Wenn Sprechen zum Problem wird …
Bild: Josef Philipp

Wenn Sprechen zum Problem wird …

Wenn von Sprachproblemen und Sprachförderung in der Schule die Rede ist, meinen die meisten damit häufig mehrsprachige Kinder und Jugendliche. Die Schwierigkeiten können aber weitaus komplizierter sein und manchmal gar nichts damit zu tun haben, ob ein Menschen ein- oder mehrsprachig aufwächst. Solche Probleme betreffen nicht nur die Bildungssprache im Unterricht, sondern auch den Alltag der Betroffenen. Kinder und Jugendliche mit Sprachbeeinträchtigungen erhalten außerhalb der Schule gute und notwendige Unterstützung durch Logopädinnen und Logopäden.

Während des Unterrichts kann der Unterstützungsbedarf ein Problem darstellen. Nicht alle Lehrer sind dafür ausgebildet, Sprachentwicklungsprobleme genau zu erkennen und Hilfen im Unterricht anzubieten, wenn Schüler beispielsweise stottern oder Aussprachestörungen die Teilhabe am Unterricht einschränken. Der Bedarf, solche speziellen Unterstützungen anzubieten, wird aber in den nächsten Jahren steigen, wenn die Schulen inklusiv werden.

Allein in Oberösterreich dürften etwa 3500 Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren Spezifische Sprachentwicklungsstörungen aufweisen, in ganz Österreich ungefähr 24.500 (Verweis auf gesicherte Prävalenzraten einer Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlich-medizinischer Fachverbände). Aber auch die Zahlen bei Beeinträchtigungen wie Stottern oder Stimmstörungen erreichen im Schulalter eine Höhe, so dass Lehrkräfte im gemeinsamen Unterricht darauf vorbereitet sein sollten. Während diese Kinder und Jugendlichen außerhalb der Schule durch Logopäden eine medizinische Heilbehandlung erfahren, können sie während des Unterrichts spezielle pädagogische Unterstützung erhalten. Aufgaben, gerade im mündlichen Bereich, können angepasst werden und mit spezifischen Methoden so gestaltet werden, dass die Sprachentwicklung gefördert werden kann. In manchen Bundesländern werden dafür Sprachheillehrkräfte ausgebildet. In OÖ gibt es diesen Hochschullehrgang seit einiger Zeit nicht mehr.

Die Pädagogische Hochschule OÖ hat stattdessen im Zuge der Reform der Lehramtsbildung neuartige Spezialisierungsbereiche für angehende Lehrkräfte vorbereitet, die auch diese Lücke zwischen Logopädie und Sonderpädagogik an den Schulen schließen sollen. Diese Lehrkräfte werden keine Therapeuten, sie sind gute Lehrer mit einer Spezialisierung für die kompetente Diagnostik und Förderung in den Bereichen der Sprachentwicklung und Kommunikationsfähigkeit. Es wird langfristig angestrebt, dass diese Experten in Zusammenarbeit mit den Logopäden außerhalb der Schule und mit Fachlehrkräften helfen, diesen Schülern im Unterricht sprachliche Bildungs- und Förderangebote zu machen, die den schulischen Lernprozess und die logopädische Therapie gleichermaßen unterstützen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, denn das neue Studium ist erst angelaufen, und es sind umfassende Entwicklungsprozesse erforderlich. Der Einsatz solcher Spezialisten schließt an internationale Entwicklungen in der Sonderpädagogik und Erziehungswissenschaft an und wird durch empirische Befunde gesichert. In unserer Forschungsstelle Sonderpädagogik, Sprache und Inklusion werden Befunde zusammengetragen, ausgewertet und durch weitergehende Forschung ergänzt.

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