Bild: Anna Larissa // Kerstin Wagner fand bei KTM ihren Traumjob.

Mit Vollgas und Hartnäckigkeit zum Traumjob

Von Daniela Ullrich

Nach nicht ganz freiwilligen Karriere-Umwegen gelang es Kerstin Wagner, bei KTM in Mattighofen Fuß zu fassen.

Mit ihren 24 Jahren hat Kerstin Wagner, die aus dem idyllischen Örtchen Bad Zell im
Mühlviertel stammt, schon einiges gesehen. Das war auch ihr großer Traum in jungen Jahren, ihr Vater, der als
Fernfahrer arbeitet, hatte ihr schon immer von der großen weiten Welt erzählt. Auch das Metier der Mama, die als Rezeptionistin tätig ist, wäre für Kerstin früher einmal vorstellbar gewesen. Wichtig war ihr nur eines: „Unbedingt mit Leuten zusammenarbeiten!“

So entschied sie sich, nach der Fachschule für wirtschaftliche und soziale Berufe in Erla (NÖ) noch den Aufbaulehrgang Wirtschaft in Amstetten dranzuhängen. „Die Matura muss her“, dachte sich Kerstin Wagner, damals schon bedenkend, dass eine solide Ausbildung die eine oder andere Türe öffnen könnte. „Nachdem ich in Erla im Internat war, wollte ich das nicht mehr. Also blieb mir nichts anderes übrig, als nach
Amstetten zu pendeln und die drei Stunden tägliche Zugfahrt in Kauf zu nehmen“, sagt die gestandene Mühlviertlerin, die zu dieser Zeit bei der heimischen freiwilligen Feuerwehr in einer erfolgreichen Bewerbsgruppe Mitglied war.
Bei der WM 2009 in Ostrava in Tschechien war sie als einziges Mädchen bei den großen Abräumern dabei: „Da wusste ich dann, dass ich eine neue Herausforderung brauche, denn mehr gab
es hier nicht mehr zu erreichen“, sagt die selbstbewusste junge Dame.

Eine neue Herausforderung muss her!

Diese neue Herausforderung mitsamt einer neuen Richtung in ihrem Leben ergab sich zufällig zu Kerstins 16. Geburtstag: Sie bekommt eine Eintrittskarte zu dem Motorrad-Sportevent „Masters of Dirt“ geschenkt, wo Motocross-Fahrer ihr Können anhand spektakulärer Sprünge und Showeinlagen unter Beweis stellen. „Ich war von der Show wie elektrisiert und wusste: Das will ich auch“, erzählt Kerstin.
Mit den Eltern machte sie den Deal, dass, wenn sie sich ihr erstes Bike selber finanzieren kann, diese nicht im Weg stehen: „Sie wussten ja schon, dass ich, wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, nicht mehr locker lasse.“

Wie im Märchen

Vom Motocross-Fieber gepackt, klappert Kerstin von da an sämtliche Rennen in der Umgebung ab: „Ich wusste ja nicht mal, dass es so etwas bei uns gibt.“ Sie lernt dabei ihre große Liebe Patrick kennen, er ist es auch, der ihr hilft, das heiß ersehnte erste Bike, eine 85er Kawasaki, zu kaufen. Endlich sitzt Kerstin zum ersten Mal auf einem Motorrad und stellt sich dabei nicht mal schlecht an: „Meine ersten Fahrversuche waren auf einer Motocross-Strecke im Winter. Die Bedingungen waren also nicht optimal, aber ich wusste: Das ist das, was
ich unbedingt will!“

Die Wochenenden verbringt das junge Mädchen von diesem Zeitpunkt an nur mehr auf Rennstrecken, alles dreht sich nur mehr um den Sport. Auch für die Schule konnte sich die junge Motorradfahrerin wieder leichter begeistern, denn Kerstin hatte ein neues Ziel vor Augen: Bei mir drehte sich alles um Motorräder, KTM ist die – noch dazu österreichische – Marke in dem Bereich, also konnte ich mir nichts Besseres vorstellen.“
Mit diesem Gedanken bestand die ehrgeizige Schülerin die Matura auf Anhieb, die Bewerbung bei KTM im Vetriebs-Innendienst folgte prompt. Leider auch die erste Enttäuschung, denn Kerstin wurde abgelehnt.

