Chris Müller, Tabakfabrik
Bild: Volker Weihbold

Der ungewöhnliche "Mister Tschickbude"

Von Dietmar Mascher

Die ehemalige Tabakfabrik ist derzeit das spannendste Wirtschaftsentwicklungsgebiet des Landes. So ungewöhnlich wie das Ambiente ist auch der Geschäftsführer, Chris Müller.

Tschickbude nennen die Linzer liebevoll die ehemalige Tabakfabrik. Die Produktion von Dames, Falk und Memphis ist längst Geschichte. Und langsam, aber sicher bekommt der Bau wieder eine Bedeutung, die der einzigartigen Architektur von Peter Behrens gerecht wird: Als das wohl spannendste Wirtschaftsentwicklungsgebiet des Landes.

Mittendrin der Direktor Chris Müller (44), der mit seiner ungewöhnlichen Biographie auch das spiegelt, was die Tabakfabrik künftig sein soll. Ein Schmelztiegel, in dem Kreativität, Jungunternehmertum, Vernetzung und Innovation miteinander wachsen können.

Müller hat seit seiner Geburt ein Naheverhältnis zum Thema Rohstoffe. Geboren in Thomasroith im Kohlerevier des Hausrucks in eine Bergbaufamilie, bezeichnet er sich selbst heute als „Urban Miner“, ein Bär mit einer Karbidlampe ziert seinen Rucksack, den er zum Anzug trägt. Die Minen sieht Müller mitten in den Industriestädten, wo Kreativität zutage gefördert werden kann.

Müllers Berufslaufbahn nach der Hauptschule begann bei einer Treppenbaufirma, wo er eine Tischlerlehre absolvierte. Der Liebe wegen zog er nach Berlin, begleitete Rockbands backstage auf Tournee, arbeitete als Asbestentsorger für eine Zeitarbeitsfirma und als Maschinenführer in einer Großbäckerei.

Aber Müller zog es in den kreativen Bereich. Er studierte Bildhauerei an der Kunstuni, arbeitete mit dem preisgekrönten Franzobel-Werk „Hunt oder Der totale Februar“ ein Stück Familiengeschichte auf und engagierte sich weiterhin im Theaterbereich. Der Karikaturist Gerhard Haderer rief ihn 2011 an und fragte, wie er die Tabakfabrik bespielen würde. Daraus wurde zuerst ein 20-Stunden-Job, später ein Vollzeitjob als Geschäftsführer. 700 Leute arbeiten derzeit für 102 Firmen in der Tschickbude, 3000 sollen es 2023 sein, wenn die Tabakfabrik um mehr als 300 Millionen Euro umgebaut ist und weitere Startups Einzug halten. Wenn die Pläne aufgehen, wird die Tabakfabrik zu einem „Bienenkorb für die schnellstwachsende Industrie der Welt werden, die Kreativität“.

Herzensangelegenheit „Atmos“

Müller will allerdings nicht nur die Tabakfabrik entwickelt. Er will auch noch ein großes Gesundheits- und Architekturprojekt umsetzen: Das Haus „Atmos“, das am Ufer des südlichen Mittelmeers entstehen soll und jenen offen stehen soll, die an der derzeit noch nicht heilbaren Krankheit Mukoviszidose leiden, sowie auch die kleine Tochter von Chris Müller. 35 Millionen Euro sollen dort investiert werden, Forscher und Ärzte sollen dort auch daran arbeiten, dass die Stoffwechselkrankheit einmal heilbar wird.

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