GERMANY SOCCER FIFA WORLD CUP 2014 QUALIFICATION
Bild: DPA // Ex-Fußballstar Philipp Lahm hat die Mehrheit am traditionsreichen Naturkosthersteller Schneekoppe übernommen.

Wie Spitzensportler Karriere machen

Von Susanne Dickstein

Vom Podest ins Unternehmertum: Philipp Lahm kauft Schneekoppe. Er ist einer von vielen Sportstars, die Firmenchef wurden.

Philipp Lahm hat im Fußball praktisch alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Er führte die deutsche Nationalmannschaft als Kapitän zum Weltmeistertitel, war mit Bayern München mehrfacher deutscher Meister und gewann die Champions League. Jetzt will der frühere Fußballstar seine sportlichen Erfolge in der Wirtschaft wiederholen. Diese Woche hat er die Mehrheit am traditionsreichen Naturkosthersteller Schneekoppe übernommen.

Lahm ist damit nur einer von vielen Leistungssportlern, die vom Podest ins Unternehmerleben springen. Einer der Erfolgreichsten ist zweifelsohne der ehemalige Skirennläufer Klaus Heidegger, der 1978 den Slalom in Kitzbühel gewann. Er hat gemeinsam mit seiner Frau Jami die Apotheke seines Schwiegervaters in New York übernommen und daraus die Kosmetikfirma Kiehl’s geformt. Im Jahr 2000 hat er die Edelmarke für ein paar hundert Millionen Dollar an den Kosmetikkonzern L’Oréal verkauft.

"Vielen fehlt die Ausdauer"

Auch der frühere Volleyball-Nationalspieler Manfred Menges hat vor wenigen Monaten seine Medizintechnikfirma in Gallspach verkauft – und zwar an die Österreich-Tochter des deutschen Pharmakonzerns Celesio. Für ihn ist es kein Wunder, dass viele Spitzensportler nach der sportlichen eine unternehmerische Karriere anstreben. "Als Sportler habe ich gelernt, dass ich Opfer bringen muss, wenn ich Erfolg haben will. Diese Ausdauer fehlt heutzutage vielen, vor allem jungen Menschen", sagt Menges. Im Sport sei man schnell oben und ebenso schnell wieder unten. "Das geht in der Wirtschaft nicht so rasch. Die Erfahrung im Umgang mit Niederlagen ist aber hilfreich."

Für den früheren Skirennläufer Rainer Schönfelder kommt zur Ausdauer auch der Ehrgeiz des Leistungssportlers hinzu. "Als Sportler glaubst du an deine Sache und lässt dich auch beim fünften Nein nicht davon abbringen", sagt Schönfelder. Der Kärntner hat bereits parallel zum Skisport an der Unternehmerlaufbahn gefeilt. Während andere am Ergometer gesessen sind, habe er am Computer Aktien studiert. Heute investiert Schönfelder unter anderem in einen Wohnkomplex im Speckgürtel von Wien sowie verschiedene Hotelprojekte, Letzteres gemeinsam mit Ex-Skistar Hermann Maier. Zudem berät er Start-ups wie "Freemotion", das besonders bequeme Skischuhe entwickelt.

Ein anderer Skistar, eine andere Geschäftsidee: Mario Matt, Olympiasieger und zweimaliger Weltmeister im Slalom, hat sich auf die Zucht von Araberpferden spezialisiert. In einem Interview hat Matt vor ein paar Jahren erzählt, dass er sich bei einer Pferdeschau in Verona in diese Rasse verliebt habe. Mittlerweile gibt es das Gestüt seit 15 Jahren, und es ist längst international anerkannt.

Unberechenbare Wirtschaft

Nicht alle Ex-Spitzensportler sind naturgemäß erfolgreiche Unternehmer – auch wenn sie über noch so viel Ausdauer und Ehrgeiz verfügen. "Der Sport ist viel berechenbarer als die Wirtschaft, weil du dein eigener Chef bist. Jede Trainingsentscheidung triffst du als Sportler selbst", ist Schönfelder überzeugt. Als Unternehmer könne man noch so eine geniale Idee haben: "Wenn die richtigen Mitarbeiter fehlen, geht es nicht."

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