In der Ferne fehlte nur Mamas Schweinsbratl

In der Ferne fehlte nur Mamas Schweinsbratl

Von Valentina Dirmaier

30 Jahre Erasmus: Eine Geschichte über zwei Studierende, die in den Genuss des EU-Mobilitätsprogramm kamen.

Es sind an die 1120 Kilometer Luftlinie, die zwischen Linz und Skövde liegen. Den ersten Schritt in Richtung der kleinen Provinzstadt im Süden von Schweden tat Jakob Schröder lange vor seinem Reiseantritt. Und der ging gerade noch gut. Denn der Mühlviertler meldete sich im Jahr 2012, wenige Tage vor Abgabeschluss für ein Auslandssemester, über das EU-Mobilitätsprogramm Erasmus an.

Die Spontanität lohnte sich, der Wirtschaftsinformatik-Student der JKU bekam eine Zusage und verbrachte knapp ein Jahr in Schweden. Ein Entschluss, der sein Leben veränderte. Denn Jakob fand durch das Erasmus-Programm unter den Kommilitonen aus aller Welt nicht nur Freunde fürs Leben, sondern auch eine neue Heimat. Vor einem halben Jahr zog der 28-Jährige schließlich nach Stockholm.

Dreimillionster Erasmusstudent

"Ich kam nach zehn Monaten heim und hatte sofort Fernweh." Im Ausland fehlte es Jakob an nichts. Nur den Schweinsbraten von der Mama, den vermisste der ehemalige JKU-Student, der als dreimillionster Student von Eurasmus in die Ferne entsendet wurde.

Stefanie Pühringer träumte im Finnischen Rauma, wo die Innviertlerin ein Erasmus-Auslandssemester verbrachte, meist vom frischen Gebäck und ab und zu von der Sonne. Denn als die Studentin der Fachhochschule Steyr in der Studentenstadt, die etwa 1530 Kilometer von ihrem Zuhause entfernt liegt, im Jänner im Hohen Norden ankam, wurde es erst um 10 Uhr vormittags taghell und ab vier Uhr nachmittags brach die Nacht herein. "Das war schon sehr gewöhnungsbedürftig. Aber ansonsten war die Zeit in Finnland unvergesslich", erzählt die Prozessmanagement-Studentin, die erst kürzlich nach Österreich zurückkehrte.

Was sich von ihrem Leben und Studium in Österreich sonst noch unterschieden hat, waren der sehr persönliche Umgang zwischen Professoren und Studierenden. Trotz des eher distanzierten Verhaltens von Finnen mit Unbekannten.

"Hätte ich sonst nie erlebt´"

Was auch in Erinnerung bleiben wird, ist die Faszination. Einen geförderten Auslandsaufenthalt würde Pühringer jedem ans Herz legen. "Mir hat das Programm sehr geholfen. Ich bin viel offener was andere Kulturen und Fremdsprachen betrifft. Man erlebt vieles, das man zu Hause nie kennenlernen würde", schwärmt die Höhnharterin, die ihre freie Zeit nutzte, um u.a. nach Nordfinnland, Estland und Schweden zu reisen.

Auch Jakob Schröder empfiehlt jedem Studierenden, sich auf ein solches Abenteuer in der Ferne einzulassen. Besonders weil man viel Unterstützung erhält. "Diese machen das Studieren im Ausland sogar günstiger als daheim. Es ist mir ein Rätsel, warum häufig nicht einmal das ganze Kontingent an subventionierten Studienplätzen im Ausland ausgeschöpft wird."

30 Jahre Erasums

Seit Gründung des Förderprogramms der Europäischen Union im Jahr 1987 — benannt nach Erasmus von Rotterdam, einem Humanisten der Renaissance — nahmen mehr als neun Millionen Menschen aus 33 Ländern teil. Davon mehr aus 240.000 aus Österreich.Ihnen wurde das Lernen, Studieren oder die Freiwilligenarbeit durch finanzielle Unterstützung ermöglicht. Inzwischen wurde das Programmauf Erasmus+ unbenannt.

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