Ein Manager, der es sich nicht in der Komfortzone gemütlich macht

Einer, der sich's nicht in der Komfortzone gemütlich macht

Von Susanna Sailer

Hartmuth Pelger leitet für Miba Sinter in Brasilien die Bereiche Finanzen und IT.

CAMPINAS. "Überwiegend sonnig, 30 Grad." Meist vermeldet der Wetterbericht für die brasilianische Ein-Millionen-Einwohner-Stadt Campinas genau das. "Sollte es doch einmal regnen, bleibt’s trotzdem mild", erzählt Hartmuth Pelger genüsslich.

Seit Mai 2017 ist er für den Automotive-Zulieferer Miba in Brasilien tätig. Als Geschäftsführer leitet er die Bereiche Finanzen und IT der Miba Sinter Brasil, wo im Werk 340 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Ende Juli 2017 übersiedelten Ehefrau Caroline – selbst gebürtige Brasilianerin – und die Kinder Hermann (9), Otto (7) und Anna (4) ebenfalls in die quirlige brasilianische Stadt. Eine große Umstellung, denn davor hatte die Familie sieben Jahre im beschaulichen Rottenegg im Mühlviertel gewohnt. Nun besuchen sie eine deutsch-portugiesische Schule.

Die Welt als Aktionsradius

Für den 43-jährigen Familienvater ist Campinas eine weitere Station in seinem bewusst global ausgerichteten Berufsleben. Geboren wurde er in Rumänien im Städtchen Medias inmitten von Siebenbürgen. "Ich bin also Altösterreicher oder Volksdeutscher – das ist Ansichtssache", sagt er. Als er zehn Jahre alt war, konnte er mit seiner Familie nach Landshut in Niederbayern auswandern. Sein Wirtschaftsstudium absolvierte er in Innsbruck, um danach in München mehrere Jahre bei Accenture als Unternehmensberater zu arbeiten.

Der nächste Schritt führte Pelger nach Hongkong und in den Nahen Osten. "Ich machte auch dort Beratungen und versuchte, nebenbei ein eigenes kleines Handelsunternehmen für Kinderschuhe aufzubauen – leider nicht mit dauerhaftem Erfolg, wenn das Geschäft anfänglich auch ganz gut verlaufen war", erinnert er sich. Doch dann ließ ihn sein chinesischer Zulieferer in einer entscheidenden Saison im Stich, womit die Bestellungen nicht erfüllt werden konnten.

Pelger startete neu durch, diesmal in Düsseldorf bei einem Unternehmen für Bremsbeläge. Später zog es ihn nach Oberösterreich: Zuerst ein Jahr zu Polytec und dann zu Miba.

Zwischenzeitlich arbeitet er sechs Jahre für die Laakirchner Unternehmensgruppe. "Ich wäre für Miba auch nach Kasachstan gegangen, aber Brasilien passt besser, weil ich neben Deutsch, Englisch und Spanisch auch Portugiesisch beherrsche." Die Brasilianer seien jedenfalls gesellig und kommunikativ, die Neuzugezogene schnell mit offenen Armen empfangen. Es sei ein zwangloses Miteinanderleben, sagt der begeisterte Grillmeister, der seinem Hobby in Campinas viel intensiver nachgehen kann.

Bequemlichkeit macht träge

Pelger rät allen, die Karriere machen wollen, dazu, ins Ausland zu gehen. "Ich kenne viele, die es sich in ihrem Leben eingerichtet haben. Die Bequemlichkeit ist zum Lebensziel geworden." Das sei zwar schön, aber es mache auch träge.

Damit seien die Leute nicht auf Unvorhergesehenes vorbereitet. "Es ist wichtig, aus der Komfortzone zu kommen", ist Pelger überzeugt. Auch eine Familie entwickle sich weiter, gelte es doch, gemeinsam neue Herausforderungen zu meistern.

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