Erst die dritte Wahl war erfolgreich

Erst die dritte Wahl war erfolgreich

Von Sigrid Brandstätter

Die Welserin Ingrid König zog mit 20 aus, um die Welt kennenzulernen – und wurde in der Vertriebsfirma Melitta in Salzburg schließlich heimisch.

Ihr Ziel als Maturantin war, ins Ausland zu gehen. Doch Mitte der 70er Jahre hatte Ingrid König mit Problemen zu kämpfen, die sich eine junge EU-Bürgerin heutzutage nicht mehr vorstellen kann: "Haben Sie eine Arbeitsgenehmigung?", wurde sie in Paris beim ersten Vorstellungsgespräch gefragt. Hatte die gebürtige Welserin nicht. "Ich war gegenüber Deutschen und Italienern benachteiligt und bekam auch keine." Ihr wurden drei Optionen empfohlen: "Heirate einen Franzosen, werde Aupair-Mädchen oder fahr heim", erzählte die nunmehrige Melitta-Geschäftsführerin schmunzelnd beim Ladies Lunch von LeitnerLeitner diese Woche.

König machte damals nichts von alldem. Sie jobbte und blieb ein Jahr. Den Wunsch, ins Ausland zu gehen, gab sie nicht auf. "Dann werd ich Diplomatin", dachte sich die ehrgeizige junge Frau, rief im Außenministerium an, um zu fragen, welches Studium dafür am zielführendsten sei. "Deshalb hab ich in Salzburg dann Jus studiert." Das mit dem Ausland klappte dann wegen eines tragischen Unfalls in der Familie nicht.

Ihr zweiter Berufswunsch war Anwältin. Doch in den 1980er Jahren war es für eine Mittzwanzigerin schwierig, in einer Kanzlei Fuß zu fassen.

Die dritte Wahl sollte schließlich ihr Berufsleben prägen: König startete als Marketing-Assistentin bei Melitta. Nach zwei Jahren wechselte sie von der Kundenseite in eine Werbeagentur und ging nach Wien zur BDO. Später kehrte sie mit ihrem Mann zurück nach Salzburg und heuerte als Marketingleiterin bei Teekanne an.

Als sie der Ruf ereilte, in ihr altes Unternehmen Melitta zurückzukehren, musste die begeisterte Sportlerin und Transalp-Bezwingerin nicht lange überlegen: Erst leitete sie das Marketing, seit 2001 ist König Geschäftsführerin.

"Ich mache meinen Job noch immer gern. Ins Ausland komme ich aufgrund der Zuständigkeiten für 14 Länder reichlich." Und ihre Liebe zu Frankreich ist trotz der Anfangsschwierigkeiten manifest: Ihr Lebenspartner ist Franzose. Jungen Frauen rät sie trotz heute vollkommen anderer Karrierevoraussetzungen, das zu verfolgen, "wofür man brennt", es gelte das zu finden, was man "mit Leidenschaft" mache.

 

Bunte Sammlung

Den Grundstein für das noch immer in Familienbesitz befindliche kaffee- und Haushaltswaren-Unternehmen Melitta legte 1908 Melitta Bentz.Die Hausfrau wollte endlich ihren Kaffee ohne Kaffeesatz genießen. Sie schnitt Löschblätter zurecht, bohrte Löcher in ein Blechhäferl und erfand den ersten Kaffeefilter. Bald wurde die Form konisch, Form und Marke geschützt.Heute gehören die Marken Cilia (Teefilter), Toppits (Folien), Swirl (Reinigung) und andere zum Konzern. In Deutschland ist Melitta auch einer der großen Kaffeeröster. Auch mit dem Thema Espressomaschinen hat sich Melitta – spät aber doch – auseinandergesetzt und bietet Spezialmaschinen an. 1,4 Milliarden Euro Umsatz macht der Konzern mit 4000 Mitarbeitern.

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