"Was nicht am Handy ist, gibt es nicht"

"Was nicht am Handy ist, gibt es nicht"

OÖN-Wirtschaftsakademie: Die Digitalisierung stellt viele Geschäftsmodelle auf den Kopf.

Seine Vorträge sind durchinszenierte Shows, bei denen auch eine Kettensäge zum Einsatz kommt. Dietmar Dahmen ist ein Berserker, der es aber schafft, die digitale Veränderung und ihre dramatischen Veränderungen auf die Gesellschaft und Geschäftsmodelle von Firmen herunterzubrechen. Diese Woche war der Wahl-Wiener bei der Wirtschaftsakademie der OÖN.

Lange wurde der USP – das Alleinstellungsmerkmal von Firmen oder Produkten – als essenziell gelehrt. Dahmen sagt, diese "unique selling proposition" sei vielmehr zur "uniform selling proposition" geworden. "Den USP gibt es nicht mehr." Es sei nämlich nicht mehr relevant, allen Kunden das gleiche Produkt anzubieten. Was Unternehmen hingegen aufbauen müssten, ist die "individual selling proposition" oder noch besser die "situational selling proposition", also die Angebote zu individualisieren und noch besser auf die Situation abzustimmen.

Information, nicht Daten

Das erklärt er anhand von Beispielen: So sei es essenziell, relevante Informationen über potenzielle Kunden zu haben. "Dann kann man Spielern auf Golfplätzen Angebote für Golfbälle auf das Smartphone schicken." Generell sei die Erreichbarkeit des Kunden über Handys essentiell. "Was nicht auf dem Handy ist, existiert nicht." Das beginnt bei Busplänen, Restaurants, Geschäften bis zu Dienstleistungsangeboten.

Derzeit würden Firmen zu viele Daten sammeln, aber zu wenig relevante Information daraus generieren und es nicht schaffen, maßgeschneidert ihre Kunden anzusprechen.

Dahmen betonte, dass das nicht nur ein Thema für Großkonzerne sei, sondern die kleinsten Unternehmen hier sogar im Vorteil wären. Ihr deutlich stärkeres Wachstum sei der Beweis, dass sie sich gut anpassen und schnell reagieren könnten. Kern aller Aktivitäten müsste sein, den Kunden "mitten ins Team zu holen".

Wenn Städte etwa ihr Parkplatzmanagement professionalisieren und Stellplätze reservierbar machen, könnten Restaurants diese ihren Gästen anbieten.

Voraussetzung für alle möglichen Spielarten der Kooperation sei die Vernetzung, sagt der frühere Werber. Ein Schlüssel für künftige Erfolge sei, sich von Altem zu trennen. "Wir sollten Neues nicht nur gut finden, sondern Altes vernichten. Das ist wirklich schwierig." Zum Beweis startet er die Kettensäge – und zerstört Pölster als Symbole für alte Gemütlichkeit. (sib)

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