 

Karriere mit Umwegen

So startete sie bei einem Technikmagazin in der heimischen Bad Zeller Umgebung als Sales- und Media-Beraterin ins Berufsleben. Die Motorradkarriere entwickelt sich nebenbei mit und Kerstin rüstet auf ein stärkeres
Bike um: „Für eine Husqvarna oder KTM hatte es noch nicht gereicht, aber mit meiner 250er Suzuki habe ich begonnen, Rennen zu fahren“, sagt Kerstin, die mit Startnummer 4 in der Schnupperklasse durchstartet. „Die Zahl vier ist meine Glückszahl. Ich bin am 14. 4. 94 geboren!“

Gemeinsam mit Freund Patrick tingelt sie von Rennen zu Rennen, taucht immer mehr in die Motorsportwelt ein, wechselt von Suzuki zu Husqvarna und verspürt immer mehr den Wunsch, bei KTM beruflich unterzukommen. Wie es der Zufall so will, ist die Stelle, auf die sich die Motorsportlerin schon mal beworben hatte, wieder ausgeschrieben. Diesmal schafft es Kerstin auch, sich persönlich vorstellen zu können, letztendlich bekommt sie den Job aber wieder nicht.
Aber eine andere Chance tut sich auf, als ihr die Marketingassistenz bei Husqvarna angeboten wird. „Das passte wie die Faust aufs Auge, weil ich die Marke gut kannte und selbst auf Husqvarna unterwegs war“, freute sich Kerstin Wagner abermals zu früh. Die Stelle wurde letztendlich doch intern besetzt und Kerstins Traum schien zu platzen. „Mir wurde aber versichert, dass sie meine Unterlagen in Evidenz halten, weil ich ja eigentlich gut ins Team passen würde.“

Vor rund zwei Jahren dann wollte es die Oberösterreicherin noch einmal wissen und bewarb sich initiativ bei ihrem Wunscharbeitgeber KTM. „Bei meiner vierten Bewerbung dachte ich an meine Glückszahl und wusste: entweder jetzt oder nie“, sagt Wagner, die ihr Ziel nie aus den Augen verlor.
Das Bewerbungsgespräch verlief abermals gut, aber das Jobangebot kam ganz anders als erwartet: „Mir wurde eine Stelle als SAP-Projektsupport angeboten. Ohne genau zu wissen, was das alles umfasst, habe ich ohne zu zögern zugesagt“, sagt die KTM-Angestellte, die mit März 2016 den Wohnort nach Mattighofen verlegte.

Ein Traum(job) geht in Erfüllung

Kerstin stolperte in ein Riesen-IT-Projekt, wo es darum ging, mehrere interne Computersysteme auf einem, nämlich dem Warenwirtschaftssystem SAP abzubilden. Sie lernte und fand sich schnell ein und wurde nach rund einem halben Jahr intern ins Operations-Team integriert: „Hier bin ich verantwortlich für den laufenden Betrieb im Einkauf und der Disposition. Wenn etwas nicht ausgeliefert werden kann oder eine Rechnung sich nicht ausdrucken lässt, kriegen wir Bescheid und müssen sofort reagieren. Kein Tag ist wie der andere, das taugt mir sehr an dem Job“, sagt die mittlerweile 24-Jährige. Dass sie in den verschiedenen
KTM-Werken unterwegs ist, stillt ihre Reiselust etwas, der Umgang mit den Kollegen an den verschiedenen Orten befriedigt ihre soziale Ader.

