöglich die Gebühr zurückzahlen. Wir haben hiermit österreichweit eine Vorreiterrolle eingenommen.

Und trotzdem wird die ÖH generell von vielen zu wenig ernst genommen.

Ja, aber nichts desto trotz haben wir in Linz eine extrem gute Position, was das anbelangt. Verglichen mit anderen ÖHs sind wir nicht nur in vielen Gremien vertreten, sondern sitzen in den  Arbeitsgruppen. Das ist nicht selbstverständlich.

Wie brachten Sie Uni und den ÖH-Vorsitz bisher unter einen Hut?

Es war anfangs ein Härtetest. Mein Studium werde ich zwar nicht in der Mindestzeit beenden, aber so lange es gut läuft, würde ich die Aufgaben gerne wieder übernehmen.

Ein Mandat in der Hochschülerschaft ist für viele der erste Schritt in die Politik. Wäre das eine Gangrichtung für Sie?

Der erste Schritt ist, mein Jus-Studium zu beenden. Und später? Ich schwanke noch, ob ich Richterin oder Anwältin werden will. Im Sommer mache ich ein Praktikum im Landesverwaltungsgericht. Das soll mich meiner Entscheidung näher bringen.

Und eine Karriere in der Politik? Haben Sie bereits Angebote?

Nein. Noch nicht.

Rentiert sich Ihre Funktion finanziell?

Es ist bekannt, dass jeder Mandatar, der Vorsitzende und die Stellvertreter entschädigt werden. Aber meine Aufgabe kommt einem 40-Stunden-Job gleich. Man übernimmt das Amt nicht, wegen des Geldes.

Sie haben sich für die kommende Wahl wieder aufstellen lassen. Die Chancen auf eine Wiederwahl stehen durch die hohe Zustimmung der AG gut. Was würden Sie sofort in Angriff nehmen?

Ein primäres Ziel wäre die Änderung der Prüfungstermine. Sie sollen jedes Semester angeboten werden. Auch im Sinne der Studienplatzfinanzierung. Häufig werden Kurse und Prüfungen nur jedes zweite Semester angeboten. Wer fällt, verliert ein Jahr.

Ein Thema, das der ÖH JKU unter dem Nagel brennt, ist die Evaluierung der Lehrenden. Wie weit ist man?

Wir sind gerade dabei, einen Fragebogen zu überarbeiten. Der soll nicht nur die Lehrveranstaltungen betreffen, sondern auch darüber hinaus. Sondern auch, ob Studierende beispielsweise auch auf Danach vorbereitet sind.

Ein weiterer Brennpunkt ist das Öffi-Ticket. Studierende, die ihren Hauptwohnsitz nicht in Linz haben, zahlen 178 Euro.

Ja, das Thema wird seit Monaten zwischen Stadt Linz und Linz AG hin und her geschubst. Ich hatte ein Gespräch mit Bürgermeister Luger, der sagte, dass kein Geld für Subventionen vorhanden sei. Ich finde trotzdem, dass wir dran bleiben müssen. Es ist ein gewaltiger Kostenfaktor für Studenten.

Ist Linz generell attraktiv für Studierende?

Ja. Linz ist sehr cool. Ich kenne viele, die entscheiden sich sofort für ein Studium in Wien, lehnen Linz völlig ab. Aber nach ein, spätestens zwei Semester kehren sie zurück, vorausgesetzt das Studienangebot passt. Hier passt das Flair, du kennst und triffst viele, bist nicht einfach irgendeine Nummer.

Aber die Neustrukturierung der Studienplatzfinanzierung (Verteilung soll geändert werden, wodurch die JKU weitaus weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stehen würden) könnte die Attraktivität deutlich mindern. 

Wenn die Unifinanzierung in der kürzlich präsentierten Form tatsächlich so gehandhabt wird, dann wäre das der pure Wahnsinn. Dann würden die finanziellen Mittel für die Lehre fehlen, viele Kurse könnten nicht mehr angeboten werden. Es wäre ein Drama für die JKU. 

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