Kurt Söser, HAK Steyr, Mathematiklehrer
Bild: Volker Weihbold

Ein HAK-Lehrer als Microsoft-Berater

Von Susanne Dickstein

In seinem Hauptjob lehrt Kurt Söser an der HAK Steyr. In der Freizeit berät er als nur einer von drei Lehrern weltweit den IT-Konzern Microsoft.

Ein bloggender Mathematiklehrer, der in seiner Jugend in der Faustball-Nationalmannschaft gespielt hat und als einer von nur drei Lehrern weltweit in den Education Advisory Board des IT-Konzerns Microsoft einberufen wurde – der Lebenslauf von Kurt Söser ist ungewöhnlich. Der 37-Jährige, der seit acht Jahren an der HAK Steyr  unterrichtet, bezeichnet sich selbst als „Visionär“ und als „digital native“. Beide Eigenschaften haben ihn in Kontakt zu Microsoft gebracht.

Die digitale Welt im Klassenzimmer

Der IT-Konzern hat Lehrer eingeladen, Projekte einzureichen, wie sie die Schule ins 21. Jahrhundert bringen. 25.000 Einreichungen gab es, 250 wurden ausgewählt – darunter die Tablet-Klasse von Kurt Söser. Er hat in seinem Mathematikunterricht Schulhefte und Tafel abgeschafft. Jeder Schüler hat ein eigenes Tablet mit Stift, bezahlt von den Eltern. Alle Geräte sind vernetzt, Hausübungen werden in der Cloud gespeichert. Das sind mitunter auch Videos, in denen die Schüler Rechnungen erklären. „Ich will keine Nerds produzieren, sondern die digitale Welt ins Klassenzimmer holen“, sagt Söser.

Gerade in der Mathematik habe sich durch die Computer so vieles verändert. „Lineare Gleichungen kann der Computer viel besser lösen. Das rein mechanische Lösen von Rechnungen ist daher obsolet. Ich will, dass meine Schüler verstehen und begründen können, warum etwa beim Differenzieren die erste Ableitung verwendet wird.“ Entscheidend sei aber auch, dass die Schüler ein Gefühl dafür haben, ob ein Ergebnis richtig sein kann.

Veraltertes Prüfungssystem

Es gehe ihm darum, den Jugendlichen die „Schönheit und den praktischen Nutzen der Mathematik“ zu zeigen. „Die mathematischen Konzepte sind nicht vom Himmel gefallen, ihre Entwicklung ist spannend.“ Wenn die Zeit nicht nur mit Rechnen verbracht werde, lasse sich erklären, woher etwa die Sinus-Funktion ihren Namen habe. Mit seinem Unterrichtskonzept kommt Söser immer wieder in Konflikt mit allgemeinen Prüfungsvorgaben. „Viele der Vorgaben, wie Mathematik unterrichtet werden soll, stammen aus den 1960er–Jahren. Wir brauchen eine moderne Art der Leistungsfeststellung.“

Dass der Tablet-Unterricht funktioniert, belegen die Kennzahlen: In den Tablet-Klassen gebe es deutlich weniger Fehlstunden, geringe Durchfallquoten und durch die Bank bessere Noten. Sösers Engagement kommt auch bei den Managern von Microsoft in der Konzernzentrale in Redmond gut an. 2015 haben sie den Steyrer als nur einen von drei Lehrern weltweit in ihr Beratungsgremium für Bildung geholt.

Zur Person:

Der 37-jährige Kurt Söser unterrichtet seit acht jahren an der HAK Steyr Mathematik und Sport. Der Vater von drei Kindern hat eigene Tablet-Klassen ins Leben gerufen. Sie brauchen keine Schulhefte und Tafeln, der Unterricht erfolgt über miteinander vernetzte Tablets.

 

 

 

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