Wirtschaftsakademie April 2017: Bernhard Lehner, Bianca Gfrei, Damien Izdebski
Bild: Katouly David/Cityfoto

Gepackt vom unbändigen Gründungswillen

Von Susanna Sailer

Die OÖN-Wirtschaftsakademie heftete sich dem unbekannten Wesen der Start-ups an die Fersen.

Durchschlagender Erfolg oder Bauchlandung – beides liegt bei einem Start-up nah beieinander, wie die OÖN-Wirtschaftsakademie vergangenen Dienstag vor Augen führte. Was alle Start-ups beflügelt, ist deren spezieller Spirit. Bernhard Lehner, Vorstand des Business Angel-Netzwerks startup300, Jungunternehmerin Bianca Gfrei (Kiweno) und Stehauf-Mann Damian Izdebski, der nach der DiTech-Pleite mit der Neugründung Techbold wieder am Markt mitmischt, erklärten diese Mentalität: Es wird etwas angepackt, oft ohne davor nennenswerte Erfahrung in diesem Bereich gehabt zu haben. Das bedeutet auch, hinzufallen, wieder aufzustehen und aus Fehlern zu lernen. Lehner: "Diese Leute spüren einen unbändigen Willen zum Gründen. Das hat masochistische Züge – sie können nicht anders."

Vom Schmerz zum Erfolg

Die Tirolerin Bianca Gfrei bestätigte das lachend. Sie gründete vor viereinhalb Jahren mit zwei Partnern das Start-up Kiweno, das Selbstabnahmetests bei Lebensmittel-Intoleranzen anbietet. Die Geschäftsidee einer Labordiagnostik für zu Hause war aus eigener Betroffenheit entstanden. "Ich hatte unter chronischen Bauchschmerzen gelitten. Es dauerte Jahre, bis ein Arzt feststellte, dass ich das Kasein in der Rohmilch nicht vertrage", erzählte sie. Die ersten eineinhalb Jahre investierte das Gründerteam seine gesamten Ersparnisse und kämpfte um Finanzierungsmöglichkeiten. Erst mit Einstieg des Financiers Hansi Hansmann ging’s bergauf. Im Vorjahr staubte Gfrei bei der TV-Show "2 Minuten 2 Millionen" dann ein Medien-Investment von sieben Millionen € ab.

Was es braucht, um ein Unternehmen zum Erfolg zu führen, fasste Gfrei so zusammen: "Ausdauer, ein Anderssein als andere, Authentizität und Leidenschaft."

Von Aufstieg und Fall kann Damian Izdebski ein Lied singen. Mit DiTech war er binnen 15 Jahren in die Top-Liga der Computer-Fachhändler aufgestiegen. Doch 2014 schlitterte die Kette mit ihren 22 Filialen in die Insolvenz. "Mein größter Fehler war die Naivität zu glauben, ein Unternehmen zu 90 Prozent fremdfinanzieren zu können", weiß er heute. Dennoch habe er damals mehr gelernt als in den erfolgreichen 15 Jahren – auch über Loyalität und Freundschaft. Izdebski: "Von 1000 Freunden blieben wenige. Leute hoben nicht ab, wenn ich anrief. Bekannte wechselten die Straßenseite."

Motivationsschub made in USA

Nach Wochen des Selbstzweifels reiste er nach Kalifornien – und war überrascht, wie anders dort seine Gesprächspartner reagierten. Sie wollten von ihm lernen. Izdebski: "In den USA sehen die Leute nicht nur das Scheitern, sondern auch, was vorher war: Firmengründung, Milliardenumsatz, Hunderte Arbeitsplätze und dann die Erfahrung, die sich jemand durch das Scheitern erwirbt."

Mit neuem Selbstvertrauen gründete er Techbold, einen Hardware-Produzenten für Computerspiele. Zwischenzeitlich sprangen mit Stefan Kalteis, Michael Altrichter und Hansi Hansmann drei Top-Investoren auf, die Compass-Gruppe stieß hinzu und beim Crowdinvesting wurden ihm 700.000 Euro anvertraut. Und auch die Freunde sind wieder da. Izdebskis Resumee: "Einmal Unternehmer, immer Unternehmer. Ich versuche nun aber, einiges besser zu machen."

Buchtipp: http://meinebestenfehler.at/

Nächste Termine der OÖN-Wirtschaftsakademie:

 5. 9.: Kira Grünberg: Mein Sprung in ein neues Leben

18. 10.: Erfolg in Zeiten der Vulkan-Ökonomie

20. 11.: Warum soll ich kaufen?

 

 

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