Engel für Christoph
Bild: Alexander Schwarzl

3 Engel für Christoph - So leben Oberösterreichs Studenten

Von Julia Popovsky (Text) und Alexander Schwarzl (Fotos)

WELS. Wo lebt sich's besser: Heim, WG oder Hotel Mama? Wir fragten bei Studenten aus ganz Oberösterreich nach und erfuhren: Jede Wohnform hat ihre Vorzüge, aber auch so manchen Nachteil

Die erste Station unserer Reise durch Oberösterreichs Studentenleben: eine Wohngemeinschaft in Wels. Deren Altbauwohnung im Zentrum der Stadt scheint sich das Prädikat "absolut WG-tauglich" redlich verdient zu haben. Immerhin hat sie schon mehrere Wohngemeinschaften beherbergt.

Seit September vergangenen Jahres wohnen auf den rund 119 Quadratmetern die drei Oberösterreicher Manuela Reingruber (22), Petra Engleder (23), Christoph Diendorfer (26) und die Niederösterreicherin Lisa Sellhofer (22). Engleder und Reingruber studieren Lebensmitteltechnologie und Ernährung, Sellhofer Innovations- und Produktmanagement am Welser Campus der Fachhochschule. Diendorfer hat das Studium der Automatisierungstechnik bereits beendet. Er ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FH tätig und schreibt an seiner Dissertation.

Die vier haben ihre WG-Tür für uns geöffnet und verraten, was den Reiz des WG-Lebens ausmacht. "Eine WG ist nicht nur günstiger als ein Studentenheim, wenn man zusammenwohnt, ist alles irgendwie einfacher. Will man etwas unternehmen oder hat man eine Frage, geht man schnell zu den anderen hinüber", erzählt Engleder, die sich mit ihrem Freund Diendorfer ein Zimmer teilt. "Zusammen fällt es auch leichter, sich fürs Sporteln zu motivieren", ergänzt Reingruber.

Dass sich die vier gut verstehen, merkt man ihnen an, der Spaß kommt in der WG nicht zu kurz: "Es ist immer wer zum Blödeln da."

Engel für Christoph

 

Engel für Christoph

 

Wohngemeinschaften sind in Wels eher eine Seltenheit. "Viele unserer Studienkollegen wohnen noch daheim", sagt Sellhofer. Ausschlaggebend für die Entscheidung, zu pendeln, ist meist die Nähe der FH zum Welser Hauptbahnhof, rund fünf Minuten braucht man dorthin. Genauso lang brauchen die vier von der WG zum Campus. "Die FH-Nähe war ein wichtiges Kriterium bei der Wohnungssuche", sind sich Engleder und Sellhofer einig.

Freiheit ohne "Aufpasser"

Und Reingruber findet noch weitere Vorteile: "Weil es so nah ist, können wir länger schlafen. Und zu Fuß gehen." Diendorfer ergänzt: "Das WG-Leben bietet auch mehr Freiheiten. Es gibt keine Aufpasser, die dir sagen, wann du zuhause sein musst."

Ein Pluspunkt an der WG , neben der Küche und dem Balkon, sei auch der Gemeinschaftsraum: "Es war uns wichtig, ein Zimmer zu haben, wo wir uns gemütlich zusammensetzen und mal gemeinsam fernsehen können." Dafür ist die große Couch im Wohnzimmer perfekt geeignet, auch wenn die Filmauswahl manchmal von Diskussionen begleitet wird.

Im Gespräch erfahren wir zudem das Erfolgsrezept für ein harmonisches WG-Leben: "Ohne Putzplan geht's nicht", sagt Diendorfer. Ansonsten gibt es keine Regeln: "Wenn es Probleme gibt, reden wir drüber." Generell sei es wichtig, Rücksicht auf die anderen zu nehmen. "Man erkennt das dann schon, wenn mal jemand Ruhe braucht", sagt Diendorfer.

Ob ihm manchmal männliche Unterstützung in der Wohngemeinschaft fehlt? "Überhaupt nicht, der Name unserer WhatsApp-Gruppe beschreibt die Situation perfekt." Und die heißt "drei Engel für Christoph".

Engel für Christoph

 

"Der Kühlschrank ist immer voll"

SANKT FLORIAN. Studentin Magdalena Roth wohnt wieder daheim

"Oberste Priorität bei der Entscheidung hatte der finanzielle Aspekt", erzählt Magdalena Roth (22) , die seit September 2016 an der FH Linz berufsbegleitend Sozialmanagement studiert und zuvor in einer eigenen Wohnung gelebt hat. Nach der Trennung von ihrem damaligen Partner und der Entscheidung fürs Studium stand sie vor der Frage: Eine günstigere Wohnung suchen oder wieder bei ihren Eltern einziehen?

"Wir waren uns dann einig, dass es keinen Sinn machen würde, mir was Eigenes zu suchen", erzählt Roth, die drei Tage in der Woche im Büro arbeitet. "So kann ich mir das Geld, das ich sonst für die Miete und dergleichen ausgeben würde, auf die Seite legen und sparen." Einen finanziellen Beitrag zum Wohnen überweist sie ihren Eltern monatlich trotzdem.

