Bild: Volker Weihbold

Wenn der Körper spricht

Von Daniela Ullrich // Fotos: Volker Weihbold

Nonverbale Signale nicht nur verstehen, sondern auch gekonnt einsetzen. Wer auf kleine Dinge zu achten weiß, ist manchmal klar im Vorteil.

Es gibt Menschen, die wirken vom ersten Moment an sympathisch und verkörpern eine gewisse Kompetenz und Glaubwürdigkeit. Andere wiederum schaffen das anscheinend nur schwer. Und das alles, bevor sie auch nur ein einziges Wort gesprochen haben. Die Signale der nonverbalen Kommunikation nehmen wir alle wahr, sie zu deuten fällt allerdings manchmal gar nicht so leicht.

So bedeutet zum Beispiel ein Armeverschränken nicht immer wirklich Abwehr, man kann mit verschränkten Armen sogar das Gegenteil signalisieren und flirten.

Einer, der alle Signale gut versteht und auch zu deuten weiß, ist der Körpersprache-Experte Stefan Verra: "Unser Körper spricht entwaffnend ehrlich. Wer die Signale des Gegenübers erkennt, versteht und seine eigene Körpersprache bewusst einsetzt, wird ganz nah an die Bedürfnisse seiner Kunden, Mitarbeiter und Mitmenschen herankommen."

Wer bei Verkaufsgesprächen, Verhandlungen mit Kunden, bei Präsentationen oder beim Vorstellungsgespräch bewusst die richtige Körpersprache einsetzt, kann den Inhalt beeinflussen. Natürlich positiv wie negativ.

Die Schauspieler machen es vor

Um einige Beispiele aufzugreifen, haben wir die Linzer Schauspieler Daniela Dett und Joachim Rathke gebeten, sich für uns in verschiedene Posen und Situationen zu begeben.

Körpersprecher Stefan Verra analysierte diese und hat außerdem noch einen guten Tipp parat: "Hin und wieder auch einfach mal die Klappe halten. Erst dann hat unser Gehirn Ressourcen frei, um sich auf die Mimik und Gestik des Gegenübers zu konzentrieren. Und, probieren Sie bei nächster Gelegenheit im Laufe eines Gesprächs den Körper durch vorbeugen oder zugehen dem Gegenüber näherzubringen. Sie signalisieren so ihrem Gesprächspartner zunehmendes Interesse und ihre volle Aufmerksamkeit."

Der regungslose Botoxblick:

"Ach, du bist auch hier?", gerufen mit dieser versteinerten Mimik, zeigt wenig Freude. Eher das genaue Gegenteil. Ein wichtiges Grundgesetz in der Körpersprache lautet: Je mehr Körperteile sich gegen die Erdanziehung wenden, desto mehr Energie und auch Freude ist spürbar. Und natürlich auch umgekehrt. Wer den Nachbarn also mit hängenden, laschen Armen, gesenkten Mundwinkeln, und müden Augen begrüßt, vermittelt wenig Enthusiasmus. Auch die Augenbraue ist ein wichtiges Indiz: Wer beim Begrüßen die Augenbraue nach oben richet, strahlt Freude und Interesse aus. Was bei diesem eingefrorenen Blick keinesfalls zu sehen ist.

Die Nase-Nabel Regel:

Wer wirklich am Gespräch interessiert ist, hält sich automatisch an die N-N-Regel:
Nase und Nabel sind dabei in einer Linie und auf das Gegenüber ausgerichtet. Dem entsprechend wenden sich der ganze Körper und auch die Augen automatisch frontal dem Gesprächspartner zu. Wer hingegen seitlich zu jemandem sitzt oder steht und eher über die Schulter hinweg Augenkontakt hält, wirkt desinteressiert.

Offene Augen:

Wer mit dem ganzen Körper Offenheit und Sympathie ausstrahlt, darf gerne die Arme verschränken. Einladung zeigt man nicht nur mit einem Lächeln, sondern auch mit hoch erhobenen Augenbrauen. Dies ist eines der wichtigsten Signale in der Mimik. Begeisterung, Freude und Leidenschaft geht immer mit offenen Augen und erhobenen Brauen einher.

Hände in der Tasche:

Wenn die Hände nicht sichtbar sind, kann kein Vertrauen zum Gegenüber aufgebaut werden. Wer die Hände in der Hosentasche hat, kann nicht reagieren. Diese Pose zeigt eine gewisse Inaktivität und auch Gleichgültigkeit.

Das geht schief:

Wenn das Gehirn noch nicht genau weiß, ob es die Augen vor Neugierde nun aufreißen oder doch besser skeptisch zu Schlitzen formen soll, macht es die Sache österreichisch: "A bissl hoit". Die verkörperte Unentschlossenheit wird vom Gegenüber meist als zynisch und überheblich wahrgenommen. Diese asymmetrische Mimik signalisiert aber auch ganz deutlich, dass man mit etwas unzufrieden ist.

Aufregung zeigen:

Auch wenn man immer Tipps bekommt, wie man Nervosität unterdrücken kann, der Körper zeigt diese Signale trotzdem und bereitet eine mögliche Flucht vor. Stefan Verra rät: "Überspielen Sie nichts, sondern gestehen Sie Ihre Nervosität ein: "Ich habe mich so gut vorbereitet, dass ich jetzt echt nervös bin." Damit zeigen Sie mehr Sympathie und schaffen schneller eine Beziehung zu Ihren Zuhörern.

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