Schulden Arbeitslosigkeit
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Vorstellungsgespräch: "Sorry, Sie nehmen wir doch nicht!

Von Susanna Sailer

Wer ein Bewerbungsgespräch vergeigt, rätselt oft, woran es wohl gelegen sein mag. Personalmanager erklären die zehn häufigsten Gründe für Absagen.

Eigentlich dachten Sie ja, diesen Elfmeter schießen Sie locker. Denn wer nach einer Bewerbung zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird, hat es in die engere Wahl um eine ausgeschriebene Stelle geschafft. Umso niederschmetternder ist es, schlussendlich eine Absage zu kassieren. Meist wird aus arbeitsrechtlicher (Vor)Sicht nicht begründet, was genau den Personalmanagern an Ihnen nicht gepasst hat. Hier zehn Gründe, womit Sie sich womöglich ins Out manövriert haben.

  1. Unpünklichkeit: Wenn ein Bewerber um vieles zu spät zum Vorstellungstermin erscheint und dafür keinen triftigen Grund angibt, kommt das zwar nicht gut, lässt sich aber manchmal ausbügeln. „Es hängt von der Art der Entschuldigung ab“, sagt Anton Moser, Human Resources-Manager beim Papierkonzern UPM-Kymmene Austria in Steyrermühl. Er erklärt das mit zwei Beispielen aus seinem Berufsalltag. Ein Bewerber habe sich am weitläufigen Gelände verlaufen und kam daher zu spät - für Moser „kein Drama“. Ein anderer Kandidat ließ den Termin unentschuldigt sausen. Tags darauf meldete er sich, gab an, es sei ihm „irgendetwas dazwischen gekommen“ und fragte, ob er ein andermal kommen könne. „Das lehnte ich dankend ab“, sagt Moser.
  2. Ein anderer Kandidat passt besser: Ein Mitbewerber konnte bei ein oder mehrere Anforderungen des vorgegebenen Jobprofils mehr punkten als Sie selbst, hat mehr Erfahrung oder er fügt sich noch ein bisschen besser in die Unternehmenskultur ein.
  3. Null Vorwissen über das Unternehmen: „Es kann ja sein, dass jemand branchenfremd ist. Wenn solche Bewerber sich einarbeiten möchten, ist das kein Problem“, räumt Rainer Dobringer, Head Corporate HR beim Trauner Spezialpapierhersteller Delfortgroup ein. Offensichtliches Desinteresse bzw. kein einziges Mal vor dem Gesprächstermin auf der Unternehmenshomepage nachgesehen zu haben, wirke sich hingegen negativ aus.
  4. Fehlende Antworten: Warum wollen Sie diese Stelle? Wo liegen Ihre Stärken und Schwächen? Das sind zwei Standardfragen, die Personalmanager fast in jedem Bewerbungsgespräch stellen. Wer sich nicht einmal darauf vorbereitet hat und herum stottert, verspielt seine Chancen. „Ich hake dann sehr lange nach. Bleibt mein Nachbohren trotzdem ergebnislos, ist das nicht gut“, sagt Dobringer.
  5. Nicht ausreichend qualifiziert: HR-Manager Moser stellt hier einen Trend fest: „Immer öfter bewerben sich schlecht qualifizierte Leute, die glauben, es ist egal, was in unserem ausgeschriebenen Jobprofil steht.“ Ohne Lehrabschluss würden diese eine Facharbeiterstelle anstreben und seien dann überrascht, wenn sie nicht engagiert werden, da sie die Minimalkriterien nicht erfüllen. Es gilt also, die Stellenausschreibung sorgfältig zu lesen.
  6. Schlechte Worte über vergangene Arbeitsverhältnisse: Die Frage, warum jemand seine letzte Stelle gekündigt habe bzw. gekündigt wurde, zählt zum Standardrepertoire. Bei dieser Gelegenheit unsachlich und unqualifiziert über alles und jedes herzuziehen und die Schuld beim ehemaligen Arbeitgeber oder den Ex-Kollegen zu suchen, kommt aber miserabel an.
  7. Auftreten oder Kleidung war unpassend: Je nachdem für welchen Arbeitsbereich neue Mitarbeiter gesucht werden, variieren auch die Kleidungskriterien. Moser: „Ich hatte mal jemanden, der sich um den Posten eines Verkaufsleiters bewarb und während des gesamten Vorstellungsgespräches Kaugummi kaute. Das störte gewaltig.“
  8. Unrealistische Gehaltsvorstellungen: Leute, die gleich zu Beginn des Gespräches hinein poltern und übertriebene Gehaltswünsche auf den Tisch knallen, haben schlechte Karten. Dobringer: „Natürlich fragen auch wir nach den Gehaltsvorstellungen eines Bewerbers. Doch diese Angelegenheit wird üblicherweise am Ende des Gespräches erörtert.“ Würden die Vorstellungen des Kandidaten weit über der üblichen Gehaltsbandbreite des Unternehmens liegen, wäre ein Weiterverhandeln aber zwecklos. Fazit: Es zahlt sich aus, sich vorab über branchen- und positionsübliche Gehälter schlau zu machen.
  9. Sich besser darstellen, als man ist: Wenn jemand in seiner schriftlichen Bewerbung bei Qualifikation und Fähigkeiten geschummelt hat, kommt das rasch ans Tageslicht. Moser schildert einen Fall: „Jemand bewarb sich um einen fachlich anspruchsvollen Posten mit guten Englischkenntnissen als wichtigste Anforderung. Das war in der Ausschreibung erwähnt worden.“ Was der Bewerber allerdings nicht erwartet hatte: Das Gespräch wurde in Englisch abgewickelt, wobei sich heraus stellte, dass die geforderten Sprachkenntnisse nur auf ganz schlechtem Niveau vorhanden waren. „Das Gespräch wurde auf der Stelle abgebrochen“, sagt Moser.
  10. Überqualifikation: Sie waren zu gut für diesen Job. „Ja, auch das gibt es“, bestätigt Dobringer. Der Bewerber hat positiv auf sich aufmerksam gemacht und kann vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt für eine andere Position in Frage kommen. Dobringer: „Ich glaube, es ist wichtig, auf die in Evidenz gehaltenen Bewerber zurückzugreifen. Viele dieser Leute reagieren verblüfft und überrascht, wenn ich mich später erneut bei ihnen melde.“ Wer weiß, vielleicht werden ja auch Sie einmal auf diese Weise verblüfft werden.
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