Marlene Kittel
Bild: Happy Foto

Was machen Sie eigentlich, Frau Kittel?

Von Martin Roithner

Marlene Kittel (29) führt seit März mit ihrem Vater Bernhard (63) das Freistädter Unternehmen Happy Foto. Im Interview gibt sie auf wenige Fragen viel Einblick in ihr Selbstverständnis als Chefin.

Wie erklären Sie einem sechsjährigen Kind, was Sie beruflich machen?

Ich helfe vielen Personen dabei, ihre Erinnerungen in einem Fotobuch dauerhaft für Generationen festzuhalten - sei es der jüngste Geburtstag oder ein Sommerurlaub.

Und was antworten Sie auf die Frage, warum Sie dafür Geld bekommen?

Weil für ein Fotobuch viele Dinge notwendig sind. Man braucht einen Computer mit einem Programm, Papier, Maschinen und Menschen, die die Maschinen bedienen können. Und die Fotobücher machen viele Menschen glücklich.

Was macht Sie glücklich?

Das Tauchen. Diese Leidenschaft haben mir meine Eltern vererbt. Ich versuche, mindestens einmal im Jahr "abzutauchen" und in eine neue Welt "einzutauchen". Am liebsten tauche ich dort, wo es warm ist. In Österreich ist es mir zu kalt.

Woran erkennt man eine gute Chefin?

Eine gute Chefin muss eine Vision haben und diese gemeinsam mit den Mitarbeitern so umsetzen, dass am Ende ein gutes Produkt entsteht. Sie muss auch teamfähig sein und das große Ganze im Auge behalten.

Was sollte ein Mitarbeiter auf keinen Fall zu Ihnen sagen?

"Das ist unmöglich." Dieser Satz ist für mich ein No-Go. Gemeinsam kann man alles schaffen. Mir ist wichtig, dass meine Mitarbeiter offen für neue Ideen sind.

Mein erstes Geld habe ich verdient …

... bei HappyFoto. Ich habe Fotosicherheitstaschen aufgeschnitten, den Inhalt sortiert und in die richtigen Boxen gegeben. Dafür habe ich ein nettes Taschengeld bekommen. Mein Vater hat immer gesagt, wir müssen für unser Taschengeld arbeiten.

Was möchten Sie gut können?

Pfeifen. Ich probiere es immer wieder, kann es aber nicht.

Wen fragen Sie außerhalb der Familie um Rat?

Meine beste Freundin Agnes, die ich seit der Unterstufe kenne. Wir wissen, wie es der anderen geht, ohne miteinander reden zu müssen.

In welchem Unternehmen möchten Sie einen Monat lang Chefin sein?

Bei Google, weil es unser Leben so massiv beeinflusst. Ich selbst schlage sicher drei- bis fünfmal pro Tag dort nach. Und ich finde Googles Projekte toll, wie beispielsweise "Project Loon", mit dem das Unternehmen Internet in entlegene Gegenden bringen will.

Wann schalten Sie Ihr Handy aus?

Im Theater, im Flugzeug und beim Tauchen.

Welches Buch wollen Sie lesen, hatten dafür aber zuletzt zu wenig Zeit?

Insommia von Juliane Hoffman. Das ist ein Kriminalroman, und ich liebe Kriminalromane.

Wenn ich einmal frei habe, mache ich als Erstes …

Ich schlafe länger. Gerne verbringe ich auch Zeit mit der Familie und Freunden. Mit meinem Papa und unserem Dackel mache ich oft längere Spaziergänge. ich genieße die Zeit draußen.

Das liegt immer auf meinem Schreibtisch:

Papier, ein Stift und Post-Its. Ich erstelle handschriftliche To-Do-Listen. Es ist ein gutes Gefühl, etwas abhaken zu können.

Diese Personen haben meinen Werdegang geprägt:

Meine Eltern.

Würden Sie nicht in Ihrer eigenen Firma arbeiten, womit würden Sie wahrscheinlich sonst Ihr Geld verdienen?

Wahrscheinlich wäre ich in der Unternehmensberatung tätig. Das habe ich viereinhalb Jahre gemacht.

Diese Schauspielerin könnte mich in einem Film verkörpern:

Eine, die gerne lacht oder über sich selbst lachen kann.

Diese unternehmerische Leistung finde ich bewundernswert:

Die Leistung meines Vaters. Wenn ich zurückdenke, wie er das alles vor 40 Jahren alleine geschafft hat, finde ich das toll. In meinen Augen hat er oft den richtigen Riecher bewiesen.

Wenn ich mit dem Bundeskanzler tauschen müsste, würde ich …

... darauf achten, dass Unternehmen nicht so stark in Bürokratie versinken. Denn dadurch gehen Produktivität und Kreativität verloren.

Meine Großmutter hat immer gesagt:

"Du bist mein Sonnenschein"

Wenn ich einmal in Pension gehe, sollen die Leute über mich sagen:

Ich hoffe, sie sagen, dass ich ein aufrichtiger Mensch bin.

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