Die FH-Studentin und Leiterin des Campus Referat Linz weiß noch mehr Gründe, warum es sich auszahlen kann, zu Hause zu wohnen: "Der größte Vorteil ist, dass der Kühlschrank immer voll ist und es nicht jeden Tag nur Nudeln zu essen gibt." Auch der Platz ist ausschlaggebend. "Wenn ich in einem Studentenwohnheim wohnen würde, hätte ich nur mein Zimmer. So bin ich im ganzen Haus daheim." Dass sie im Haushalt nicht mithelfen muss, ist kein Freifahrtsschein zum Faulenzen: "Für mich ist es selbstverständlich, dass ich den Geschirrspüler ausräume oder den Tisch decke."

Dass sie sich mit ihren Eltern so gut versteht, sei "wirklich ein Glück", zu Hause ist sie auch in tierisch guter Gesellschaft: "Ich genieße es, dass meine Haustiere jeden Tag bei mir auf der Couch liegen können."

Auf Nachteile angesprochen, sagt die 22-Jährige mit einem Lachen: "Naja, eine 100-prozentige Privatsphäre gibt es zu Hause nicht. Man muss immer damit rechnen, dass plötzlich jemand im Zimmer steht." Aber selbst das kann sie meistens positiv betrachten: "So kann man immer jemanden erzählen, wie der Tag so war." (jp)

So wohnten Führungskräfte der JKU und der FH als Studenten

Wie wohnten Führungskräfte von Kepler-Uni und Fachhochschule zu ihrer Studienzeit? Wie können die Hochschulen Studenten heute in Wohnfragen unterstützen? Wir haben nachgefragt.

Meinhard Lukas Rektor der Linzer Kepler-Universität

Meinhard Lukas, Rektor der Johannes Kepler Universität, studierte an der JKU Jus und an der Wiener Wirtschaftsuni Betriebswirtschaftslehre. Dort lebte er in einem Studentenheim im 19. Bezirk . "Das Haus lag in bester Lage im Grünen", erinnert sich der heute 48-Jährige. Als Highlight gab es dort einen Swimmingpool: "Der hatte bei Studentenfesten eine ganz besondere Qualität." Während seiner Linzer Studienzeit lebte Lukas, der aus Wels stammt, in einer kleinen Garconniere in der Nähe des Südbahnhofmarktes. "Ich koche seit meiner Kindheit sehr gerne. Damals lernte ich diesen Markt so richtig zu schätzen."

Heute nennt Lukas eine gemeinschaftsfördernde Wohnsituation als bedeutenden Faktor für Studenten: "Gemeinsames Lernen ist wichtig, auch jenseits der Kernfächer", sagt der Rektor. "Dabei kann ein Dialog entstehen, der Interesse für gesellschaftliche Entwicklungen anregt." Notwendig sei auch, dass die Studierenden in der Nähe der Universität wohnen können. In diesem Bereich wolle sich auch die Kepler-Uni in Zukunft verstärkt engagieren, stellt Lukas in Aussicht: "Wir wollen gemeinsam mit Bauträgern neue Konzepte entwickeln."

Johann Kastner Leiter Forschung und Entwicklung, FH OÖ

Gleich vier Mal wechselte Johann Kastner während seiner Studienzeit die Unterkunft. Der heutige Forschungs- und Entwicklungschef der Fachhochschule Oberösterreich studierte an der Linzer Kepler-Uni Technische Physik, bevor er für das Doktoratsstudium an die Uni Wien wechselte. In Linz lebte der gebürtige Mühlviertler in einem Studentenheim. In Wien zog er von einer WG in ein Untermietzimmer, bevor er sich eine Wohnung nahm. An die Studienzeit erinnert sich der Wissenschaftler gerne: "Ich habe viele fachliche und sportliche Zusatzangebote in Anspruch genommen." Die Ferien nutzte er zum Geldverdienen, für Reisen und Weiterbildung.

Gerade zu Beginn des Studiums biete ein Heim für Studenten Vorteile, etwa weil man gut Kontakte knüpfen könne, sagt Kastner: "Da gibt es immer wieder Feste und man lernt viele neue Leute kennen." Bei den Heimplätzen versucht die Fachhochschule die Studenten zu unterstützen, sagt Kastner: "An allen vier Standorten gibt es Studentenheime, deren Kapazitäten immer wieder erweitert werden." Auch bei der Wohnungssuche helfe die FH: "Es gibt eine eigene Wohnungsbörse auf unserer Homepage."

 

Wohnformen: 56 Prozent der Linzer Studenten wohnen laut Studierenden-Sozialerhebung 2015 allein oder mit ihrem Partner in einer Wohnung. 24 Prozent wohnen noch bei ihren Eltern, 11 Prozent im Wohnheim, 9 Prozent in einer WG. Im Österreichschnitt ist die WG deutlich beliebter: 24 Prozent wählen diese Wohnform. Dafür leben nur 46 Prozent allein oder mit dem Partner.

Wohnkosten: 299 Euro kostete laut Studierenden-Sozialerhebung 2015 der Platz in einem Linzer Studentenheim pro Monat (Österreich-Schnitt: 311 Euro). Billiger sind die Plätze in Leoben, Klagenfurt und Graz, teurer in Innsbruck, Salzburg und Wien. Die Wohnkosten stiegen zwischen 2011 und 2015 in Linz um neun Prozent. Das entspricht dem Österreich-Schnitt.

 

Eine Reportage aus dem Linzer Raab-Heim lesen Sie hier

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