"Bleib locker und gesellig, aber gib klare Linien vor"

"Bleib locker, aber gib klare Linien vor"

Von Susanna Sailer

Bemerkenswerte Karriere: Ursula Clara Deschka aus Linz zieht in Nürnberg in den Vorstand von Ergo Direkt ein

Wenn die gebürtige Linzerin Ursula Clara Deschka voller Esprit von ihrer Karriere erzählt, klingt ihre Aussprache bayrisch angehaucht. Denn die heute 38-Jährige hat ihr gesamtes Berufsleben in der Versicherungsbranche in München verbracht. Nun ist sie dabei, ihre Zweitwohnung in Nürnberg zu beziehen. Mit 1. November wird Deschka in der Vorstandsetage von Ergo Direkt Versicherungen Platz nehmen. Dort wird sie für Produkte & Services zuständig und damit für 500 von insgesamt 1600 Mitarbeitern verantwortlich sein.

Dass sie einmal Karriere machen wird, zeichnete sich bereits im Linzer Khevenhüller-Gymnasium ab: Sie wurde Schulsprecherin, Landesschulsprecherin für Gymnasien und Bundesschülervertreterin. "Ich wollte etwas verändern und besser machen. Und ich war wohl mit der Schule nicht ausgelastet", meint sie heute.

Jobangebote nach Berlinreise

An der Universität Wien studierte sie Internationale Betriebswirtschaftslehre. Im fünften Semester an der Uni nahm ihr Leben durch einen Aushang eine Wende: Die deutsche Allianz Versicherung lud zu einer Veranstaltung nach Berlin. Deschka: "Dort war ich damals noch nicht gewesen und so fuhr ich hin. Als ich aus Berlin zurückkam, hatte ich drei Jobangebote." Sie entschied sich, bei der Allianz in München als Trainee zu beginnen. Vorerst hieß es aber Gas geben und das Studium binnen drei Semestern zu beenden.

Als die damals 22-Jährige als Trainee in München anfing, kannte sie keine Menschenseele. In Deutschland werde gute Leistung extrem geschätzt. "Du musst niemanden kennen, der dich protegiert, sondern nur etwas voranbringen", sagt Deschka, die ihre Chancen zu nutzen wusste.

Mit 24 Jahren wurde sie Büroleiterin in einer Vertriebseinheit. Ihre damals elf Beschäftigten waren alle älter als sie. "Ich konnte mich durchsetzen, indem ich den Leuten zuhörte. Wir machten viel im Team und gingen auch abends gemeinsam aus."

Binnen zwölf Jahren kletterte Deschka die Karriereleiter empor. Mit knapp 35 Jahren war sie in der Ebene unter dem Vorstand angesiedelt, zuletzt als Bereichsleiterin des Spezialisten- und Produktmanagements. Ihre Aufgabe bestand darin, den Vertrieb komplexer Versicherungsprodukte über eine Spezialmannschaft zu forcieren. In Deschkas Händen lag die fachliche Qualifikation der Vertreter.

"Ich ging immer unbekümmert an neue Aufgaben heran", sagt sie. Ihr Tipp: "Bleib locker und gesellig, aber gib den Mitarbeitern dennoch eine klare Linie vor."

Nach 16 Jahren bei der Allianz flatterte heuer ein Angebot von Ergo Direkt ins Haus, das Deschka nicht ausschlagen wollte. In einer Umbruchszeit in der Versicherungsbranche übernimmt sie jene Sparte, die sich mit Digitalisierung auseinandersetzt. Sie wird künftig zu klären haben, welche Versicherungsprodukte nur über das Internet vertrieben werden, wann ein Vertreter als Ansprechpartner gefragter ist und welche neuen Versicherungsprodukte Marktchancen haben.

Ratschläge für Einsteiger

Für Einsteiger in die Versicherungsbranche hat Deschka einige Ratschläge parat. "Scheut den Vertrieb nicht", sagt sie. Diese Aufgabe sei abwechslungs- und lehrreich, denn man lerne, auf Menschen einzugehen. "Das ist für die Karriere dann wichtig, wenn jemand Mitarbeiter zu führen hat."

Sie würde nie mit ihren Mitarbeitern schreien oder Anweisungen geben, die sie selbst nicht erfüllen könne. Junge Führungskräfte neigen ihrer Meinung nach dazu, aus Unsicherheit arrogant zu wirken. Dabei müsse eine Führungskraft ihre Mitarbeiter ernst nehmen und von ihnen lernen. Am besten sei es, so authentisch wie möglich zu bleiben. Jeder habe etwas Einzigartiges, sei es das Lachen oder die Sprache. "Doch leider versuchen viele, genau dieses Einzigartige zu verstecken."

Soziales Engagement erweitert Blickwinkel

Deschka plädiert auch für soziales Engagement: "Damit tut man nicht nur anderen, sondern auch sich selbst etwas Gutes." Es fördere eigene Kompetenzen und die Wahrnehmung anderer Blickwinkel. "Jedem, der ehrgeizig ist und etwas erreichen will, rate ich, über den Tellerrand zu blicken und immer mehr zu sehen als seine eigene Karriere."

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