"Jeder kann innovativ sein"
Bild: VOLKER WEIHBOLD

"Jeder kann innovativ sein"

Von Herbert Schorn

STEYR. Daniela Freudenthaler-Mayrhofer lehrt Studenten an der FH, innovativ zu werden - und was viele dabei falsch machen.

Daniela Freudenthaler-Mayrhofer ist Innovationsprofessorin an der Fakultät für Management der Fachhochschule in Steyr. Die 36-Jährige bringt ihren Studenten bei, wie innovative Prozesse zum Erfolg führen. Sie setzt dabei auf das Lernen beim Tun: "Kreative Prozesse lernt man am besten im Tun", sagt sie. "Das kann man nicht nachlesen."

 

OÖN: Frau Professor, kann man Innovation denn lernen?

Freudenthaler-Mayrhofer: Innovation ist ein Prozess, der mit verschiedenen Methoden hinterlegt ist. Die kann man wie ein Handwerk lernen.

Warum ist Innovation für Firmen wichtig?

Unternehmen, die nicht innovieren, sind irgendwann tot. Innovation sichert die Existenz jedes Unternehmens. Firmen, die es schaffen, sich immer wieder zu ändern, Neues zu generieren, sind erfolgreich. Innovationen sind nötig, weil es ständig Weiterentwicklungen gibt und die Kunden immer zufriedengestellt werden sollen.

Sie nützen bei Innovationsprozessen die so genannte Design-Thinking-Methode. Wie denkt man denn Design?

Ausgangspunkt des Konzepts war, dass im wirtschaftlichen Kontext manche Probleme mit rein rationalem Denken nicht mehr zu lösen waren. Daher entstand die Idee, Manager zu lehren, wie Designer denken. Sie denken breiter, hinterfragen mehr. Sie arbeiten mit offenen Prozessen, ohne zu wissen, was herauskommt.

Welche sind die Kernelemente?

Design-Thinking ist ein strukturierter Prozess. Zu Beginn steht ein ungelöstes Problem. Nun beginnt die Exploration: Was sagen die Nutzer? Was ist das wirkliche Problem? Es werden Ideen gesucht, Lösungen generiert und getestet. Dabei geht es um ein intensives Hinterfragen von Dingen im Wechsel von Detailwissen und größeren Zusammenhängen.

Wie bringen Sie dieses Wissen den Studenten bei?

Kreative Prozesse lernt man am besten im Tun. Das kann man nicht nachlesen. Wir starten mehrmals im Semester so genannte Innovation Weeks. Dabei haben die Studenten die Aufgabe, reale Probleme von Firmen zu lösen. Wir Lehrende begleiten sie dabei. Innovativ zu sein bedeutet eine Haltung, es bedeutet, offen zu sein, Unsicherheit auszuhalten. Das lernt man nicht im Hörsaal. Man muss selbst das Tal der Tränen durchlaufen, wo niemand mehr weiß, wie es weitergeht. Das alles ist sehr anstrengend. Die Studenten sind am Ende streichfähig.

Was sind typische Probleme bei Innovationen?

Dass viel zu schnell an die Lösung gedacht und zu wenig hinterfragt wird, was das eigentliche Problem ist. Wir bringen unseren Studenten bei, 80 Prozent der Zeit dafür zu verwenden, das Problem zu verstehen und nicht an die Lösung zu denken.

Wie bringen Chefs ihre Mitarbeiter dazu, sich an innovativen Prozessen zu beteiligen?

Jeder Mensch hat die Fähigkeit, innovativ zu sein. Wichtig für Unternehmen ist, den Mitarbeitern Zeit und Raum für neue Ideen zu geben und vor allem Fehler zuzulassen. Anreize sind wichtig, besonders durch Wertschätzung der Führungskräfte. Finanzielles bringt höchstens kurzfristig Effekte.

Buchtipp: Daniela Freudenthaler-Mayrhofer, Teresa Sposato: "Corporate Design Thinking – Wie Unternehmen ihre Innovationen erfolgreich gestalten", Verlag Springer-Gabler

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