Bild: VOLKER WEIHBOLD

An die Uni zu kommen, kann schwierig sein

Von OÖN

Im Test: Wie gut sind Oberösterreichs Hochschulen erreichbar? Die OÖN fuhren vom Linzer Bahnhof zur JKU, zur PH OÖ, zur Bruckner-Uni und zur FH nach Wels. Fazit: Lange Fahrtdauer, viele Wartezeiten und umständliches Umsteigen machen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht selten unattraktiv

Eine Sightseeing-Fahrt durch Linz

Die Johannes Kepler Universität ist das Ende einer langen Reise

Sie beginnt am ehemals schönsten Bahnhof Österreichs. Zuletzt wurde der Hauptbahnhof 2014 mit diesem Titel ausgezeichnet, Schönes gibt es immer noch zu sehen. Geplagte Reisende, trinkfeste Nachtschwärmer nach durchzechten Nächten – und wartende Studenten. Zwei Minuten dauert es noch, bis ich meinen Platz hinter einer Dame mit flauschig-schwarzem Hut und ihrem aufmüpfigen Dackel einnehmen kann. Falsch einsteigen heißt umsteigen. Nur die Linien 1 und 2 bringen den Lernwilligen direkt an die Universität. Die Warteminuten kann man an einer Hand abzählen. Dichtes Gedränge um die Fensterplätze, schließlich hat eine Fahrt nach Urfahr einiges zu bieten. 19,50 Euro kostet eine Stadtrundfahrt mit dem gelben Bummelzug, mit einem Midi-Ticket der Linz AG sieht man die Highlights für 2,20 Euro. Nur die Geschichten zur Stadt fehlen.

Durch die Linzer Einkaufsstraße, vorbei am Hauptplatz, ein Seitenblick zum Kunstmuseum Lentos und auf die digitale Welt des Ars Electronica, und ein bewundernder hoch zum Pöstlingberg. Der brachliegende Pendlerparkplatz am Urfahranermarktgelände und der Blick Richtung "Gis" sind die letzten Stationen, bevor die Straßenbahn in die Endhaltestelle einfährt. Nach 24 Minuten und 14 Sekunden auf dem weinroten Sessel tut Bewegung gut. Einmal die Straße queren, vorbei am Teich und seinem schwimmenden Werk, biege ich in die Zielgerade ein. 28 Minuten und 40 Sekunden vom Hauptbahnhof zur Mensa. "Da hab’ ich Glück, dass ich in Urfahr wohne", sagt Markus Boyer. Von dort sei die öffentliche auch die optimale Lösung. Wer aus dem Linzer Süden kommt, hat zumindest noch Zeit für Hausaufgaben. (geg)

 

 

Vertraue nicht auf Google Maps!

Zur Pädagogischen Hochschule OÖ gibt es reichlich Busverbindungen

Ich habe es mir einfach gemacht, Google Maps aktiviert, "Kaplanhofstraße 40" eingegeben, und Googles Anweisungen befolgt. Eine schlechte Entscheidung – und eine dumme: Denn spätestens, als mir vom Bahnhof ausgehend der Postbus Richtung Freistadt inklusive 1,3-Kilometer-Fußmarsch vom Hessenplatz zur Pädagogischen Hochschule als beste Route empfohlen wurde, hätte mir dämmern müssen: Google ist in diesem Fall nicht mein bester Freund und Helfer.

Ein Blick auf den Fahrplan der Linz Linien hätte mir einiges an Zeit, Verwirrung und Fußweg erspart. Die O-Busse 45 und 46 fahren in Abständen von sieben bis acht Minuten vom Hauptbahnhof zur Haltestelle Garnisonstraße. Von dort sind es noch ungefähr 300 Meter zur Hochschule. Etwa 18 Minuten dauert die Fahrt.

Ich sah nach einer gut halbstündigen Odyssee via Postbus endlich die PH-Flagge wehen. Zur selben Zeit kam Kerstin Grötzer an. Die angehende Lehrerin kommt aus Schwertberg und besucht an mehreren Unis Lehrveranstaltungen. Der Weg in die Kaplanhofstraße ist ihr am liebsten: "Die Strecke zur JKU ist viel länger, und zur Privatuni fährt nur alle 15 Minuten ein Bus." Ähnlich sieht das Laura Büchele. "Ich steige bei der Mozartkreuzung ein. Wenn der Anschluss passt, funktioniert das recht gut", sagte die Tirolerin. Mit dem Auto würde sie die Anreise nicht empfehlen: Im Bereich der Universität sind überall Kurzparkzonen. Ich bin den Rückweg wie die meisten PH-Studenten angetreten: mit dem O-Bus. Der 45er platzte an diesem Freitagnachmittag zwar aus allen Nähten, dennoch ist die Fahrt bequemer als der lange Fußmarsch mit Google Maps. (vega)

