Einer, der die Welt vom Cockpit aus erobert

Einer, der die Welt vom Cockpit aus erobert

Von Susanna Sailer

Jürgen Ditz aus Asten wollte unbedingt Pilot werden, heute fliegt er für Cathay Pacific von Hongkong aus.

HONGKONG. Vor 20 Jahren schickte sich Jürgen Ditz aus Asten (Bezirk Linz-Land) an, die Restaurants und Hotels in Österreich zu erobern. Doch dem Absolventen der Tourismusschule Bad Leonfelden wurde es hier rasch zu eng. Es folgten Stationen in der Schweiz, Kenia, Dallas/USA und London. Eine Karriere in der internationalen Tourismusbranche wäre also vorgezeichnet gewesen, hätte ihn nicht eine andere Leidenschaft in den Bann gezogen.

"Ich sammelte als Kind Fliegermagazine, spielte am Computer mit dem Flugsimulator und versuchte, in Cockpits von Flugzeugen hineinzukommen, was vor den Terroranschlägen vom 11. September 2001 noch erlaubt war", erinnert sich der heute 39-Jährige. Zum Schlüsselerlebnis wurde jener Tag, als Ditz dem Piloten einer Lauda-Air-Maschine beim Startvorgang auf Mallorca über die Schulter blicken durfte. Seit diesem Moment war klar: Er wollte ebenfalls Pilot werden.

"Meine ersten Schritte in diese Richtung habe ich nicht in Europa gemacht. Da fehlte mir das Abenteuer, und die Ausbildung in Europa wäre dreimal so teuer wie in Australien gewesen", sagt Ditz. Die zwölfmonatige Flugausbildung absolvierte er im australischen Brisbane. Montags bis freitags ging er in die Flugschule, am Abend panierte er Schnitzel in der Küche des Deutschen Clubs.

Buschpilot in Papua-Neuguinea

2002 hatte er den Flugschein in der Tasche. Die ersten zwei Jahre flog er kleine Propellermaschinen in Australien, danach war er vier Jahre als Buschpilot in Papua-Neuguinea unterwegs, wo er u.a. Bier und Betelnüsse in abgelegene Winkel transportierte.

Bereits 2001 kam Ditz als Rucksacktourist nach Hongkong und war von der Stadt fasziniert. "Damals entschied ich, dass ich hier einmal leben möchte", erinnert er sich.

2008 war es so weit. Seitdem fliegt Ditz als Co-Pilot für Cathay Pacific mit Sitz in Hongkong und hat dort seinen Lebensmittelpunkt aufgeschlagen. Die Fluggesellschaft gehört mit 150 Flugzeugen, die alle mehr als 250 Sitzplätze haben, zu den größten und renommiertesten Fluglinien der Welt. Ditz fliegt mit dem Airbus 330 bzw. 350 verschiedene Destinationen in Europa, Nordamerika, Australien, Neuseeland, im Nahen Osten und in Asien an.

"Zum Job auf der Langstrecke gehört natürlich viel Nachtarbeit dazu", sagt Ditz. Es sei übrigens keineswegs so, dass der Kapitän immer fliegt und der Co-Pilot stets funkt. "Wir teilen uns die Flüge normalerweise. Das eine Mal fliegt der Kapitän von A nach B und der Co-Pilot macht den Papierkram, Funk und die Treibstoffüberwachung. Beim nächsten Mal werden die Rollen getauscht."

Erstes Kind ist unterwegs

Seit Juli 2017 ist Ditz verheiratet. "Meine Frau ist halb Österreicherin und halb Indonesierin, hat aber die meiste Zeit ihrer Kindheit in Asien verbracht." Im Juni wird das erste Kind auf die Welt kommen.

Nach Österreich zieht es Ditz ein- bis zweimal im Jahr. Er habe ein absolut herzliches Verhältnis zu seiner alten Heimat, liebe heiße Sommer- und kalte Wintertage. Grauen Novembertagen könne er nichts abgewinnen. "Einmal bin ich sogar eine Woche früher aus Österreich abgereist und nach Thailand geflogen, weil ich das Wetter nicht ausgehalten habe."

Ditz möchte noch weitere zehn Jahre in Hongkong bleiben. Dann jedoch erwägt er, mit seiner Familie wieder nach Österreich zu ziehen. Für seine Frau sei das in Ordnung. "Sie versteht die österreichische Mentalität, und sie isst gerne Schnitzel."

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