Sportlich musste Kerstin etwas zurückschrauben. Die lange Heimreise nach Bad Zell jeden Freitag und die anschließenden Weiterreisen zu diversen Motocross-Rennen schlauchen zusehends: „Ich musste mir eingestehen, dass ich es nicht schaffe im Job und beim Sport 100 Prozent geben zu können. Ich entschied mich dafür, meinen Fokus auf die Arbeit zu legen, um zu sehen, wohin mich das noch bringt.“

Diese Reise hielt die Entdeckung des Enduro-Sports für die Motorsportlerin parat: „Ich kann mich damit super identifizieren. Hier ist Ausdauer erforderlich, die Rennen dauern meist zwei Stunden und sind sehr anstrengend. Aber wenn man hartnäckig bleibt, wird man belohnt“, sagt Wagner, die nach ihren ersten Enduro-Erfahrungen gleich beim Austria Cross Country Championship erfolgreich mitgefahren ist.

Auf in die große weite Welt

Auch in der Arbeit macht sich die Hartnäckigkeit der jungen Dame bezahlt: KTM begann im Herbst vergangenen Jahres, Niederlassungen in Nordamerika auf das bewährte Warenwirtschaftssystem umzustellen. Die Kollegen erzählten begeistert von der Projektplanung und der guten Stimmung in Kalifornien. Reisefan Kerstin bekam Fernweh: „Ich sitze hier in Mattighofen, während die die Welt sehen. Ich war für die vielen Chancen, die sich bisher in meinem Leben schon aufgetan hatten, sehr dankbar, aber ich wusste, dass da noch etwas wartet.“

Die ambitionierte Mitarbeiterin bringt sich bei ihrer Vorgesetzten ins Spiel und bietet an, bei der Computer-Systemumstellung in Amerika mitzuarbeiten, um das Projektteam aktiv zu unterstützen. „Nach der Umstellung geht das System dann rasch in den täglichen Betrieb und ich dachte, dass eine Unterstützung am Standort gut ankommen würde.“
Angetan von so viel Euphorie kam Wagner prompt in das Team und erlebte gleich zu Beginn eine große Überraschung: „Geplant war, dass ich mit April in Amerika einsteige, meine Chefin entschied dann aber, dass ich gleich noch beim ,Go live‘ im Jänner dabei sein sollte. So musste ich mich relativ kurzfristig auf knappe zwei Monate in Amherst und Ohio einstellen.“

In Amerika führt Kerstins Reise auch nach Kalifornien, dort inhaliert sie regelrecht den „KTM Spirit“ und ist unglaublich stolz darauf, ein Teil dieses Teams zu sein. „Ich habe so viele coole Leute kennengelernt. Werks- und Rennfahrer, die ich bisher nur aus dem Fernsehen kannte, unterhielten sich ganz locker mit mir. Da musste ich dann schon irgendwann mal innehalten und den Moment des ,Dazugehörens‘ auch einfach mal genießen“.

 

Wo ein Wille, da ein Weg

Zuhause in Österreich angekommen, wartete bereits die nächste Herausforderung auf die ambitionierte Software-Spezialistin. Im Oktober soll ein weiteres Werk technisch umgestellt werden, diesmal wird Kerstin Wagner als Leiterin der IT übernehmen. Flexibilität, zielorientiertes Arbeiten und der eiserne Wille sind es, was Kerstin Wagner in ihren jungen Jahren schon so weit gebracht haben. „Ich musste mich in das System erst einarbeiten. Bei vielen Schulungen habe ich mich dabei richtig hineingetigert. Dies fiel mir leicht, weil mir das Produkt taugt und ich mich außerdem bedingungslos mit meinem Arbeitgeber identifizieren kann. Ich bin dankbar, dass mir KTM so viel ermöglicht und ich Teil des Teams sein darf. Es ist schon toll, für ein österreichisches Unternehmen tätig sein zu dürfen, das auf der ganzen Welt so positioniert ist“, sagt Wagner, die derzeit wieder bis Ende Mai Tests in den amerikanischen
KTM-Niederlassungen durchführt.

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