"Mental fit wird, wer in sich hineinspüren kann"
Bild: WolfgangKunasz

"Mental fit wird, wer in sich hineinspüren kann"

Von Susanna Sailer

Felix Gottwald, Österreichs erfolgreichster Olympiasportler, gibt Anregungen zu Themen wie Aufmerksamkeit, Motivation und wie das kleine Glück im Alltag gefunden werden kann.

Felix Gottwald betritt die Bühne im gesteckt vollen Mittleren Saal des Linzer Brucknerhauses und schweigt. Die Menschen schauen ihn erwartungsvoll an, es ist mucksmäuschenstill. Nach einer Minute löst er die Spannung mit einem lockeren "Grüß euch". Manche lachen, andere wirken leicht irritiert. Doch Gottwald ist damit bereits mit einem Kernthema in den dreistündigen Workshop über mentale Fitness eingestiegen.

"Es braucht drei emotionale Zustände, um aufmerksam zu sein: Spannung, Entspannung und eine kindliche Begeisterung", sagt der ehemalige Nordische Kombinierer, der u.a. dreimal Olymiasieger und dreimal Weltmeister wurde und heute als Coach Seminare zum Thema mentale Stärke hält. Bei der OÖN-Wirtschaftsakademie gab er einen Einblick, worauf es dabei ankommt. Seine Rezepte klingen dabei denkbar einfach.

Mentale Stärke sei nicht ohne Aufmerksamkeit zu gewinnen – nach außen durch Hinschauen und Hinhören und nach innen durch Auseinandersetzung mit sich selbst. Gottwald: "Wir haben zwei Feedback-Instrumente stets dabei: den Körper und Gefühle. Wer den Kontakt zum Körper auf die Seite schiebt, kann sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen."

Stille und Bewegung

Er rät, dreimal am Tag mit einem gewissen Grundvertrauen bewusst ein- und auszuatmen. "Ich behaupte, würden wir das alle tun, wäre unsere Gesellschaft eine andere. So hecheln viele durch ihr Leben." Gottwald nennt seine Lebenselixiere: Stille – die erreicht er durch Meditation und Qigong – und Bewegung. Beides sollte im Alltag vorkommen. Um etwas für die Gesundheit zu tun, könne jeder mit Leichtem beginnen, etwa die Stufen statt der Rolltreppe nehmen.

Wer mental fit werden will, brauche Motivation. "Wofür tun wir, was wir tun? Gib dir die Chance, herauszufinden, was du wirklich willst", rät er. Worauf gelte es zu verzichten, und was müsse dafür weggelassen werden? Es seien das manchmal unbequeme Entscheidungen, die anstünden, wie er aus eigener Erfahrung wisse. Wichtig sei, eine Qualität in den Weg zum Ziel hineinzulegen, ohne im Geiste vorauszugaloppieren oder hinterherzuhinken.

Das kleine Glück finden

Menschen, die nach Glück streben, gibt Gottwald zwei Fragen mit auf den Weg, die er sich ebenfalls täglich stellt. "Bevor ich am Morgen aufstehe, überlege ich, worauf ich mich an diesem Tag am meisten freue." Die zweite Frage stellt er sich und seinen beiden Kindern am Abend vor dem Schlafengehen: Für welche drei Dinge bin ich dankbar? Oft kämen Antworten wie Gegebenheiten, zu denen er gar nichts beitragen konnte. "Die Kleinsten sind unsere größten Lehrmeister – jeden Tag." Für ihn sei das das kleine Glück, das sei für ihn völlig ausreichend. Gottwald: "Glück ist auch, den Alltag wieder lieben zu lernen."

Er selbst hat immer eine Karte eingesteckt: Auf der einen Seite steht zu lesen, "Ich bin der Mittelpunkt der Welt", auf der anderen Seite heißt es "Ich bin ein Staubkorn im All". Gottwald: "Idealerweise ist das ganze Leben ein Drehen und Wenden einer Karte."

 

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