Dominik Fürtbauer, Social Media-Experte
Bild: Cityfoto/Kunasz

Mit Social Media Kunden gewinnen

Von Susanna Sailer

OÖN-Wirtschaftsakademie: Social Media-Marketingexperte Dominik Fürtbauer rät Unternehmen, neue Online-Plattformen wie Snapchat mit einzubinden

Nur ein Bruchteil der Unternehmen nützt das volle Potenzial von Social-Media-Plattformen. "Ein Großteil kennt die neuen Möglichkeiten nicht oder unterschätzt sie maßlos", ist Dominik Fürtbauer überzeugt. Seinen Vortrag bei der OÖN-Wirtschaftsakademie im Linzer Brucknerhaus würzte er mit Praxisbeispielen.

Äußerst effektiv sei etwa die Retargeting-Methode – die erneute Zielausrichtung: Besucher, die ohne Kaufabschluss einen Online-Shop oder eine Internet-Seite verlassen, werden auf einer anderen Site wieder angesprochen. Fürtbauer: "Man kann Online-Werbung schalten, die nur für Besucher sichtbar ist, die Ihre Unternehmenswebsite bereits aufgerufen haben. Das weckt deren Interesse erneut und es kommt vielleicht doch zu einem Kaufabschluss." Viele verloren geglaubte Kunden würden dann kaufen.Amazon beispielsweise praktiziere das erfolgreich vor. Möglich sei das über so genannte Cookies, die beim Besuch eines Users gesetzt werden.

Überhaupt sollte sich der Vertrieb Gedanken darüber machen, mit welchen digitalen Möglichkeiten er die Kaufentscheidung von potenziellen Kunden positiv beeinflüssen könne. Das könnten etwa Gewinnspiele sein, Videos, in denen Kunden persönlich angespochen werden, Gutschein-Codes bei einem Online-Shop oder Hinweise auf demnächst stattfindende Events.

Neuer interaktiver Raum

Es gäbe Online-Plattformen, die um vieles schneller wachsen als Facebook in seinen Anfängen. Snapchat sei ein Beispiel dafür. Innerhalb eines 24-Stunden-Zeitfensters können dort Bilder und Videos veröffentlicht werden, die danach automatisch wieder verschwinden. Diese werden entweder per Messenger privat an Kontakte verschickt oder für 24 Stunden öffentlich für alle Follower als “Story” gepostet werden. Will man jemanden folgen, muss man jedoch den genauen Nutzernamen kennen oder aber den Snapcode (ähnlich eines QR-Codes) scannen.

Fürtbauer nennt die Fakten zu Snapchat: 700 Millionen Videos werden  täglich versandt - so viel, wie auf keiner anderen Plattform. Vor allem die junge Generation schwört auf das Verbreiten von Nachrichten, Fotos und Videos. Die Hälfte der Benützer ist zwischen 16 und 24 Jahre alt und hält sich täglich 25 bis 30 Minuten auf Snapchat auf. Das bietet viel Raum für Interaktionen. "Dabei sollte es immer um die Vermittlung von Mehrwert und Nutzen für die jeweilige Zielgruppe gehen", sagt Fürtbauer und nennt einige Themenbeispiele: Ein Video könnte hinter die Kulissen des Unternehmens blicken oder sich mit den Unternehmenswerten befassen und ein anderes durch die Produktion führen. Auch Event-Dokumentationen böten sich an.

Ein Beispiel, wie Events mit Hilfe von Snapchat erfolgreich in Szene gesetzt werden können: In Polen setzten die Modekette H&M voll auf den spielerischen Aspekt. In mehreren Shop-Standorten versteckte das Modehaus kostenlose Eintrittskarten für eine exklusive Party names “Boiler Room”. Danach verschickte H&M kryptische Hinweise via Snapchat, wo die Tickets im Laden zu finden waren. Das Resultat dieser Schnitzeljagd: 943 Snapchat-User wurden gewonnen, mehr als 200 Leute haben mitgespielt. H&M konnte sich als trendige Marke positionieren.

Wo tummeln sich Kunden?

Unternehmen müssten sich also fragen, welcher Plattform ihre Kunden die meiste Aufmerksamkeit schenken. Fürtbauer: "Es wird nicht immer Facebook sein." Es gelte, diese Plattform verstehen zu lernen, auch die Art, wie miteinander kommuniziert wird. Es habe keinen Sinn, eine einmal gewählte Sprachform über alle Plattformen zu vereinheitlichen. Auch werde nicht überall dieselbe Strategie funktionieren. Wichtig sei, stets die Bedürfnisse der Zielgruppe zu erkennen.

 

Allerdings seien viele Unternehmen dazu noch nicht bereit. "Viel zu oft wird der Fortschritt ignoriert. Auch Autofahren mussten wir uns einmal aneignen und heute ist es Teil unseren Alltags", sagt Fürtbauer und fragt weiter: "Warum muss es immer so spät kommen, dass eine Plattform die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient?" Jene, die sich mit Veränderungen schwer tun, gibt der Social Media-Experte folgendes auf den Weg: Veränderung ist schwer am Anfang, chaotisch in der Mitte und wunderbar am Ende. Und wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.

Digitalisierung auch im Printbereich

Neue digitale Reize können auch Printprodukte attraktivieren. Fürtbauer: "Betrachter laden sich via Scan eine App herunter – und plötzlich spricht sie der Geschäftsführer eines Unternehmens persönlich an." Auch Planskizzen könnten virtuell gestaltet werden, sodass das eigene Haus nachvollziehbar vor einem entsteht. Für Fürtbauer steht jedenfalls fest: "Print macht dank dieser neuen Technologien richtig Spaß."

 

Zur Person: Der gebürtige Welser Dominik Fürtbauer ist Gründer der Performance Marketing GmbH. Diese bringt Unternehmen zu deren Kunden im Social Web. In seinen Vorträgen spricht der 27-Jährige, der hauptsächlich in Deutschland lebt, über den Wandel der Gesellschaft und das Konsumverhalten der jungen Generation im Internet. Er erklärt, weshalb Unternehmen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen, auf Social Media Marketing nicht verzichten können. Fürtbauer ist zudem Buchautor.

 

 

 

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