Bild: Schwarzmüller // Roland Hartwig liegt die qualifizierte Ausbildung des Nachwuchses am Herzen.

Mit der Lehre ganz nach oben

Von Susanna Sailer

Roland Hartwig startete seine Karriere als Maschinenschlosser- Lehrling. Heute ist er Vorstandsvorsitzender der Schwarzmüller Gruppe.

Für Roland Hartwig beginnt der Arbeitstag mit einem Morgenritual, das wohl die wenigsten Vorstandsvorsitzenden so wie er zelebrieren: Bevor der oberste Boss von Schwarzmüller – einer der größten europäischen Komplettanbieter für gezogene Nutzfahrzeuge – sein Büro in der Zentrale in Freinberg bei Schärding betritt, macht er einen Abstecher in die Produktionsstätte. „Das Erste ist, dass ich durch die Werkstatt laufe. Ich mag das wirklich sehr“, sagt Hartwig. Er lege Wert darauf, mit den Beschäftigten ins Gespräch zu kommen und zwar auf Augenhöhe. Der in der Oberpfalz in Bayern geborene Manager weiß nämlich aus eigener Erfahrung, was es heißt, in einer Produktion zu arbeiten. Denn der heute 52-Jährige, der für rund 2300 Mitarbeiter in Österreich, Tschechien und Ungarn verantwortlich ist, absolvierte einst selbst eine Lehre als Maschinenschlosser. Das bringt ihm auch Respekt der Belegschaft ein.

„Den Bezug zur Werkstatt habe ich nie verloren. Sie ist und bleibt mein Fundament, auf dem ich meine Karriere aufgebaut habe“, sagt Hartwig. Diese Basis gaben ihm bereits seine Vorfahren mit. „Ich wurde als Kind handwerklich geprägt. Mein Großvater war Schweißausbildner. Mein Vater war Maschinenschlosser und arbeitete als Montageleiter“, erzählt der dreifache Familienvater. Hartwig schloss seine Lehre zum Maschinenschlosser mit Auszeichnung ab. Danach arbeitete er mehrere Jahre in diesem Beruf. Irgendwann keimte der Wunsch in ihm auf, selbst Prozesse zu gestalten und Leute zu führen. Hartwig: „Ich will Menschen weiterentwickeln, sie fördern und fordern. Und ich bin bereit, Verantwortung zu tragen.“

23 prägende Jahre bei Linde

Also holte er im zweiten Bildungsweg die Matura nach und absolvierte danach an der Fachhochschule Regensburg ein Maschinenbau- Studium. 1992 heuerte er beim Stapler-Produzenten Linde in Aschaffenburg
an. Dort bewies er sich über 23 Jahre hinweg in verschiedenen Führungspositionen. Hartwig war unter anderem Geschäftsführer in englischen Werken des Unternehmens und leitete später das Mutterwerk von Linde Material Handling in Aschaffenburg. Vor rund drei Jahren, als Hartwig eines Morgens bei Linde wieder einmal „durch die Werkstatt lief“, kam ein Anruf, der seinem Leben eine neue Wende gab. „Ich wurde gefragt, ob ich das Unternehmen Schwarzmüller führen möchte“, erinnert sich der Manager. „Ich habe mich daraufhin schlau gemacht und tatsächlich reizte mich der Umstieg“, erzählt er. Da wäre vor allem die Positionierung des Nutzfahrzeugeherstellers als internationaler Komplettanbieter im Premiumsegment, der für alle Branchen produziert, die Spezialfahrzeuge, Aufbauten und Anhänger brauchen. Es gibt 135 Fahrzeugtypen und unendlich viele Varianten, was die Fertigung äußerst komplex macht.

Tempomacher im Betrieb

„Speed ist mir wichtig“, sagt der passionierte Motorradlenker, der auch beim Autofahren gerne mal aufs Gas steigt. Im Betrieb gilt er als Tempomacher. Derzeit zieht er eine Produktionsumstellung an allen drei Standorten in Österreich, Tschechien und Ungarn durch. Bisher wurden die Lkw- Aufbauten an einem Standplatz gefertigt. Bei laufender Produktion wird nun alles auf Fließfertigung umgestellt, was die Lieferzeiten halbieren soll. Kunden erhalten so ihre Fahrzeuge individuell zugeschnitten, und das zu Standardlieferzeiten.


Hartwig liegt die qualifizierte Ausbildung des Nachwuchses am Herzen. Derzeit befinden sich unter den rund 2300 Mitarbeitern an die 100 Lehrlinge. „Wir wollen diese Anzahl um 20 Prozent erhöhen“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Die Auszubildenden sollen optimale Bedingungen vorfinden. In Freinberg sind die Planungen für eine neue Lehrwerkstätte mit 40 Plätzen abgeschlossen. Hartwig geht davon aus, den ersten Bauabschnitt heuer fertigstellen zu können. Um individuelle Premium-Fahrzeuge bauen zu können, seien qualifizierte Facharbeiter das Um und Auf. „Wir sind Innovationsführer und brauchen kreative Köpfe, die Spaß an der Arbeit haben und die uns voranbringen“, sagt Hartwig.

Begeisterung statt "Einser-Schüler"

Der Schwarzmüller-Chef hat dabei nicht nur die „Einser-Schüler“ im Blick. Denn Schulnoten würden nicht immer im Einklang mit den handwerklichen Fähigkeiten stehen. „Wenn junge Leute mit Begeisterung bei der Sache sind, können sie mit viel Engagement, Spaß und Ausdauer sehr guten Erfolg haben.“ Hier geht der bodenständig gebliebene Vorstandsvorsitzende seinen Lehrlingen mit gutem Beispiel voran.

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