Bild: OÖN // Dionys Lehner: „In Kleinmünchen und Ebelsberg hat Oberösterreichs Industrialisierung begonnen.“

"Wenn Sie etwas tun, was sonst niemand tun will"

Mr. Linz Textil Dionys Lehner über die Zukunft des Unternehmens, sein Vermächtnis für Linz und die Seidenstraße.

Mit 76 Jahren lässt Dionys Lehner seine aktive Karriere bei der Linz Textil langsam ausklingen. Er hat noch einen unbezahlten Beratervertrag bis Ende 2019. Welches Ziel er dabei noch verfolgt und wie sein unternehmerisches Vermächtnis aussieht, beschreibt der gebürtige Schweizer im Gespräch mit den OÖNachrichten.

OÖNachrichten: In Jahrzehnten, da Europa fast die gesamte Textilindustrie verloren hat, haben Sie die Fahne dieser totgesagten Branche in Linz hochgehalten. Wie ist Ihnen das gelungen?

Lehner: Wenn Sie etwas tun, was sonst niemand tun will, ist das schwierig, aber möglich. Vor drei Jahren haben wir in Landeck die Spinnerei mit der weltweit höchsten Produktivität in Betrieb genommen. Wir können bei den Löhnen nicht konkurrieren, da ist Asien derzeit nicht erreichbar. Aber wir haben wahnsinnig gute Leute und punkten durch unsere Lieferfähigkeit.

Der Streit mit einigen Aktionären hat Sie zurückgeworfen.

Aber das ist jetzt zum Glück bereinigt. Schade, dass es dazu gekommen ist, aber jetzt ist das Verhältnis korrekt. Wir hätten jetzt 200 statt 110 Millionen Euro, wenn wir unsere Strategie umsetzen hätten können. Aber jetzt sehen wir nach vorne. In den nächsten zwei Jahren werden wir die Schäden reparieren, in den drei folgenden Jahren wird die Firma um ein Drittel wachsen. Die entsprechenden Projekte gibt es schon dafür. Wir nehmen zuerst den Spatz in der Hand und treten dann in Dialog mit der Taube auf dem Dach.

Sie haben in der Linz Textil aber noch zwei bemerkenswerte Immobilienprojekte begonnen, zwei Geschenke an die Stadt Linz, wie Sie selbst sagen. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Ich kam 1977 nach Linz, um die Linz Textil zu sanieren. Auf dem Areal stand das Palais Löwenfeld, das die Lebensform der frühen Industriellen im 19. Jahrhundert repräsentierte. Ich wusste, das Haus ist ein Juwel, und es muss irgendwann saniert werden. Das ist nun geschehen. In Kleinmünchen und Ebelsberg begann die Industrialisierung Oberösterreichs. Dieses Gebäude erinnert daran.

Das zweite Projekt ist der Ebelsberger Hof, den Sie neu gestalten und ausbauen.

Ich habe damals im Zuge der Sanierung zwei Grundstücke verkauft, um die Startphase zu überstehen. Die Lage war damals wirklich schwierig. 1980 ist es gelungen, nach 20 Jahren wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Ich halte viel von dem Spruch, dass man das, was man von den Vätern ererbt hat, erwerben soll, um es weiterzugeben. Ich habe daher 1981 42 Millionen Schilling genommen und mit sieben Prozent verzinst, um es wieder in Immobilien zu investieren. Ein Projekt war, dem Konsum Platz zu geben, das andere war der Erwerb des Ebelsberger Hofs. Aber ein Hotel mit 46 Zimmern ist weder Fisch noch Fleisch. Daher haben wir uns entschieden, das Hotel neu mit 125 Zimmern zu gestalten.

Das erste Projekt für dieses Hotel haben Sie abgelehnt.

Es glich einer Cremeschnitte, nicht sehr innovativ. Ich habe dann die neue Bruckneruni besichtigt und deren Architekten gebeten, einen Entwurf zu machen. Das wird großartig. Es wird Spinnerei Design Hotel heißen.

Privat verfolgen Sie das Projekt der Kepler-Planetenbahn. Was soll sie darstellen?

Kepler war nirgendwo so lange wie in Linz und hat hier sein berühmtes Planetengesetz aufgestellt, das Grundlage für unsere Raumfahrt ist. Die Zeit ist reif dafür, dass Kepler im Stadtbild repräsentiert ist. Es soll ein touristisches Angebot sein, ein Magnet für Touristen, aber auch die eigene Bevölkerung.

Wie hoch schätzen Sie die Chance ein, dass das Projekt realisiert wird?

Es gibt drei Phasen: die Sicherung des Eigenkapitals von 60 Prozent, in der befinden wir uns jetzt, außerdem das Genehmigungsverfahren und die Realisierung. Das Projekt wird 28 bis 30 Millionen Euro kosten. Und wenn alles klappt, startet die Bahn 2021. Wir haben die besten Lieferanten aus dem Land an Bord.

Auf wissenschaftlicher Ebene sind Sie mit dem Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) dabei, eine Alternative zur Seidenstraße auszuarbeiten. Was kann man sich darunter vorstellen?

China investiert gezielt und langfristig 7000 bis 8000 Milliarden Dollar, um die Seidenstraße als zentrale Logistikschiene aufzubauen. Wir reden darüber, uns anzuschließen. Stattdessen sollten wir versuchen, vier Millionen Jobs aus Asien zurückzuholen und eigene Wege zu gehen, indem wir Verkehrswege von Portugal bis in den Osten Russlands schaffen, am besten zwei Wege, an denen sich weitere Wirtschaftszonen bilden können.

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