Schnürlgrad geht es am einfachsten

Die Fachhochschule Wels erreichen viele Studenten per Zug und zu Fuß

Die Welser Fachhochschule hat sich einen guten Ruf unter Oberösterreichs Studierenden erarbeitet. Als Fakultät für Technik und Angewandte Naturwissenschaften zählt sie zu den beliebtesten und bekanntesten Hochschulen im Bundesland. Zudem ist sie mit derzeit 2033 Studenten die am besten besuchte Fachhochschule, vor Hagenberg (1602), Steyr (1397) und Linz (879).

Das liegt auch daran, dass die Welser FH aus jedem Winkel Oberösterreichs einfach zu erreichen ist. Als häufigste Variante wählen Studierende den Zug. Von Linz aus fährt er vormittags im 20-Minuten-Takt. Am Welser Bahnhof angekommen, ist es nur noch ein Kilometer südwärts bis zur FH – und das schnürlgrad. Deshalb legen viele den Weg zu Fuß zurück. So macht das auch Wu Nan. Der 32-jährige Chinese studiert seit drei Jahren Automatisierungstechnik in Wels. Er wohnt in Linz und steigt jeden Tag in den Zug nach Wels. Den Rest bewältigt er zu Fuß, auch bei schlechtem Wetter. "Das macht mir nichts aus", sagt er.

Auch der gebürtige Marokkaner Radouane Aitjaad gehört zu jenen Studenten, die zu Fuß zur Fachhochschule kommen. "Ich wohne zehn Minuten entfernt, da wäre es unsinnig, einen Bus zu nehmen." Das ist ohnehin schwierig. Die Busverbindung vom Bahnhof zur FH ist ausbaufähig. Direkt bei der Einrichtung hält kein Bus. Sportbegeisterten bleibt die Wahl des Fahrrades: Für sie hat die FH etwa 30 Stellplätze.

Die Anreise per Auto ist ebenfalls möglich, es gibt eine Tiefgarage bei der FH. Auch die Tiefgaragen beim Kaiser-Josef-Platz und beim Einkaufszentrum Traunpark kann man nutzen – allerdings sind alle drei kostenpflichtig. (rom)

"Man hätte es besser einteilen können"

Die Bruckneruni ist am besten mit der Pöstlingbergbahn zu erreichen

Meine "Reise" beginnt, wie für viele Studenten der Bruckneruni, am Linzer Hauptbahnhof. Es ist Freitag, und in der Straßenbahn der Linie 4, die mich zum Hauptplatz bringt, herrscht großes Gedränge. Und während ich versuche, zwischen Touristen mit Selfie-Sticks, Hundebesitzern und Menschen mit prall gefüllten Einkaufstaschen meinen Platz zu behaupten, dämmert mir erstmals, wie umständlich dieser Weg für Studierende mit sperrigem Instrument manchmal sein kann...

Für die Studenten der Anton-Bruckner-Privatuni gestaltet sich der Weg zum Studienort bisweilen kompliziert – die idyllische Lage am Pöstlingberg hat nicht nur Vorteile. Die Pöstlingbergbahn verkehrt zwischen den sieben Stationen zwischen Hauptplatz und Bruckneruni zwar von 6-22.50 Uhr im 30-Minuten-Takt. Wie unangenehm es ist, sich bei Kälte die Beine in den Bauch zu stehen, wenn einem die beige-grüne Bahn vor der Nase davonfährt, habe ich aber selber am eigenen Leib erfahren. "Die Bim fährt zwischen 7.30 und 8.45 Uhr im Viertelstundentakt. Da die Uni meist um 9 Uhr beginnt, hilft das aber wenig", sagt Marlene Reitböck, die Gitarre studiert. "Das hätte man auch besser einteilen können."

Gerade Musikstudenten, bei denen am Abend Konzerte auf dem Programm stehen, brauchen auch zu später Stunde noch eine gute Anbindung. Parkplätze sind nur wenige vorhanden, die Tiefgarage ist kostenpflichtig. Sollte man die letzte Bahn verpassen, bleiben nur der Bus oder der Fußmarsch zur Haltestelle Landgutstraße. Oder man nimmt sich ein Beispiel an Zither-Student Jonathan Stängl: "Ich komme mit dem Rad. Da bin ich schnell und flexibel. Und es ist ein super Ausgleich." (prel)

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