Bild: Volker Weihbold // Gerhard Straßer berichtet, welche Fachkräfte besonders nachgefragt sind.

6 Fragen an Gerhard Straßer

Der Landesgeschäftsführer des Arbeitsmarktservice (AMS) Oberösterreich berichtet, welche Fachkräfte besonders nachgefragt sind.

1) Wir haben Hochkonjunktur. Wird und kann die Arbeitslosigkeit überhaupt noch weiter sinken?

Ich gehe davon aus, dass die Arbeitslosenquote von zuletzt 5,8 Prozent heuer auf 5,3 Prozent sinken wird. Allerdings werden wir auch weiterhin mit einer Sockelarbeitslosigkeit leben müssen, von der besonders ältere und benachteiligte Personengruppen betroffen sind.

2) Wie sehr treffen die von der Regierung angekündigten Einsparungen beim AMS die Arbeitslosen in Oberösterreich?

Klar ist, dass die Integration benachteiligter Personengruppen in den Arbeitsmarkt erschwert wird – insbesondere bei Migrantinnen und Migranten. Wir werden bestehende Projekte redimensionieren, in Einzelfällen auch schließen.

3) Firmen suchen händeringend Fachkräfte. Allein in Oberösterreich fehlen aktuell 6000 Spezialisten in der Industrie – welche sind aus Sicht des Arbeitsmarktservice derzeit sind besonders gefragt?

Fachkräfte aus den Bereichen Metall, Holz, Technik, Chemie und aus dem Gebiet der Informationstechnik (IT) sind besonders rar. Wir bemühen uns, Lehrausbildungen in diesen Bereichen stärker zu fördern und Menschen für diese Ausbildung zu interessieren – so etwa haben wir spezielle Angebote für Frauen.

4) Gibt es derzeit auffällige Trends am oberösterreichischen Arbeitsmarkt?

Auffällig ist vor allem, dass trotz der guten Konjunktur die Beschäftigung am Bau stagniert. Überproportional steigt hingegen die Leiharbeit. Aber es gibt auch Branchen mit hervorragenden Zukunftsaussichten – von der Technik über Programmieren bis zur Pflege.

5) Wie werden sich die neuen Bestimmungen der Altersteilzeit auswirken?

Im Regierungsprogramm ist vorgesehen, dass bis 2020 das Antrittsalter auf 60 (Männer) bzw. 55 (Frauen) angehoben wird. Dadurch wird dem steigenden Pensionsalter Rechnung getragen und zudem der kontinuierliche Anstieg der Altersteilzeitfälle eingebremst.

6) Migranten, vor allem Tschetschenen und Afghanen, sind schwer zu vermitteln, hat ein AMS-interner Bericht ergeben. Wie ist das in OÖ?

Was die Arbeitslosigkeit von Ausländerinnen und Ausländern betrifft, liegt Oberösterreich deutlich unter dem Bundesschnitt. Am schwierigsten gestaltet sich derzeit die Vermittlung von Personen mit schlechten Deutschkenntnissen und nicht vorhandener Grundausbildung. Bei dieser Herausforderung hilft uns aber die gute Wirtschaftssituation in Oberösterreich. Der Zugang an offenen Stellen ist im ersten Quartal auf 27.500 gestiegen, vor einem Jahr waren es 26.100 Stellen.

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